Mein Job

Beruf: Ich bin Schriftsteller und zurzeit noch als Masterstudent immatrikuliert. Bis April bin ich für ein Aufenthaltsstipendium in den USA. Direkt im Anschluss daran werde ich meine Promotion in Soziologie beginnen, dann habe ich eine 50-Prozent-Stelle an der Uni. Um mir das Schreiben zu finanzieren, hatte ich bisher eigentlich immer irgendwelche Nebenjobs: Briefträger in den Semesterferien, Hiwi an der Uni, Übersetzer auf Messen, Onlineredakteur.

Ausbildung: Zuerst habe ich in Hildesheim Kreatives Schreiben studiert, danach Soziologie und Literaturwissenschaft in Hannover. Währenddessen habe ich einen ganzen Haufen Praktika durchlaufen – bei Medien, in einem Verlag und bei der UN. Ich bin nicht wirklich davon ausgegangen, mal nur als Schriftsteller zu arbeiten.

Wöchentliche Arbeitszeit: Ungefähr 60 Stunden. 40 davon investiere ich ins Schreiben, 20 ins Studium. Meistens stehe ich zwischen 6 und 7 Uhr auf und setze mich mit meinem Frühstück an den Laptop, um zu arbeiten. Das heißt, entweder produziere ich neuen Text, überarbeite alten oder recherchiere. Abends ist dann die Luft raus. Für das erste Buch habe ich so zweieinhalb Jahre gebraucht; am aktuellen Manuskript sitze ich seit drei Jahren.

Meine Einnahmen

Bruttoeinnahmen: Das schwankt enorm von Jahr zu Jahr, von Monat zu Monat. Auf die letzten drei Jahre gerechnet habe ich mit meiner Arbeit als Schriftsteller durchschnittlich 1.200 Euro brutto im Monat verdient. Das setzt sich aus Lesungshonoraren, Preisen, Stipendien und den Vorschüssen für die Manuskripte zusammen. Ich werde außerdem mit zehn Prozent am Verkaufspreis eines Buches beteiligt, bekomme das aber erst ausgezahlt, sobald der Vorschuss eingeholt wird. Für Lesungen gibt es zwischen 100 und 500 Euro. 2015 und 2016 waren in dieser Hinsicht gute Jahre. 2017 hätte ich hingegen nichts mit Literatur verdient, wenn ich nicht unverhofft einen mit 10.000 Euro dotierten Preis gewonnen hätte. Da hatte ich einfach viel Glück. Dazu kam noch ein Stipendium über 7.500 Euro, auf das ich mich beworben hatte. Die Promotionsstelle wird brutto 1.790 Euro abwerfen.

Nettoeinnahmen: Da ich Kleinunternehmer bin und deshalb keine Mehrwehrsteuer zahle, bleiben mir als Autor durchschnittlich 1.000 Euro. Dazu kam immer noch etwas Geld durch einen Nebenjob rein. Vom Uni-Gehalt werden mir netto noch mal 1.217 Euro extra übrig bleiben.

Meine Ausgaben

Miete: 325 Euro im Monat, darin sind Nebenkosten wie Müll, Strom, Gas und GEZ enthalten. Ich wohne seit vier Jahren in einer 90-Quadratmeter-Erdgeschosswohnung mit vier Zimmern, Garten, Terrasse und Wohnzimmer. Das Ding war immer eine WG, gerade sind wir zu dritt: meine Frau, ich und ein Freund von uns, der in Hannover studiert.

Versicherung: Für die Krankenversicherung zahle ich als Student 90 Euro monatlich. Dazu kommen noch 90 Euro im Jahr für eine Privathaftpflichtversicherung, falls ich mal Schaden im Wert von 15 Millionen Euro anrichten sollte.

Altersvorsorge: Ich zahle jeden Monat 400 Euro in einen Bausparvertrag ein, um in den nächsten Jahren eine Eigentumswohnung kaufen zu können, was meine einzige Form von Altersvorsorge wäre.

Lebensmittel: Ich lasse 150 bis 200 Euro im Monat im Supermarkt; in der WG teilen wir uns die Einkäufe. Ich lege keinen großen Wert auf eine abwechslungsreiche Ernährung und esse fast jeden Tag dasselbe: Brot mit irgendwas. Auswärts esse und trinke ich kaum.

Transportmittel: Noch kann ich mit dem Semesterticket die Öffentlichen nutzen. Angewiesen bin ich darauf aber nicht, da ich alles mit dem Rad oder Skateboard erreiche. Das Fahrrad ist so ein gebrauchtes Teil für 60 Euro, das Deck hat insgesamt 180 Euro gekostet.

Telefon und Internet: 25 Euro für Internet und Handy.

Kleidung: Ich kaufe mir nahezu keine Kleidung, sondern ich trage meine Klamotten, bis sie auseinanderfallen. Wenn möglich, repariere ich meine Sachen. Sehe seit Jahren relativ gleich aus. Vielleicht schaffe ich mir demnächst eine Nähmaschine an.

Körperpflege: 1 Euro? Außer Deo, Rasierklingen und 2-in-1-Shampoo brauche ich nichts. Die Haare schneide ich mir selbst.

Freizeit: Mindestens 60 Euro gebe ich monatlich fürs Klettern in der Halle aus. Die dafür nötige Ausrüstung hat mich einmalig etwa 200 Euro gekostet. Für Bücher sind es vielleicht 70 Euro im Monat: Die kaufe ich entweder bei meinem Buchhändler oder – wenn es um alte englisch- oder spanischsprachige Texte geht, die man sonst nirgendwo findet – gebraucht im Internet. Für Videospiele für meinen Windows-PC und die Wii U gehen 20 Euro im Monat drauf. Für Wanderausrüstung, Elektrowerkzeuge und Bauholz habe ich in den letzten drei Jahren vielleicht 2.000 Euro ausgegeben.

Reisen: Das variiert stark. Kann sein, dass meine Frau und ich zwei Monate lang durch Argentinien reisen und pro Kopf 3.000 Euro verbrennen. Kann aber auch sein, dass wir für 200 Euro Kanu-Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern machen. Im Schnitt sind es vielleicht 1.500 Euro pro Jahr für zwei bis drei Urlaube.

So viel bleibt am Ende übrig

Im Alltag schaue ich grundsätzlich sehr aufs Geld, aber für das, worauf ich Bock hab, hau ich's dann raus. Ich habe aber immer versucht, dass am Ende des Monats ein Plus steht. Das hat in der Vergangenheit mal besser, mal schlechter geklappt. Durch die Promotionsstelle kommt da allerdings eine neue Konstanz rein.