Mein Job

Beruf: Ich bin Verwaltungsbeamter im mittleren Dienst – eigentlich auf Lebenszeit. Allerdings arbeite ich momentan nicht. Vor dreieinhalb Jahren diagnostizierten die Ärzte bei mir ein Burn-out, das allerdings eher ein Bore-out war, wenn das als offizielles Krankheitsbild anerkannt wäre. Meine Therapie habe ich inzwischen abgeschlossen, aber mein Grundproblem bleibt: Ich habe mir in meinem Job als Beamter im Laufe der Jahre immer mehr die Sinnfrage gestellt und wurde zunehmend demotiviert und lethargisch, weil ich nicht die Chance hatte, mich weiterzuentwickeln. Es ging immer nur darum, Tag für Tag den Stapel mit Unterlagen abzuarbeiten. Ich war zwei Jahre krank, bevor ich vor einem Jahr in den Ruhestand versetzt wurde. Das heißt aber nicht, dass ich nie wieder arbeiten werde und für immer eine Pension kassiere. Nur die Beamtenlaufbahn will ich hinter mir lassen.

Ausbildung: Ich habe nach der Schule mit 16 Jahren eine Beamtenlaufbahn im mittleren Dienst eingeschlagen und zuletzt in einer Bundesbehörde gearbeitet. Außerdem schließe ich bald ein berufsbegleitendes Studium in Marketing und Management an einer privaten Hochschule ab. Um es finanzieren zu können, habe ich einen KfW-Studienkredit aufgenommen, den ich später abbezahlen muss. Ich möchte auf jeden Fall wieder einem Beruf nachgehen, sehe meine Zukunft aber in der Selbstständigkeit. Ich will kein fremdgesteuerter Aufgaben-Erlediger mehr sein.

Wöchentliche Arbeitszeit: Ich arbeite im Schnitt 20 Stunden pro Woche ehrenamtlich in einem Kulturverein, den ich mitgegründet habe. Gerade im Sommer war dort viel zu tun, weil wir eine ehemalige Brachfläche mit Konzerten, Open-Air-Kino und Festen bespielt haben. Der Verein gibt mir das Gefühl, etwas Sinnstiftendes zu tun. Ansonsten bin ich an sechs bis acht Wochenenden im Jahr in Berlin, um zu studieren und arbeite regelmäßig als Volunteer bei Großveranstaltungen mit, zum Beispiel kürzlich bei der Handball-WM der Frauen. Ich habe mehr zu tun als je zuvor.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Als Beamter habe ich zuletzt 3.000 Euro brutto im Monat verdient. Gerade bekomme ich für den Zeitraum von insgesamt 18 Monaten ein Ruhegehalt von 1.800 Euro brutto. Ich sehe das als eine Art Übergangsgeld zwischen Beamtenstand und dem Leben danach. Wenn ich doch wieder als Beamter arbeiten wollen würde, könnte ich das nach Ende dieser 18 Monate tun. Ich habe aber vor, zu kündigen.

Nettoeinkommen: Vom Bruttogehalt gehen auch bei Beamten die Steuern ab, sodass früher 2.400 Euro netto übrig blieben. Jetzt mit dem Ruhegehalt sind es ungefähr 1.400 Euro netto.

Sonstiges: Ich habe früher schon öfter nebenbei im Veranstaltungsmanagement gearbeitet oder Promotion-Jobs gemacht, zum Beispiel auf Festivals für Unternehmen geworben. In eine ähnliche Richtung möchte ich wahrscheinlich auch wieder gehen. Mich reizt vor allem der strategische Bereich, ich würde gerne Konzepte entwickeln, wie man Marken oder Events in Szene setzen kann. Da ich mich durch mein Studium in dem Bereich fortgebildet habe, rechne ich damit, als Freiberufler 20 bis 25 Euro pro Stunde verdienen zu können.

Meine Ausgaben

Miete: Ich wohne mit meiner Frau, die Ärztin ist, und unserem vierjährigen Sohn in einer Vierzimmerwohnung. Die Wohnung kostet pro Monat 1.400 Euro warm inklusive Internet. Da wir uns die Miete teilen, liegt mein Anteil bei 700 Euro.

Lebensmittel: Ungefähr 150 Euro im Monat, wobei die meisten Einkäufe meine Frau erledigt.

Transportmittel: Ich habe eine BahnCard 50, die 250 Euro im Jahr kostet. Hinzu kommen ungefähr 100 Euro für Bahnfahrten pro Monat, weil ich zu Fortbildungszwecken regelmäßig in Berlin bin. Es ist mir wichtig, mich fortzubilden, damit ich eine berufliche Zukunft außerhalb der Beamtenlaufbahn habe.

Versicherungen: Als Noch-Beamter bin ich privat krankenversichert, das kostet mich 100 Euro im Monat. Außerdem habe ich eine Hausratversicherung für 150 Euro im Jahr und eine Haftpflichtversicherung für 100 Euro im Jahr. Für meine Lebensversicherung zahle ich 100 Euro im Jahr, sie dient vor allem dazu, später einmal meine Beerdigung zu bezahlen.

Private Altersvorsorge: Ich lege mein Geld lieber unters Kopfkissen, als es in irgendwelche Fonds zu stecken, von denen ich nicht weiß, wie sie sich in den nächsten 30 Jahren entwickeln werden. Ich würde mir als Absicherung fürs Alter später aber gerne mal eine eigene Wohnung kaufen.

Handy: 60 Euro im Monat, Spotify ist im Vertrag inbegriffen.

Netflix: 15 Euro im Monat.

Kleidung: Ungefähr 100 Euro im Monat.

Körperpflege: Ich gehe alle zwei Monate zum Friseur. Wenn man das einberechnet, komme ich ungefähr auf 30 Euro im Monat.

Reisen: Für Urlaube gebe ich mal mehr, mal weniger aus, im Schnitt aber ungefähr 500 Euro im Jahr. Wir waren vor zwei Monaten mit unserem Sohn für einen Monat in Indonesien, das war eine größere Reise. Sonst bin ich aber auch gerne in Europa unterwegs, bis vor einiger Zeit noch mit einem 35 Jahre alten Hippie-Bus.

So viel bleibt am Ende übrig

Zufriedenheit! Ich habe die 1.000 Euro, die ich früher mehr verdient habe, oft ohnehin nur für Schwachsinn ausgegeben, der mich entschädigt hat für die wenig anspruchsvolle Arbeit. Zurzeit rutsche ich zwar manchmal in den Dispo und muss meine Ausgaben dann im nächsten Monaten zurückfahren. Aber momentan macht mir das nichts aus. Ich lebe im Hier und Jetzt.