IAA Veteranen der Kleinserien-Szene

Nicht alle Autobauer auf der Internationalen Automobilausstellung streben nach großen Stückzahlen. Hersteller wie Melkus oder Wiesmann liefern Sportwagen für einen kleinen Kundenkreis

25 Exemplare sollen pro Jahr vom Melkus RS 2000 entstehen. Einen Melkus-Sportwagen gab es schon in der DDR, mit Wartburg-Motor und über 200 km/h schnell

25 Exemplare sollen pro Jahr vom Melkus RS 2000 entstehen. Einen Melkus-Sportwagen gab es schon in der DDR, mit Wartburg-Motor und über 200 km/h schnell

Fünf Millionen, weniger geht nicht. So viele Autos pro Jahr muss ein Hersteller bauen und absetzen, sonst ist er nicht überlebensfähig. Zumindest ist das die Meinung von Fiat-Chef Sergio Marchionne. Sein Konzern befindet sich gerade auf Einkaufstour, im Dienste der Stückzahl. Chrysler ist bereits einverleibt, bei Opel kam man nicht zum Zug.

Allerdings gibt es auf der IAA auch Autobauer, für die Marchionnes Regel nicht zu existieren scheint. Auf 25 Wagen pro Jahr hat sich zum Beispiel Melkus für den RS 2000 festgelegt. "Wir wollen uns um jeden Kunden persönlich kümmern können und mit mehr Exemplaren ginge das nicht", begründet Sepp Melkus die Selbstbeschränkung.

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Gemeinsam mit seinem Vater Peter ist Sepp Melkus Inhaber des gleichnamigen Autobauers. Schon zu DDR-Zeiten entwickelte sein Großvater Heinz Melkus den RS 1000, einen realsozialistischen Sportwagen mit Flügeltüren, der es auf mehr als 200 Stundenkilometer Spitze brachte. Als Basis dienten dem sächsischen Tüftler für den Sportler Teile verschiedener Ost-Hersteller. Vor allem aus den Wartburg-Regalen bediente sich Melkus fleißig, der Melkus RS 1000 wurde zur Legende.

Der RS 2000 ist eine moderne Interpretation des gleichen Themas. Auch er hat Flügeltüren, auch er ist kurz, leicht und wendig, auch er trägt den Motor hinter den Sitzen. Dort, wo er für die Gewichtsverteilung am Besten sitzt. Auf Wartburg-Technik möchte man sich im Jahr 2009 allerdings nicht mehr verlassen: Für den Antrieb sorgt im RS 2000 ein per Kompressor aufgeladener Toyota-Motor mit 270 PS, auch Lotus-Technik steckt in dem sächsischen Zweisitzer.

Auf Tempo 100 kommt das Leichtgewicht in weniger als fünf Sekunden. Gut 100.000 Euro verlangen die Dresdener für einen ihrer Sportwagen. Als Bonus gibt es dafür eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass niemand in der Nachbarschaft das gleiche Auto besitzt. "Und wir haben es sogar geschafft, dass noch ein Kasten Bier in den Kofferraum passt", sagt Peter Melkus bei der Präsentation.

Nur ein paar Messestände weiter steht der Artega GT, dessen Fabrik im ostwestfälischen Delbrück liegt. Der Wagen ist nach ähnlichem "Rezept" konstruiert wie der Melkus. Er ist ebenfalls ein Zweisitzer mit Mittelmotor, ein Spaßauto für gut situierte Kunden, denen ein Porsche schon zu sehr Massenware ist. Den Motor kauft Artega bei VW ein, einen Sechszylinder mit drei Litern Hubraum und 300 PS. In diesem Sommer hat man die ersten Exemplare ausgeliefert, insgesamt hofft man auf einen Absatz von 500 Stück pro Jahr.

Dagegen zählt Wiesmann schon zu den Veteranen der Kleinserien-Szene: Anfang der neunziger Jahre entstand der erste Roadster der ebenfalls westfälischen Marke. Den Anstoß gab damals ein Anflug von Sentimentalität bei den Firmengründern. Warum, so die Ausgangsfrage, baut eigentlich niemand mehr ein Auto, das so aussieht wie die klassischen offenen Sportwagen früher?

Das Wiesmann-Design trägt dem Rechnung: Lange Haube, kurzes Heck, wer will, kann eine gewisse optische Verwandtschaft zu Austin Healey oder AC Cobra aus den Sechzigern entdecken. Technisch dagegen ist der britisch aussehende Westfale ein Bayer: Die Antriebstechnik liefert BMW zu, den Rest des Wagens fertigt Wiesmann weitgehend in Handarbeit in Dülmen im Münsterland. Auf der IAA hat Wiesmann als Messeneuheit den offenen MF5 dabei. Unter seiner Haube steckt der Zehnzylinder-Motor des BMW M5. Mehr als 500 PS ist er stark, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei mehr als 300 Stundenkilometer. Auch der Preis ist so erlesen wie die Leistung: Knapp 190.000 Euro soll der MF5 kosten.

Noch nicht auf der Straße ist dagegen der Fisker Karma. Seine Auslieferung soll erst in einigen Monaten beginnen. Der Wagen kann etwas bieten, was die meisten Mitbewerber im Kleinserien-Bereich noch nicht haben: Das Modell ist nicht nur ein Sportwagen, sondern auch ein Plug-In-Hybrid. Das bedeutet, dass der Wagen in der Lage ist, rein elektrisch zu fahren und an der Steckdose geladen werden kann.

Bis zu 80 Kilometer soll dann die Reichweite betragen. Mit Elektroantrieb sind gut 150 km/h Spitze möglich. Außerdem steckt noch ein Turbo-Benzinmotor aus dem Opel-Regal unter der Haube des Fisker, beide Antriebe zusammen steigern die Leistung auf mehr als 400 PS. Sollte Fisker seinen Wagen wie geplant auf die Straße bringen, dürfte er mit dem Tesla Roadster um Kunden konkurrieren – auch wenn der im Gegensatz zum Fisker Karma ohne helfenden Verbrennungsmotor auskommt.

Allerdings hat man bei Fisker nicht die Absicht, ewig ein Kleinserienhersteller zu bleiben. Ehrgeizige 100.000 Exemplare hat man sich als Fernziel vorgenommen. Dagegen sieht man bei Melkus in Dresden keinen Grund, von der "Klein, aber fein"-Strategie abzuweichen. Ein bisschen Expansion gibt es aber auch hier: Zum Produktionsstart hat man neue Mitarbeiter eingestellt. Zwei Stück. Statt zehn arbeiten nun zwölf Menschen für Melkus.

 
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