Ja, immer mehr Männer gehen in Elternzeit – inzwischen entscheidet sich jeder dritte Vater dafür. Das heißt aber auch: Auf jeden dieser Männer kommen zwei andere, die es komplett der Mutter überlassen, sich um das Baby zu kümmern. Auch in den anderen Partnerschaften sind es vor allem die Mütter, die für die Kinder sorgen: Denn viele Väter setzen nur kurz im Beruf aus, oft für die zwei sogenannten Vätermonate. Auch heute wird in Deutschland noch die vermeintlich traditionelle Rollenverteilung gelebt: Frauen wechseln Windeln, Männer verdienen das Geld.

Was halten die Väter von diesem Arrangement? Drei Männer haben uns erzählt, warum sie sich gegen die Elternzeit entschieden haben. Welche Rolle Job und Gehalt dabei gespielt haben. Ob sie glücklich mit der Entscheidung sind. Und was ihre Partnerinnen eigentlich darüber denken.

"Mit null Verdienstausfall hätte ich mich vielleicht darauf eingelassen"

Hanno Bunjes, 35 Jahre alt, Softwareentwickler, Vater eines fünf- und eines zweijährigen Sohnes:

Als meine Frau das erste Mal schwanger wurde, habe ich mit vielen Vätern Gespräche über das Elternsein gesucht. Dabei fiel immer wieder ein Satz: "Die wichtigste Aufgabe der Eltern ist es, dafür zu sorgen, dass es ihnen selbst gutgeht." Das heißt: Nur wenn wir Eltern ausgeglichen und zufrieden sind, können es auch unsere Kinder sein. Mit dieser Erkenntnis im Rücken wurde mir ziemlich schnell klar, dass ich nicht in Elternzeit gehen würde. Ich mache meinen Job nämlich unheimlich gerne und könnte es nur schwer ertragen, müsste ich ihn für längere Zeit an den Nagel hängen. Selbst nach ausgedehnten Urlauben geht es mir so, dass ich zurück an den Schreibtisch und meine Ideen umsetzen will – dann juckt es mir einfach in den Fingern. Ich muss aber auch sagen: Mein Job ist ein absoluter Glücksfall. Ich bin zu guten Konditionen fest angestellt, kann konzentriert und selbstbestimmt an Problemen arbeiten und mein Chef bringt immer Verständnis dafür auf, wenn ich später komme oder früher gehe.

Außerhalb der Arbeit hatte ich dann immer noch genug Zeit mit den Jungs und bekam alle Entwicklungsschritte mit. Zwar war meine Frau in Elternzeit und somit tagsüber für die Kinder zuständig, sobald ich aber in der Haustür stand, übernahm ich die Kinderbetreuung. Ich habe sie ins Bett gebracht und nachts herumgetragen, sodass ich immer wieder sehr schöne und intime Momente mit meinen Kindern hatte. An den Wochenenden investierte ich sowieso meine komplette Zeit und Energie in meine Familie. So konnte ich mich, wenn ich am nächsten Tag wieder an meinem Schreibtisch saß, über die Ruhe im Büro freuen. So glich sich das alles wunderbar aus.

"Klar hätte meine Frau es lieber gesehen, hätte ich wenigstens die zwei Vätermonate genommen."
Hanno Bunjes

Was mir aufgefallen ist: Jetzt, wo die Kinder älter sind, spiele ich eine viel größere Rolle für sie als früher. Darum glaube ich auch, dass das erste Jahr, in dem die Kinder allein schon durch das Stillen sehr viel mehr auf die Mutter angewiesen sind, nicht das allergeeignetste für die väterliche Elternzeit ist. Jetzt kann ich meine Frau viel besser entlasten, indem ich zum Beispiel auch mal übers Wochenende mit den Jungs wegfahre.

Klar hätte meine Frau es lieber gesehen, hätte ich wenigstens die zwei Vätermonate genommen. Aber finanziell hätten wir das definitiv zu spüren bekommen, einfach weil ich besser verdiene als sie. Wir hatten mein volles Einkommen also ziemlich nötig. Mit null Verdienstausfall hätte ich mich vielleicht darauf eingelassen. Vielleicht aber auch nicht. Weil ich mich kenne und weiß, wie gerne ich arbeite. Das ist eben meine Art und Weise, für meine Familie zu sorgen: indem ich darauf achte, dass es mir gutgeht.

Philip, Geschäftsführer

"Selbst ein dreiwöchiger Urlaub ganz ohne Arbeit ist in meinem Job nicht drin"

Philip, 44 Jahre alt, Geschäftsführer, Vater einer sieben- und einer dreijährigen Tochter:

Ich habe eine eigene Firma, die so klein ist, dass ich an der Spitze stehe und meine Kunden direkt betreue. Wir sind Experten in der Abwicklung von Versicherungsfällen in der Seeschifffahrt. Es gibt zwar noch einen zweiten Geschäftsführer, aber es ist ein so spezialisiertes Geschäft, dass meine Kunden mich immer persönlich anrufen. Sie haben meine Mobilnummer und melden sich zu jeder Uhrzeit. Oft geht es um akute Schadensfälle, um die man sich sofort kümmern muss und die keinen Aufschub dulden. Da ist es egal, ob es Wochenende oder spätabends ist oder ich gerade ein Kind bekommen habe.

