Nur jeder dritte Vater geht in Elternzeit. Und das selten länger als zwei Monate. Warum, das haben uns drei Männer an dieser Stelle erzählt. Den größten Batzen der nicht bezahlten Care-Arbeit, also Kinderbetreuung und Haushalt, erledigen weiterhin die Mütter. Sind die Frauen mit diesem Arrangement glücklich? Wieso entscheiden viele Frauen sich gemeinsam mit ihren Partnern für diese Rollenverteilung? Und welche Auswirkungen hat das auf Beruf und Beziehung? Drei Mütter berichten über ihre Erfahrungen während und nach der Elternzeit.

"Mein Mann hatte keine Ahnung, was ich den ganzen Tag mache"

Heike, 36, arbeitet 20 Stunden pro Woche als Verwaltungsangestellte. Sie hat zwei Söhne, die acht und sechs Jahre alt sind. Ihre erste Elternzeit nahm sie alleine – und ärgerte sich über ihren Mann, der sich nicht in ihre Lage hineinversetzen konnte.

Als im Jahr 2010 mein erstes Kind auf die Welt kam, habe ich ein Jahr Elternzeit genommen. Ich hätte es damals gut gefunden, wenn mein Mann auch eine Weile zu Hause geblieben wäre – zumindest für die zwei Vätermonate. Doch sein Arbeitgeber hat sich quergestellt. Klar, er hätte auch damals schon einen Rechtsanspruch auf die Elternzeit gehabt. Aber vor acht Jahren war es lange noch nicht so üblich wie heute, als Vater auszusetzen. Erst recht nicht bei uns auf dem Land. Wenn einem die eigenen Chefs dann noch das Gefühl geben, es werde einem schaden, wenn man in Elternzeit geht, dann überlegt man sich das zweimal. Also hat er weiter gearbeitet und ich bin ich alleine zu Hause geblieben.

Meine Eltern und Schwiegereltern wohnen im selben Ort wie wir. Sie konnten also auch mal auf unseren Sohn aufpassen, wenn ich mich mit Freundinnen getroffen oder mal Zeit für mich gebraucht habe. Aber es hat mich gestört, dass mein Mann keine Ahnung davon hatte, was ich den ganzen Tag mache. Wenn er abends heimkam und das Haus nicht immer geputzt oder die Wäsche nicht gewaschen war, hat er nicht verstanden, weshalb ich dafür keine Zeit hatte.

Er war ja den ganzen Tag auf der Arbeit und konnte nicht nachvollziehen, dass es auch ein Vollzeitjob ist, ein Baby zu betreuen – und dass ständig etwas dazwischenkommen kann: Da wollte man vielleicht gerade zum Einkaufen gehen, aber plötzlich macht das Kind die Windeln voll. Also wechselt man die erst mal und wieder verzögert sich alles. Wenn ich ihn dann angerufen habe, ob er auf dem Heimweg nicht noch Brot und Salami mitbringen könnte, kam schon mal die Antwort: "Hättest du das nicht machen können? Du hast doch den ganzen Tag Zeit!" Solche Reaktionen kamen dann wiederum bei mir nicht so gut an und ich habe mich manchmal geärgert.

"Ich glaube, dass viele Unternehmen noch zu unflexibel sind, wenn Eltern, vor allem Männer, eine Auszeit für die Familie nehmen möchten."
Heike

Als mein Sohn ein Jahr alt war, habe ich wieder angefangen zu arbeiten. Kurz darauf kam dann schon unser zweiter Sohn auf die Welt. Mein Mann hatte inzwischen seinen Arbeitgeber gewechselt. Der neue Chef, der deutlich jünger war und zu einer ganz anderen Männergeneration gehörte, reagierte viel verständnisvoller auf seinen Wunsch, zwei Monate Elternzeit zu nehmen. Das war ein Glücksfall für uns alle. Denn während der gemeinsamen Elternzeit konnte mein Mann nicht nur mehr Zeit mit den Kindern verbringen, sondern hat auch verstanden, wie unser Alltag aussieht und dass man es eben nicht schafft, nebenher noch zwanzig andere Dinge zu erledigen.

Die erste Elternzeit habe ich als belastend empfunden. Allerdings weiß ich nicht, ob wir beim damaligen Arbeitgeber meines Mannes auf die Vätermonate hätten bestehen sollen. Das ist wirklich schwierig abzuwägen. Letztendlich riskiert man ja dabei auch seinen Job. Ich glaube, dass viele Unternehmen noch zu unflexibel sind, wenn Eltern, vor allem Männer, eine Auszeit für die Familie nehmen möchten. Uns haben die zwei Monate jedenfalls gut getan und das Zusammenleben erleichtert – bis heute.