Mein Job

Beruf: Ich bin pensionierte Lehrerin und habe bis 1999 an einer Grundschule auf der Nordseeinsel Baltrum gearbeitet. Nebenbei war ich für die Gemeindebücherei zuständig und habe Touristen über die Insel geführt. Meine Spezialität waren Führungen zu Pflanzen – die können einem im Gegensatz zum Viehzeug nicht davonlaufen. Außerdem war ich Inselkorrespondentin für eine Zeitung. Dann verlor ich meine Stimme bei einer Operation und musste wieder ganz neu sprechen lernen. Deswegen bin ich zwei Jahre früher als geplant in den Ruhestand gegangen und nach Osnabrück gezogen. Dort habe ich mich um meine Mutter gekümmert, bis sie in ein Heim kam und ich selbst in eine Seniorenresidenz nach Bremen ziehen konnte. Nebenbei habe ich als Korrekturleserin bei einer Zeitung gearbeitet. Jetzt wohne ich in Leer und sitze seit einem Jahr im Rollstuhl.

Ausbildung: Ich war nach dem Abitur drei Jahre lang auf der pädagogischen Hochschule und habe Deutsch, Geschichte, Mathematik, Kunst und evangelische Theologie studiert. Außerdem habe ich eine Fortbildung als Bibliothekarin gemacht.

Wöchentliche Arbeitszeit: In der Hauptsaison auf der Insel habe ich teilweise 18 Stunden pro Tag gearbeitet. In der Nebensaison waren es etwa 28 Unterrichtsstunden pro Woche plus Vor- und Nachbereitung und die Bibliotheksdienste. In Osnabrück habe ich einige Stunden in der Woche in meiner Gemeinde geholfen und war mehrmals am Tag für meine Mutter da. Heute genieße ich mein Leben als Rentnerin.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Meine Pension beträgt etwa 3.600 Euro. Das Beamtengehalt war damals nicht üppig, aber dann waren da noch die Nebeneinkünfte aus den Inselführungen und der Arbeit für die Zeitung. Da habe ich richtig Kohle gemacht.

Nettoeinkommen: Auf meinem Konto kommen jeden Monat 2.600 Euro an, ich zahle also ungefähr 1.000 Euro Steuern. Davon muss ich noch Versicherungen abziehen. Ich hole mir aber über den Lohnsteuerausgleich bis zu 400 Euro monatlich wieder – und auf dieses Geld bestehe ich auch. 

Meine Ausgaben

Miete: Ich habe eine Wohnung mit Schlafzimmer, Waschküche, Küche, einem wunderschönen Schlafzimmer mit Wasserbett und Bad, außerdem einen Balkon. Das Apartment ist Teil einer Residenz und ich miete es von den Besitzern, die wohl darauf lauern, hier später einmal einzuziehen. Dafür zahle ich 1.000 Euro Miete im Monat. 

Versicherungen: Die Krankenversicherung kostet mich 219 Euro im Monat, dazu kommt die Hausratversicherung mit etwa neun Euro. Das ist mir wichtig, denn ich habe es auch schon geschafft, mit meinem Scooter die Käsetheke abzuräumen – das war dann ein Schaden von 2.000 Euro. Außerdem habe ich eine Extraversicherung für Glas wegen des großen Balkonfensters, die kostet etwa sieben Euro im Monat. Für die Pflegeversicherung zahle ich 32 Euro.

Medikamente: Ich kann gar nicht genau beziffern, wie viel ich für Behandlungen und Medikamente zahle, weil diese Ausgaben immer gesammelt kommen und ich den größten Anteil von meiner privaten Krankenkasse und der öffentlichen Beihilfe erstattet bekomme. Ich muss aber mindestens 10 Euro Eigenanteil pro Medikament bezahlen und manchmal wird mir die Erstattung verweigert. So komme ich vielleicht auf knapp 100 Euro im Monat.

Lebensmittel: Ich gebe ungefähr 200 Euro für Nahrungsmittel aus. Dazu kommen noch Extraausgaben, zum Beispiel, wenn ich meine Tochter mal zum Pizzaessen oder zum Chinesen einlade. Da schaue ich aber nicht auf jeden Groschen.

Transportmittel: Ich habe mir einen Scooter geleistet. Da hat mir die Beihilfe ins Gesicht gesagt, dass mir der nicht zusteht, deswegen habe ich ihn komplett aus eigener Tasche gezahlt. Dafür nutze ich ihn aber auch jeden Tag. Die Taxifahrten zu den Ärzten bekomme ich genauso wie die Ausgaben für Medikamente größtenteils von Krankenkasse und Beihilfe erstattet.

Telefon und Internet: Ich habe eine Flatrate und telefoniere oft mit meiner Freundin in Kanada. So komme ich auf knapp 50 Euro für das Telefon.

Abos: Ich hole mir jede Woche die ZEIT, die kostet ja mittlerweile auch 5,10 Euro.

Kleidung: Ich habe genug Kleidung im Schrank, aber ab und zu hole ich mir mal eine neue Bluse oder Hose. Das kommt selten vor, deswegen gebe ich vielleicht 20 Euro für Kleidung im Monat aus. 

Körperpflege: Alle vier Wochen kommt die Friseurin zu mir und verpasst mir für 10 Euro einen Haarschnitt.

Freizeit: Früher bin ich viel gereist und auf Konzerte gegangen. Heute gehe ich vielleicht noch mal in den Kulturspeicher zu einem Gratiskonzert, wenn ich mit dem Scooter durchkomme. Dann gebe ich noch 20 bis 30 Euro für Bücher aus. Allerdings kann ich momentan nicht richtig lesen, das wird nach der Laserbehandlung nächste Woche aber hoffentlich besser. Meistens schaue ich Fernsehen – an Heiligabend war der Fernseher von morgens bis abends an, das ging vom Gottesdienst bis zu einer wunderbaren Aufführung des Nussknackers. Dafür gebe ich 17 Euro im Monat aus.

Reisen: Seitdem ich im Rollstuhl sitze, unternehme ich nur noch Ausflüge im Auto zusammen mit meiner Tochter. Früher habe ich aber große Reisen gemacht. Einmal hat mir ein Freund bei der Steuerabrechnung geholfen und mir zu einer Rückzahlung von 8.000 Mark verholfen. Davon habe ich mir eine Reise in die USA und nach Kanada geleistet.

Sonstiges: Ich spende ungefähr 100 Euro im Monat für verschiedene Organisationen. Ich bin ein Naturfreak, deswegen spende ich mal für die Eisbären, mal für die Tiger, mal für die Elefanten. Außerdem stecke ich meiner Tochter ab und zu mal einen Schein zu, wenn sie sich neue Tapeten oder Fliesen für ihr Haus ausgesucht hat. Oder ich leihe meiner Pflegehelferin 300 Euro, wenn sie es braucht.

So viel bleibt am Ende übrig

Nichts. Ich habe aber immer einen stabilen Kontostand zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Ich finde, es ist ein Zeichen von Wohlstand, sich keine Gedanken machen zu müssen.