Am 29. März startet die zweite Staffel von "Jerks". Christian Ulmen ist Produzent der Serie, Regisseur und Hauptdarsteller. ©Matthias Nareyek/Getty Images

"Fußballgucken und die Kinderzwänge sind das Einzige, was mein Leben ritualisiert", sagt Christian Ulmen im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Der 42-jährige Schauspieler und Regisseur, dessen zweite Staffel der Comedyserie Jerks bald im Fernsehen läuft, sehnt sich nach mehr Regelmäßigkeit in seinem Arbeitsalltag. Deshalb sei er manchmal traurig, dass er nicht seinen Traumberuf aus Kindertagen ausübe. Damals wollte er Nachrichtensprecher werden. "Weil ich es mir so angenehm vorstelle, jeden Tag ins Funkhaus zu fahren, da zu sitzen, die Nachrichten zu verlesen und dann wieder nach Hause zu fahren." Er sagt: "Ich beneide Linda Zervakis."

Sein erstes Geld verdiente Christian Ulmen in den Neunzigerjahren allerdings mit Telefonsex. Im Podcast erzählt er, wie er und ein Freund dafür ihre Stimmen verstellten und sich gegenüber den männlichen Anrufern als Frau ausgaben. Am lustigsten seien die devoten Männer gewesen, die von den Frauen dominante Befehle erwarteten. "Wenn wir gesagt haben: Wiehere wie ein Pferd, dann haben die das gemacht", sagt er. 30 Mark verlangten sie für ein Gespräch. Irgendwann sei der Job aber langweilig geworden, "weil es so einfach war und wir nie aufgeflogen sind".

Noch vor seinem Abitur moderierte Ulmen eine Kindersendung auf RTL. Danach ging er nach London und wurde Moderator bei MTV. Bekannt wurde er mit seiner Hauptrolle in dem Kinofilm Herr Lehmann. Immer wieder spielt er seitdem auch in Liebeskomödien mit. Dazu sagt er im Podcast: "Das sind durchaus Jobs, die man macht, weil man damit Geld verdient."

"Arbeit heißt für mich, dass ich etwas Anstrengendes tue, um ein Auskommen zu haben."
Christian Ulmen

Doch Ulmen ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Regisseur und Medienunternehmer. Seine Produktionsfirma hat er mittlerweile zur Hälfte verkauft. Im Podcast sagt er: "Ich habe das Chefsein delegiert." Sich selbst sei er ein etwas zu nachlässiger Chef: "Ich gewähre mir viele Pausen und Nichtstun." Das Wort Arbeit mag Christian Ulmen nicht. "Für mich bedeutet der Begriff, dass ich etwas Anstrengendes tue, um ein Auskommen zu haben." Für ihn sei Arbeit vielmehr das, was er in der Schulzeit am Nachmittag gemacht habe. Thank-God-It's-Friday-Postings bei Facebook finde er daher frustrierend. Einen Job machen, bei dem man sich nur aufs Wochenende freut, "das könnte ich nicht", sagt Ulmen.

Auf die Frage, ob der Gedanke an den Ruhestand für ihn beängstigend sei, sagt Christian Ulmen: "Seit ich Kind bin, freue ich mich riesig auf die Rente." Während er in den Kindergarten und zum Klavierunterricht musste, hätte sein Opa früher tagtäglich auf einem Stuhl vor dem Haus gesessen. Das erschien ihm schon damals erstrebenswert. Noch könne er sich aber nicht leisten, aufzuhören. "Dazu lebe ich zu verschwenderisch."

Das Konzept unseres Podcasts "Frisch an die Arbeit" fußt auf dem berühmten Fragebogen von Max Frisch – wir haben ihn umgeschrieben und an die Arbeitswelt angepasst. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können den Fragebogen zum Podcast hier auch selbst ausfüllen.