Mein Job

Beruf: Seit sechs Jahren arbeite ich als Schauspielerin im Theater RambaZamba in Berlin. Dort sind alle Schauspieler des Ensembles entweder geistig oder körperlich eingeschränkt. Ich selbst habe eine Sehbehinderung und bin seit meiner Geburt auf dem linken Auge blind. Schauspiel hat mich zwar schon immer interessiert, aber in der Schulzeit konnte ich mir auch vorstellen, Verkäuferin zu werden. Ich habe aber schnell bemerkt, dass ich viel zu schlecht in Mathematik bin, um im Verkauf zu arbeiten. Da liegt mir das Schauspiel schon mehr, wo ich mit Wörtern und Texten arbeiten kann. Im Theater trete ich meistens in verschiedenen Stücken als Musikerin, Schauspielerin oder Tänzerin auf. Kürzlich in Die Räuber, Schwestern und Der gute Mensch von Downtown. Zurzeit probe ich für das nächste Theaterstück, Die Frauen vom Meer, das am 16. Februar uraufgeführt wird. Und ich singe auch mit fünf Kollegen in der Band des RambaZamba, der 21 Downbeat. 

Ausbildung: Wegen meiner Sehbehinderung war ich auf einer Schule, deren Ausbildung sich speziell an Personen mit eingeschränkter Sicht richtet. Dort hatte ich die gleichen Schulfächer wie jedes andere Kind in Berlin auch, jedoch wurden unsere Leistungen nicht benotet. Dafür konnte ich sehr viele Praktika machen, unter anderem in einer Großküche. Das war aber nicht so mein Ding. Danach habe ich in den Lichtenberg-Werkstätten eine Ausbildung gemacht, die sich auf Malerei, Schneiderei und Kosmetik konzentrierte. Als ich dann ein Praktikum im RambaZamba machen konnte, gefiel es mir so gut, dass ich blieb.

Wöchentliche Arbeitszeit: Ich arbeite fünf Tage die Woche, sieben Stunden am Tag. Mein Tag beginnt um neun Uhr morgens mit einer Stunde, in der wir trainieren und in der Anfangsphase eines Stücks noch Text auswendig lernen. Wenn der dann sitzt, proben wir bis nachmittags, kurz vor der Premiere dann auch mit fertigem Bühnenbild und in Kostümen. Zu den sieben Stunden gehören aber nicht nur die Proben, sondern auch die gut zwei Stunden, in denen wir auftreten, wenn wir Vorstellung haben. An diesen Tagen kommen wir aber erst mittags ins Theater. Bis vor zehn Jahren haben die Schauspieler des RambaZamba tagsüber noch in Werkstätten für Behinderte gearbeitet und sind erst danach ins Theater gekommen, haben geprobt und gespielt. Seit 2008 können wir in den Werkstätten auch künstlerischen Arbeiten nachgehen und uns so den ganzen Tag mit Schauspiel beschäftigen. Jetzt können wir auch offiziell sagen, dass wir von Beruf Schauspieler sind. Das übliche Gehalt eines Schauspielers bekommen wir trotzdem nicht.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Ich verdiene monatlich 272 Euro. Das Einkommen setzt sich zusammen aus einem Grundbetrag, der bei allen Angestellten einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) 80 Euro beträgt. Dieser ist gesetzlich vorgeschrieben. Hinzu kommen ein Arbeitsförderungsgeld von 52 Euro und ein Steigerungsbetrag, der in meinem Fall 140 Euro beträgt. Dieser ist sozusagen mein Gehalt für die Arbeit im Theater. Mehr darf ich nicht verdienen, auch wenn ich Filme drehen würde. Und sogar wenn ich 30 Drehtage in einem Spielfilm in der Hauptrolle hätte – also einen Job, für den Schauspieler sonst mehrere tausend Euro verdienen. So sieht es das Teilhabegesetz vor. Da mein Gehalt aber nicht ausreichen würde, bekomme ich noch Sozialhilfebeiträge. 

Nettoeinkommen: 270,51 Euro 

Sonstige Einnahmen: Monatlich bekomme ich von der Sozialhilfe zusätzlich eine Grundsicherung von 209,80 Euro. Dieser Betrag wird individuell berechnet, indem das Sozialamt schätzt, wie viel Geld ich für meine Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Miete, Heizung, Hausrat sowie für meine persönlichen Bedürfnisse des täglichen Lebens brauche.

Meine Ausgaben

Miete: Ich wohne noch bei meinen Eltern. Daher bezahle ich bisher keine Miete.

Öffentlicher Verkehr: Gar nichts. Aufgrund meiner Sehbehinderung habe ich Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis. Mit diesem kann ich in ganz Deutschland umsonst überall hinfahren. Das Ticket gilt auch für eine Begleitperson. 

Handy: Das Telefon haben mir meine Eltern gekauft. Ich selbst bezahle aber die Internetflatrate, die mich monatlich 15 Euro kostet.

Versicherungen: Diese werden ebenfalls von der Werkstatt für behinderte Menschen übernommen. Das sind 93,42 Euro für die Krankenversicherung und 15,17 Euro für die Pflegeversicherung.

Körperpflege: Im Theater werde ich sehr oft geschminkt. Deswegen gebe ich kein Geld für Make-up aus. Mein Geld geht dann vor allem für Shampoos, Spülungen und Cremes drauf, welche mich etwa 20 bis 30 Euro im Monat kosten. Generell kaufe ich einfach nach, was leer ist. Für den Friseur gebe ich kein Geld aus, da meine Mutter mir die Haare schneidet.

Rente: Die WbfM zahlt monatlich 397,94 Euro für meine Rentenversicherung ein.

Kleidung: Dafür gebe ich im Monat rund 50 Euro aus. Meistens gehe ich mit meiner Mutter einkaufen, wie wahrscheinlich viele in meinem Alter. Wir achten immer sehr auf Sonderangebote und shoppen häufig im Schlussverkauf.

Verreisen: Alleine verreist bin ich bisher noch nie und auch mit meiner Familie war ich das letzte Mal im Jahr 2000 in Vietnam, um dort unsere Verwandtschaft zu besuchen. Seit einem Jahr besitze ich den deutschen Pass. Die 60 Euro dafür habe ich selbst übernommen.

So viel bleibt am Ende übrig

Monatlich sind das ungefähr 150 Euro, die ich vorerst einfach auf dem Sparkonto lasse. Mehr als 5.000 Euro darf ich nicht sparen, so viel Geld darf ich nämlich gar nicht besitzen. Sonst wird das von meinem Gehalt im Theater wieder abgezogen. Das ist übrigens schon eine Verbesserung: Bis vor einem Jahr durften Menschen mit Behinderung sogar nur ein Vermögen von 2.600 Euro haben. Was ich mit dem Ersparten am Ende mache, weiß ich noch nicht. Vielleicht besuche ich irgendwann mal wieder meine Verwandten in Vietnam.