Mein Job

Beruf: Ich arbeite als freischaffender Kabarettist, Schauspieler, Synchronsprecher und Übersetzer. Mit meinem deutsch-französischen Kabarett Die Französisch-Stunde gastiere ich in verschiedenen Städten, als Schauspieler habe ich zuletzt an der Frankfurter Oper bei Jeanne d’Arc auf dem Scheiterhaufen mitgespielt. Gerade bin ich zudem sporadisch noch am Prinzregententheater in München als Inspizient tätig und kümmere mich darum, dass die Vorstellung reibungslos über die Bühne geht.

Ausbildung: Ich komme ursprünglich aus Straßburg und habe dort am Konservatorium Violoncello studiert. Später kamen noch Schauspiel und Übersetzung hinzu, aber ich habe kein Studium abgeschlossen. Immer wieder kamen Aufträge dazwischen.

Wöchentliche Arbeitszeit: Ich arbeite etwa 90 Stunden pro Woche. Mit meinem Kabarettprogramm bin ich viel unterwegs, außerdem reise ich oft zu Castings. Da ich selbstständig bin, kommt noch die ganze Verwaltung und Buchhaltung dazu. Ein richtiges Privatleben habe ich kaum.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Ein klassisches Einkommen habe ich nicht, denn meine Einnahmen schwanken stark. In einem ganz schlechten Monat hatte ich schon mal nur einen Umsatz von 130 Euro, in einem guten Monat waren es auch schon 6.500 Euro. Abziehen muss man davon immer die Kosten für Arbeitsmaterialien, Büromiete, Anfahrt und so weiter. Außerdem gehen pauschal 95 Euro pro Monat an die Künstlersozialkasse für die Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung.

Nettoeinkommen: Nach Betriebskosten und Steuern bleibt am Ende ein Gewinn von durchschnittlich 150 Euro im Monat. Miete und Telefon sind da schon abgezogen. Das ist nicht viel, aber mir geht es gut damit.

Meine Ausgaben

Miete: Ich schlafe in meinem Büro. Ich zahle 600 Euro warm für ein 100 Quadratmeter großes Atelier in einer alten Wäscherei in München. Dort arbeite ich und dort schlafe ich auf einem Sofa.

Versicherungen: Ich habe eine Haftpflichtversicherung, für die ich 90 Euro im Jahr zahle. Hinzu kommen die Autoversicherung und die Autosteuer für insgesamt 390 Euro jährlich. Ein Auto brauche ich, um meine Requisiten, mein Cello und das Bühnenbild für mein Kabarett zu transportieren. Gerade muss ich ohne Auto klarkommen, weil der TÜV uns voneinander getrennt hat. Jetzt leihe ich mir ab und an eins bei Freunden.

Private Altersvorsorge: Keine. Ich hoffe, dass ich irgendwann mit meiner gesetzlichen Rente auf gut 1.000 Euro im Monat komme. Obwohl ich nächstes Jahr 65 werde, plane ich noch nicht, in den Ruhestand zu gehen. Denn erstens bereitet mir mein Beruf Freude und zweitens steigt mein Rentenanspruch mit jedem Monat, den ich länger arbeite, um 0,5 Prozent monatlich. Das lohnt sich.

Handy und Internet: 115 Euro im Monat.

Internetpräsenz und E-Mail-Account: 20 Euro im Monat.

Berufsverbände: 22,50 Euro im Monat. In Künstlerverbänden bin ich Mitglied, weil ein gutes Netzwerk in meinem Beruf sehr wichtig ist. Man trifft sich immer mal wieder und tauscht sich aus. Dabei ergibt sich manchmal ein Auftrag.

Fitnessstudio: 15 Euro im Monat.

Lebensmittel: 60 bis 100 Euro im Monat. Ich gebe im Zweifel lieber Geld für eine gute Schraube aus, um mein Bühnenbild zu reparieren, als mir etwas zu essen zu kaufen. Wenn ich unterwegs bin, habe ich oft Babygläschen für 65 Cent dabei, um mir das teure Sandwich zu sparen. Die schmecken gar nicht schlecht! Mein Leben besteht aus Gegensätzen: Manchmal werde ich bei einem Gastspiel vor Ort in ein schickes Restaurant zum Essen eingeladen und am nächsten Tag kaufe ich mir einen Hamburger für einen Euro.

Transportmittel: Ich habe eine BahnCard 100, die mich 4.200 Euro im Jahr kostet. Viel Geld, aber ich reise berufsbedingt manchmal mehrmals in der Woche.

Kleidung: Das Hemd, das ich gerade trage, hat auf dem Flohmarkt einen Euro gekostet. Sehr viel mehr gebe ich für Kleidung nicht aus.

Körperpflege: Wenn man es auf den Monat rechnet vielleicht ein Euro? Ich kaufe die günstigste Seife und so ein Deostick hält ja ewig.

Reisen: Ich verreise nie privat, nur beruflich. Dabei versuche ich, die Übernachtungskosten so gering wie möglich zu halten. Oft fahre ich nachts mit dem Zug hin und in der nächsten Nacht wieder zurück.

So viel bleibt am Ende übrig

Wenn am Ende des Monats etwas übrig bleibt, überweise ich das Geld direkt ans Finanzamt. Ich habe dort Schulden von gut 6.000 Euro, weil ich meine Buchhaltung nicht ordnungsgemäß abgerechnet und beim Finanzamt abgegeben habe. Sollte es wirklich mal eng werden und das Geld schon vor Monatsende aufgebraucht sein, liegen auf meinem Fensterbrett viermal 50 Cent, viermal ein Euro und viermal zwei Euro, von denen ich mich dann bedienen kann. In diesem Jahr habe ich den Stapel nur einmal angefasst.