Eine Arbeitswelt, in der jeder zweite Kollege durch einen Roboter ersetzt wird und manche Berufszweige gleich ganz ohne Menschen auskommen: Laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey Global Institute ist dieses Szenario für Mitte des 21. Jahrhunderts realistisch.

Bis 2055 könnte die Hälfte aller Arbeitsstunden durch Automatisierung wegfallen, schreiben die Experten der Studie. Knapp ein Viertel aller Arbeitsstunden könnten schon 2030 weggefallen sein. Deutschland sei besonders betroffen, weil höhere Löhne mehr Anreiz böten, Arbeitskraft durch Maschinen zu ersetzen.

Der Grad der Automatisierung werde je nach Berufsfeld sehr unterschiedlich ausfallen. Eine vollständige Automatisierung müssten nur die wenigsten Berufsgruppen – unter fünf Prozent aller Branchen – fürchten. Betroffen seien aber keineswegs nur einfache Produktionsjobs. Auch das Gesundheitswesen und die Finanzbranche werde sich substantiell verändern, schreiben die Experten.

Forscher in den USA haben Algorithmen beispielsweise beigebracht, anhand von Gewebebildern die Überlebensrate von Krebspatienten vorherzusagen. Die Algorithmen lernten, verdächtige Merkmale zu finden, die helfen, die Krebszellen von gesunden Zellen zu unterscheiden. Die Trefferquote von Algorithmen, Tumore zu erkennen, liegt schon jetzt teilweise bei mehr als 90 Prozent und damit höher als von Fachärzten.

Zusammenarbeit von Mensch und Maschine

Zwischen drei und zwölf Millionen Beschäftigte müssten sich dem Bericht zufolge neue Fähigkeiten aneignen oder in eine andere Branche wechseln. Das Potenzial an Arbeitskräften werde allerdings wegen des demografischen Wandels bis 2030 voraussichtlich um drei Millionen sinken. Vor einer Welle der Massenarbeitslosigkeit müsse sich deshalb niemand fürchten, schreiben die Autoren der McKinsey-Studie: Wo alte Jobs wegfallen, entstehen neue. Die Produktivitätszuwächse könne es nur geben, wo Mensch und Maschine zusammenarbeiteten.   

Mit der Veränderung der Arbeitswelt verändern sich auch die Anforderung an den Menschen: "Klassische Bildung wird weniger wichtig, kritisches Denken dafür umso mehr", sagte der Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung Aart de Geus auf der Konferenz Workawesome in Berlin. Politik und Unternehmen seien in der Pflicht, Aus- und Weiterbildungsangebote an die Herausforderungen der Digitalisierung anzupassen.