Man muss den Blick schon nach oben richten, um zu sehen, wie groß hier gedacht wird. 20 Etagen, verteilt auf drei Gebäude. Wenn die Bauarbeiten im Sommer vollständig abgeschlossen sind, werden hier, unweit des Potsdamer Platzes in Berlin, einmal 2.300 Menschen arbeiten. Die Menschen, die schon jetzt in den gläsernen Büros im zweiten und dritten Stockwerk in Hemden und Hoodies vor ihren Laptops sitzen, entwickeln Blockchains oder mobile Zahlungsangebote. Manche sind Gründer, andere arbeiten für Tech-Firmen oder für Marketingagenturen. Alle sind Mitglieder von WeWork.

Nüchtern betrachtet ist WeWork nichts anders als ein Dienstleister für Büroflächen. Das Unternehmen vermietet einzelne Schreibtische und ganze Büroetagen zeitweise an Freiberufler oder Firmen. Ein Anbieter von Coworking-Räumen, wie es sie mittlerweile hundertfach gibt. Sie heißen Factory, Pulsraum oder Betahaus, und sie alle bieten Tische, schnelles Internet, Kaffee und ein hippes Ambiente. Doch keiner dieser Anbieter wächst so schnell und hat so viel Standorte wie WeWork.

Die Filiale nahe des Potsdamer Platzes ist der vierte Standort des Unternehmens in Berlin. Drei weitere in unmittelbarer Nähe sollen im nächsten Jahr folgen. Auch in Hamburg, Frankfurt und München machen in den kommenden Monaten vier neue WeWork-Büros auf. Deutschland ist ein vergleichsweise neuer Markt für das Unternehmen, das 2010 mit einem Gebäude in New York begann, Coworking als Geschäftsmodell zu etablieren. Zurzeit gibt es 242 Büros auf 1,35 Millionen Quadratmetern Fläche in 71 Städten, von Amsterdam über Bogotá bis nach Singapur. Nach eigenen Angaben kommt jeden Monat mindestens ein weiterer Standort dazu.

Warum zahlen Selbstständige so viel Geld für einen Arbeitsplatz?

Arbeiten bei WeWork kostet erst einmal eine Menge Geld. Für einen Platz im eigenen Büro zahlt man bei WeWork um die 500 Euro im Monat. Das billigste Mietmodell bekommt man für 280 Euro – einen sogenannten Hot Desk. Für diese Summe darf ein Mitglied an einem Platz in der Lounge arbeiten, der gerade frei ist – und muss ihn abends wieder leer räumen. Für viele Grafiker, Texter und auch Gründerinnen und Gründer, die in Berliner Hinterhöfen ihre Projekte entwickeln, ist das eigentlich zu teuer. Die Frage ist also: Welcher Selbstständige ist bereit, so viel für einen Schreibtisch zu zahlen, an dem er nicht einmal eine Zimmerpflanze oder ein Foto über Nacht stehen lassen darf?

Einen Teil der Antwort liefert Eby. Eby, 25 Jahre alt, kommt aus Äthiopien, trägt schwarze Dreadlocks zum Zopf gebunden und begrüßt in der neuen Filiale Mitglieder und solche, die es werden wollen: "Erst mal einen Kaffee?" "Komm, ich nehm dir den Mantel ab." "Erzähl mir etwas von dir." Seit drei Jahren ist Eby Community-Manager bei WeWork und macht neue Coworker mit der Kaffeemaschine vertraut, kümmert sich darum, dass am Abend niemand alleine sein Bier trinken muss, und ist immer erreichbar. In der WeWork-Welt ist er eine Kombination aus Hausmeister, Animateur und bezahltem Freund.