Queen bees gehören aber nicht zu den Problemen in unserem Team. Ich bin umringt von Kolleginnen, die mich vom ersten Tag an ernst nahmen. Die mir Selbstbewusstsein antrainiert haben. Und die mich in meiner Entwicklung unterstützten und mir Dinge zutrauten, bevor ich es selbst tat. Kurz nachdem mein Volontariat begonnen hatte, bekam ich zum Beispiel eine eigene Politikkolumne. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich nicht, dass ich schon bereit dazu wäre – mein Team hat aber an mich geglaubt und mir geholfen, in die neue Rolle hineinzuwachsen. Ich wurde Außenstehenden immer als "Kollegin" vorgestellt, ganz ohne kleinmachenden Zusatz "Volontärin".  Und als ich meinen ersten kleinen Text bei ZEIT ONLINE veröffentlicht habe, bekam ich sofort eine Nachricht von einer meiner Chefinnen: "Yeah, voll gut, Helen!"

Wenn Frauen nicht um knappe Ressourcen konkurrieren, kann es eben sehr angenehm sein, mit Kolleginnen zusammenzuarbeiten. So fand das Korn Ferry Institute 2016 in einer Studie mit 55.000 Arbeitnehmern aus 90 Ländern heraus, dass die teilnehmenden Frauen die Männer in elf von zwölf Faktoren emotionaler Intelligenz übertrafen. Sie waren empathischer ihren Mitarbeitern gegenüber und außerdem die besseren Konfliktmanager, Teamplayer und Mentoren. Alles Faktoren, die laut der Studie entscheidend für die Leistung eines Teams und den Erfolg von Unternehmen sind.

Während meiner externen Volontariatsstation bei ZEIT ONLINE ist mir klargeworden, wie viel mir die Arbeit in einem reinen Frauenteam gebracht hat. Noch vor einem Jahr hätte ich mich kaum getraut, Ideen oder Kritik einzubringen. Die letzten zwölf Monate haben das verändert. Ich war selbst überrascht, dass ich in Redaktionskonferenzen mitgemischt habe – und mich in Diskussionen nicht kleinkriegen ließ.

Diverse Teams sind erfolgreicher

Das heißt aber nicht, dass ich mir eine rein weibliche Arbeitswelt wünsche. In einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey aus dem Jahr 2015 kam raus, dass Unternehmen, die ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnisse vorweisen können, finanziell 15 Prozent erfolgreicher sind als ihre Konkurrenten. Und wenn sie ethnisch divers sind, sogar 35 Prozent. Das ist nur eine von vielen Studien, die zeigen, dass eine vielfältige Arbeitswelt, die unsere Gesellschaftsstruktur widerspiegelt, eben ein Gewinn für alle ist. 

Bis auch in Chefetagen genauso viele Frauen wie Männer sitzen, wird es allerdings noch lange dauern. Aber es lohnt sich, weiter dafür zu kämpfen. Studien zeigen: Je mehr Frauen es in Führungspositionen schaffen, desto geringer ist der Gender-Pay-Gap in diesen Unternehmen. Mit mehr weiblichen Kolleginnen und Vorgesetzten bekommen Frauen mehr Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

"Wenn sich die Situation für Frauen in der Arbeitswelt verbessert, werden ’queen bees' genauso aussterben wie das Faxgerät."
Sheryl Sandberg, Facebook-Geschäftsführerin, Autorin und Aktivistin

Mittlerweile gibt es unzählige Beispiele dafür, dass Frauen in der Berufswelt zusammen- und nicht gegeneinander arbeiten wollen. Die wohl bekannteste Initiative Lean In ist ein weltweites Netzwerk, in dem sich Frauen gegenseitig auf ihren Karrierewegen unterstützen. Inzwischen hat es über 380.000 Mitglieder. Der Feminist Fight Club oder TimesUp sind Initiativen, in denen Frauen sich loyal mit anderen Frauen in der Berufswelt zeigen: in Führungspositionen, aber – noch viel wichtiger – auch im Niedriglohnsektor. Auch in Deutschland gibt es viele Initiativen von Frauen, sich gegenseitig zu bestärken und zu unterstützen: Das Netzwerk Digital Media Women setzt sich zum Beispiel dafür ein, dass mehr Frauen auf Podien, Konferenzen und in den Medien zu Wort kommen. "Innen" fördert die Sichtbarkeit von kreativen Frauen.

Ja, noch immer machen viele, gerade junge Frauen schlechte Erfahrungen mit queen bees in ihrem Arbeitsumfeld. Trotzdem macht es mich wütend, dass sich der Mythos hartnäckig hält, Frauen seien von Natur aus zickig und gehässig zueinander. Ich gehöre zu einer Generation, die sehr stark von Kämpfen profitiert hat, die Frauen vor uns ausgefochten haben. Sie haben das Wahlrecht und ein selbstbestimmtes Leben für uns erkämpft und zumindest ein paar Risse in die gläserne Decke geschlagen. Ich glaube daran: Wenn wir uns eine wirklich gleichberechtigte Arbeitswelt erstritten haben, in der Frauen von Cheffinnen und Teamleiterinnen umgeben sind, können sie andere Frauen viel leichter bestärken und sich mit ihnen über Erfolge freuen. Die Facebook-Geschäftsführerin und Aktivistin Sheryl Sandberg ist sich heute schon sicher: "Wenn sich die Situation für Frauen in der Arbeitswelt verbessert, werden queen bees genauso aussterben wie das Faxgerät."