"Für meine Frau waren vor allem beim ersten Kind die ersten Wochen und Monate ziemlich hart."
Philip, Geschäftsführer

Dass ich für längere Zeit nicht erreichbar bin und gar nicht arbeite, ist deswegen ohnehin nicht möglich. Ich bin vereidigter Sachverständiger. Bei den Schadensfällen, die ich bearbeite, können keine Gutachten rausgehen, ohne dass ich unterschreibe. Am Ende muss ich immer gegenlesen und bin verantwortlich. Das lässt sich nicht ändern.

Ich hätte allerdings sehr gern Elternzeit genommen. Gerade am Anfang hätte ich meine Frau gern unterstützt und hätte mehr Zeit mit meinen Töchtern verbracht. Für meine Frau waren vor allem beim ersten Kind die ersten Wochen und Monate ziemlich hart, da wir ja noch keinerlei Erfahrung oder Routine hatten. Ihr Leben hat sich damals schlagartig geändert, von der berufstätigen Journalistin zur Mutter. Es wäre hilfreich gewesen, wenn ich ihr hätte zur Seite stehen können. Wie hilfreich, ist mir erst im Nachhinein klargeworden. Es stand allerdings nie ernsthaft zur Debatte, dass ich mehrere Monate zu Hause bleibe. Selbst ein dreiwöchiger Urlaub ganz ohne Arbeit ist in meinem Job nicht drin.

Ich finde das Konzept der Elternzeit gut. Bei uns in der Firma wird dieses Modell auch gelebt – allerdings nur unterhalb der Geschäftsführerebene. Einer unserer Mitarbeiter war dieses Jahr zwei Monate nicht da, weil er sich um sein Kind kümmert und nächstes Jahr nimmt er wieder drei Monate. Wir unterstützen das total. Bei mir selbst war es nur leider nicht machbar. Nicht nur ist unsere Firma sehr klein. Rund um die Geburt meiner beiden Töchter war das Arbeitsaufkommen besonders hoch. Es wäre illusorisch gewesen zu denken, dass ich mich länger als ein paar Tage komplett ausklinken kann. Ich habe aber zehn Tage Urlaub genommen und so viel wie möglich zu Hause gearbeitet.

Meine Töchter sind jetzt sieben und drei, und ich versuche abends rechtzeitig nach Hause zu kommen, damit ich mit ihnen zu Abend essen und sie ins Bett bringen kann. Manchmal, wenn ich einen Vater auf der Straße sehe, der morgens um elf mit einem Kinderwagen herumläuft und offensichtlich in Elternzeit ist, bin ich allerdings schon ein bisschen wehmütig. Ich denke dann: Dagegen hätte ich auch nichts gehabt.

Thomas, Personalleiter

"Die meisten Väter in meinem Unternehmen machen das anders"

Thomas, 39 Jahre alt, Personalleiter, Vater von dreijährigen Zwillingen und einer neugeborenen Tochter:

Kurz bevor sich die Zwillinge ankündigten, hatte ich das Unternehmen gewechselt und eine neue Führungsposition übernommen. Ich war also gerade aus der Probezeit raus und meine Verantwortlichkeiten wurden nach und nach ausgebaut. In dieser Situation für längere Zeit auszusteigen, hätte mir das Gefühl gegeben, dass ich illoyal gegenüber meinem Arbeitgeber bin. Das wollte ich auf keinen Fall.

"Ich verdiene schließlich wesentlich mehr als meine Frau. Elternzeit zu nehmen, wäre schlicht strategisch ungünstig."
Thomas, Personalleiter

Aber auch jetzt, drei Jahre später, wüsste ich nicht, wie ich zwei Monate oder länger fehlen könnte. Inzwischen bin ich für die Personalabteilung an meinem Standort verantwortlich, genauso wie die Koordination in Europa. Die Übergabe meiner Arbeit zu organisieren, wäre ein enormer Aufwand. Ich habe das bei einem Kollegen beobachtet, der ein halbes Jahr in Elternzeit war. Das war schon ein ganzes Stück zusätzliche Arbeit.

Die meisten Väter in meinem Unternehmen machen das anders. Von zwölf Vätern haben zehn mindestens die zwei Vätermonate genommen. Nur ein Kollege und ich blieben trotz Baby im Job. Alle, die aus der Elternzeit zurückkommen, erzählen immer völlig begeistert von der Zeit, die sie mit ihrem Kind verbracht haben. Ich hingegen habe absolut nicht das Gefühl, dass mir deshalb etwas fehlt.

Für meine Frau ist es übrigens völlig in Ordnung, dass sie diejenige ist, die zu Hause bleibt. Ich verdiene schließlich wesentlich mehr als sie. Es wäre schlicht strategisch ungünstig, es auch nur zeitweise andersherum zu machen.

Die Zeit, die mir außerhalb der Arbeit bleibt, widme ich aber durchgehend meiner Familie. Ich habe keine zeitraubenden Hobbys, also verbringe ich meine Abende, Wochenenden und Urlaube komplett mit den Kindern. So bekomme ich immer noch genug von ihrer Entwicklung mit.