In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen.

Mein Job

Beruf: Ich arbeite für einen großen Getränkegroßhändler in Berlin. Dort bin ich als Aushilfe über eine Zeitarbeitsfirma angestellt. Wenn die Saison nicht auf Hochtouren läuft, arbeite ich im Lager. Doch meistens fahre ich die Getränkekisten mit aus und trage sie zu den Kunden. Bierfahrer hießen wir früher. Heute liefern wir natürlich nicht nur Bier, sondern mehrere Tonnen Getränke am Tag aus: von 60-Liter-Fässern bis zu Kisten mit Apfelschorle oder Mineralwasser. Es ist schon ein harter Job. Alleine wenn man zwei große Fässer auf der Sackkarre hat, muss ich 126 Kilo auf einmal bewegen.

Ausbildung: Ich habe eine Ausbildung als Gebäudereiniger in Lüneburg gemacht. Nach anderthalb Jahren habe ich sie leider abgebrochen, weil mein Chef mich und andere Azubis gemobbt hat und unmögliche Arbeitsanforderungen hatte. Zum Beispiel musste ein Azubi eine ganze Diskothek sauber machen. In dem Beruf war ich trotzdem noch vier Jahre tätig. Ich habe Fenster geputzt, Steinboden ausgebessert und beschichtet. Gebäudereiniger ist ja mehr als nur Toiletten putzen. Ich hätte den Job gern weitergemacht, nur dann bin ich mit meiner Freundin nach Berlin gezogen. Dort musste ich fast ausschließlich Treppenhäuser sauber machen. Das war mir zu wenig Abwechslung. Deshalb habe ich über die Zeitarbeitsfirma nach etwas anderem umgeschaut.

Wöchentliche Arbeitszeit: Ist wetterbedingt, im Sommer trinken die Leute mehr. Mal arbeite ich 40 Stunden die Woche, mal nur 25 Stunden. Im Durchschnitt komme ich trotzdem auf mindestens 120 Stunden im Monat.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Bemisst sich nach meinen Arbeitsstunden. Meistens sind es so um die 1.300 Euro.

Nettoeinkommen: Netto landen bei mir zwischen 980 und 1.020 Euro auf dem Konto.

Meine Ausgaben

Miete: Ich wohne mit meiner Freundin zusammen. Unsere Wohnung hat 70 Quadratmeter und kostet 540 Euro warm. Für den Strom zahlen wir 90 Euro. Wir teilen uns die Kosten für die Miete und das Essen. Dafür überweise ich meiner Freundin im Monat 500 Euro. Momentan bezahlt sie aber den Hauptteil unserer Haushaltsausgaben. Sie arbeitet als pharmazeutisch-technische Assistentin in der Apotheke und verdient mehr als ich. Abgesehen von den gemeinsamen Kosten ist aber jeder für sich finanziell verantwortlich. Wenn ich dringend etwas brauche, leihe ich mir die Summe bei meiner Freundin und zahle es zurück. Ich finde, dass ihr Geld auch ihr Geld bleiben sollte. Ein Schritt, den ich eines Tages unbedingt schaffen möchte: mehr verdienen als heute, damit auch ich meiner Partnerin eine Hilfe sein kann.

Lebensmittel: Für Essen gebe ich gemeinsam mit meiner Freundin an die 400 Euro aus, manchmal auch 500. Wir kaufen nicht die billigsten Sachen, aber wir gehen auch nie essen.

Handy: 45 Euro im Monat

Internet und Abos: Internet kostet 20 Euro im Monat. Das zahlt meine Freundin. Dafür zahle ich 12 Euro im Monat für Amazon Prime und Amazon Music. Wir haben auch Netflix, aber das läuft über meine Mutter.

Kleidung: Ich gehe bei Textildiscountern einkaufen. In teuere Geschäfte gehe ich erst gar nicht rein. 80 Euro für einen Pulli kann ich mir nicht leisten. Überhaupt kaufe ich mir so gut wie gar keine Kleidung. T-Shirts, Socken oder Unterhosen bringt mir meine Freundin ab und an mit. Ansonsten hilft mir meine Mutter aus, wenn ich ganz, ganz dringend etwas brauche. Wenn Schuhe kaputtgehen oder ein Anzug für die Hochzeit eines Kumpels anfällt, wie neulich. Wenn sie nicht gewesen wäre, hätte ich mir das nicht leisten können, keine Chance. Da wäre ich zur Hochzeit gar nicht erst aufgetaucht.

"Ein Schritt, den ich eines Tages unbedingt schaffen möchte: mehr verdienen als heute, damit auch ich meiner Partnerin eine Hilfe sein kann."
André, Zeitarbeiter bei einem Getränkegroßhändler

Körperpflege: Alle drei Monate gehe ich zum Friseur. 12 Euro kostet das, außerdem gebe ich 3 Euro Trinkgeld. Das ist für mich eine Sache des Anstands. Zahnpasta, Cremes und die gängigen Sachen bringt meine Freundin aus der Apotheke mit.

Verkehrsmittel: Ich habe das Jahresticket der Berliner Verkehrsbetriebe. Kostet mich umgerechnet 63 Euro je Monat.

Freizeit: Meine Freundin und ich hauen kein Geld für ausgefallene Sachen raus. Wir fahren nicht einmal in den Urlaub. Auf Partys gehen wir allerhöchstens einmal in drei oder vier Monaten. Das ist mehr als genug; wir sind glücklich, nach der anstrengenden Woche zu Hause zu chillen. Mein Computer ist das einzige Hobby, das ich mir gönne. Dafür gebe ich so um die 50 Euro im Monat aus. Vor Kurzem ist mir das Mainboard kaputtgegangen. Hat 180 Euro gekostet. Das habe ich mir dann zum Geburtstag von den Kumpels schenken lassen. Anders hätte ich es mir auch nicht leisten können.

Zigaretten: Ein Laster, ich weiß. Ich rauche schon meine Schachtel am Tag oder stattdessen E-Zigaretten. Das kostet bestimmt 100 Euro im Monat. Ich müsste eigentlich aufhören. Aber dann würde ich wiederum mehr essen. (lacht)

Schulden: Ich habe lange die GEZ-Gebühren nicht überwiesen. Das hat sich angesammelt und jetzt zahle ich immer 25 Euro im Monat ab. Außerdem zahle ich noch Schulden für meine alte Wohnung ab. Ein Kollege wollte sie übernehmen, ist aber im letzten Moment abgesprungen, sodass ich auf den Mietkosten sitzen geblieben bin. Da ist auch noch eine richtige Summe offen.

Altersvorsorge: Dafür fehlt mir das Geld. Über meine Freundin bin ich jetzt wenigstens haftpflichtversichert.

So viel bleibt am Ende übrig

Nichts bleibt übrig. Ich sag mal so: Ohne meine Freundin und Mutter würde ich von der Hand in den Mund leben. Da dürfte kein größerer Kostenpunkt anfallen. Aber zusammen mit meiner Freundin kommen wir als Haushalt gut über die Runden. Dafür bin ich ihr auch jeden Tag dankbar. Manchmal kann ich es kaum glauben: Sie, die Kluge, Süße, mit Anstand, nimmt mich? Den verschuldeten Typen ohne Ausbildung? Ich höre oft Freunde träumen, wie gern sie einen Sechser im Lotto gewinnen würden – und ich denke dann immer, dass ich ihn schon habe. Diese Frau ist mehr als ein Jackpot für mich.