Es geht wieder von vorne los. Rund 200 neue Arbeitstage, an denen einem Gottweißwas blühen kann. Eine Beförderung. Eine Kündigung. Sinnlose Aufgaben. Sinnvolle Aufgaben. Die Kollegen haben einen guten Tag. Die Kollegen haben einen schlechten Tag. Um einigermaßen auf die Unwägbarkeiten vorbereitet zu sein, hier eine kleine Vorausschau auf das Arbeitsjahr 2018.

Januar

Ihr Vorsatz lautet: endlich mehr Gehalt fordern? Willkommen im Jahr 2018! Zunächst einmal können Sie ab diesem Jahr offiziell (zumindest in den Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern) erfragen, was Ihre Kollegen (zumindest die des anderen Geschlechts) für eine vergleichbare Tätigkeit bekommen. Möglich macht es das neue und lange umkämpfte Entgelttransparenzgesetz, das ab dem 6. Januar Arbeitnehmern einen individuellen Auskunftsanspruch verschafft. Fällt leider auf einen Samstag, also warten Sie bis kommenden Montag, ehe Sie förmlich Ihren Antrag einreichen.

Über mehr Geld und einen Lohnausgleich bei befristeter Teilzeit können Sie sich womöglich demnächst ganz ohne individuelle Gehaltsverhandlung freuen, falls sie zu den fast 3,5 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie gehören. Und falls die IG Metall ihre Forderungen tatsächlich durchsetzen kann. Um ihnen mehr Gewicht zu verleihen, hat sie für den 8. Januar bereits Arbeitsniederlegungen angekündigt.

Sollten Sie ein Kind erwarten, dann ist der 1. Januar ein wichtiger Stichtag für Sie: Die Reform des gesetzlichen Mutterschutz ist jetzt in Kraft getreten. Einerseits wird der Schutz ausgeweitet und teilweise verlängert. Andererseits stärkt die Reform die Selbstbestimmung werdender Mütter, sodass beispielsweise Arbeitsverbote nicht mehr gegen ihren Willen verhängt werden können. Gewerkschaften sehen die gelockerten Arbeitszeitbeschränkungen allerdings auch kritisch.  

Februar

Ob die Metaller noch streiken oder nicht – auch für viele andere Beschäftigte stehen ab diesem Monat Tarifrunden an: Zu welchen Bedingungen Geld gegen Arbeitskraft getauscht wird, wird jetzt im Bauhauptgewerbe und im Öffentlichen Dienst von Bund und Gemeinden neu verhandelt. Das betrifft knapp 700.000 beziehungsweise 2,5 Millionen Beschäftigte – also vielleicht auch Sie?

Ach ja, falls Ihr Antrag auf Gehaltsauskunft immer noch nicht bearbeitet wurde: Angeblich ist jetzt der beste Zeitpunkt für die Bewerbung um eine neue Stelle, wie eine Onlinejobbörse einmal aus ihren Datenbeständen ermittelt hat. Demnach waren im Februar die meisten Stellen ausgeschrieben, während gleichzeitig die wenigsten Bewerber suchten. Ergo: Die Auswahl ist größer, die Konkurrenz geringer. Eine fünfmal größere Chance auf eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch hat angeblich, wer die Mail mit der Bewerbung vor zehn Uhr morgens an den Personaler schickt, will wiederum eine andere Untersuchung herausgefunden haben. Sie sollten in diesem Monat also früh aufstehen. Oder Sie warten doch noch die Antwort auf Ihren Transparenzantrag ab.

März

Bis dahin können Sie auch erst mal Ihre Stimme bei den Betriebsratswahlen abgeben – oder selbst kandidieren? 180.000 Betriebsräte werden ab dem 1. März in Deutschland neu gewählt.

Ansonsten stellen Sie vielleicht schon einmal den nächsten Antrag: den Urlaubsantrag. Viele Feiertage fallen 2018 arbeitnehmerfreundlich auf einen Werktag, allerdings oft auf einen mitten in der Woche. Also reichen Sie schon einmal rechtzeitig Ihren Urlaub ein, ehe Ihnen die Kollegen all die Brückentage wegschnappen. Zum Beispiel rund um Ostern: Zwischen dem 24. März und dem 8. April können Sie mit acht Urlaubstagen insgesamt 16 Tage ausspannen.

Insbesondere als Frau haben Sie sich ein paar freie Tage sowieso mehr als verdient: Bis zum 18. März, dem diesjährigen Equal Pay Day, haben Sie – jetzt mal symbolisch und verallgemeinert betrachtet – umsonst gearbeitet: Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen beträgt in Deutschland 21 Prozent. Aufs Jahr gerechnet sind das 77 Tage ohne Bezahlung.

April

Am 8. April ist die gesetzlich vorgesehene Dreimonatsfrist verstrichen, spätestens jetzt muss Ihr Arbeitgeber den Auskunftsantrag bearbeitet haben. Die Spannung steigt: Was verdienen sie denn nun, die Kollegen? Die Antwort Ihrer Firma mit einem vagen Mittelwert macht Sie nicht wirklich schlauer? Das ist wohl vom Gesetzgeber so gewollt. Trotzdem wäre jetzt die beste Zeit, um über Geld zu verhandeln. Das sagen zumindest die nie um einen Rat verlegenen Karriereberater. Die Begründung: Im Frühjahr sind die Budgets gemacht, die Vorgesetzten haben den Überblick darüber, wie viel sie ausgeben dürfen. Und vor allem hätten Sie den Vorteil des antizyklischen Verhaltens: Die Masse (die nicht auf den Rat der Karriereberater hört) klopft nämlich eher vorsichtig kurz vor Weihnachten mit der kleinen Bitte nach mehr Geld an. 

Mai

Gehaltsverhandlungen haben nicht geklappt? Wie passend, dass wir am 5. Mai den 200. Geburtstag eines Vordenkers des modernen Arbeitslebens begehen: Karl Marx. Vielleicht versuchen Sie es also zur Abwechslung mit Klassenkampf. Hier ein erstes Marx-Zitat für das nächste Gespräch mit dem Chef: "Die Arbeit ist also eine Ware, die ihr Besitzer, der Lohnarbeiter, an das Kapital verkauft. Warum verkauft er sie? Um zu leben."

Macht auch am 1. Mai auf einem Transparent was her. 

Juni

Am 14. Juni ist Anpfiff, in Russland beginnt die Fußball-WM der Herren – und in den Büros das Tippspiel. Forscher der Universität Hohenheim hatten zur WM 2010 ermittelt: Im Durchschnitt verbringt ein Beschäftigter während des Turniers täglich 15 Minuten im Büro mit diversem Fußball-Quatsch statt mit den eigentlichen Aufgaben. Ein Viertel der Arbeitnehmer wollte den Ausfall nicht nachholen. Damit würde die Wirtschaftsleistung im WM-Jahr um 0,27 Prozent geringer ausfallen. Allerdings dürfte der Puffer zum Zeitverplempern 2018 größer sein als bei früheren Weltmeisterschaften: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet, dass 2018 erstmals in Deutschland insgesamt mehr als 60 Milliarden Stunden gearbeitet wird.