VW-Bus-Jubiläum Die Kante wird 30
Er war der letzte VW-Bus mit Heckmotor und gehört heute immer noch zum Standard-Inventar auf jedem Open-Air-Festival. 1979 stellte VW den Bulli "T3" vor. Von Kai Kolwitz
© Volkswagen Nutzfahrzeuge

Mit Volldampf zum Klassiker: Die ersten Exemplare des VW Bus T3 sind schon alt genug fürs Oldtimer-Kennzeichen
Ob Campingplatz, Flohmarkt oder Baustelle: VW-Busse und -Transporter der eckigen Baureihe aus den Achtzigern gehören auch im Jahr 2009 noch ganz normal dazu. Meist etwas verbeult, mit stumpfem Lack und anderen Spuren der Jahre. Die Autos sind Arbeitspferde, deren kantige Kastenform auch im Neuzustand nur bei wenigen Emotionen hervorief.
Oder sagen wir besser „positive Emotionen“. Denn als VW im Jahr 1979 die neue Baureihe des VW Bus vorstellte, intern „T3“ genannt, da war die Öffentlichkeit einigermaßen entgeistert. Vor allem deshalb, weil der Hersteller auch dem jüngsten Spross den Motor wieder ins Heck gepflanzt hatte. Und damit genau dahin, wo er bei einem Fahrzeug für den Lastentransport am meisten im Weg war: Ein Buckel, der für eine hohe Ladekante und eine Stufe in der Ladefläche sorgte, genau da, wo man gern lange Holzlatten von hinten durch den Wagen geschoben oder Viersitzer-Sofas ohne Verrenkungen ins Auto manövriert hätte.
Älteren VW-Bussen hatte man das ja noch verziehen. Der Wagen stammte nun einmal vom Käfer ab und auch der trug den Motor im Heck. Aber als der T3 präsentiert wurde, hatte VW die sonstige Produktpalette längst auf Autos mit Frontmotor umgestellt. Und auch die Konkurrenz, allen voran der Ford Transit, trug den Motor da, wo er Ladung und Passagieren nicht im Weg war.
Nicht gerade größer wurde die Begeisterung dadurch, dass der T3 zum Marktstart nur mit den Motoren des Vorgängermodells angeboten wurde. Das waren zwei luftgekühlte, durstige Benziner mit 50 und 70 PS, die im Sommer auf der Autobahn gerne mal den Hitzetod starben. Einen Diesel, der eigentlich schon 1979 überfällig gewesen wäre, bot VW erst zwei Jahre später an. Und der, der kam, war der gleiche, der schon den viel leichteren Golf nicht gerade zum Rennwagen machte. Einen voll beladenen VW-Bus versetzte der Diesel mit seinen 50 PS in eine Art von Bewegung, die nur knapp oberhalb des Kontinentaldrifts lag. Nur lauter war sie.
Aber vielleicht war es ja genau diese Art von Fortbewegung, die dem eckigen Achtziger-Jahre-Modell die ersten Liebhaber einbrachte. Es ließ sich schon romantisieren, wenn man sich mit einem solchen Modell nachts durch die Kasseler Berge gequält hatte, einsam am Steuer, während der Rest der Besatzung sich selbst vom gequälten Brüllen des Motors nicht stören ließ. Und man brauchte Nerven, um mit einem Diesel-Bulli den Wechsel auf die linke Spur zu wagen, wenn der LKW vor einem noch ein bisschen langsamer war als man selbst. Übrigens: Ob Diesel oder Boxer, laut waren sie beide, wenn ihre komplette Leistung abgerufen wurde. Und das Gaspedal voll durchtreten, das musste man bei frühen T3-Bullis ziemlich oft.
Wer wollte, der konnte seinen T3-Bus bis zum Ende der Produktion Anfang der Neunziger Jahre so spartanisch bekommen. Allerdings entwickelte das Arbeitstier parallel dazu ganz langsam noch eine zweite Persönlichkeit: Inspiriert vom Boom der amerikanischen Luxusvans und den ersten Großraumlimousinen à la Renault Espace entwickelte VW für den Bus zum ersten Mal in großem Stil Ausstattungslinien, die den Wagen mehr in Richtung PKW rücken sollten: Bus-Varianten wie Caravelle, Multivan, Blue, Red oder White Star boten bequemere Sitze, weniger nacktes Blech, selbst Extras wie elektrische Außenspiegel oder beleuchtete Schminkspiegel waren auf einmal für den Bus erhältlich. Der Multivan hatte als besonderes Feature serienmäßig eine Rückbank, die sich in ein Bett verwandeln ließ – unter Zuhilfenahme der Motorabdeckung, die in diesem Fall ausgesprochen praktisch war.
Und damit der Bus nicht nur nach PKW aussah, sondern auch so beschleunigte, nahm VW parallel dazu Motoren mit mehr Leistung ins Angebot auf. Mit bis zu 112 PS ließ sich der Bulli trotz seines schlechten Luftwiderstandswerts einigermaßen zügig bewegen. Und selbst einen Sechszylinder mit mehr als drei Liter Hubraum und mehr als 150 PS entwickelte VW bis zur Serienreife. Das Werk selbst bekam allerdings Angst vor der eigenen Courage. Man reichte die Pläne an den Tuner Oettinger weiter, der die Motoren in eigener Regie in VW-Busse einbaute. Wer heute ein Exemplar findet, das mit einem der Sechszylinder ausgerüstet ist, hat eine der großen Raritäten im Bus-Universum aufgestöbert.
- Datum 19.10.2009 - 19:02 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Der Oettinger T3, man war der geil! Waren das geile Touren!
...auto
der T4 und T5 können bei weitem nicht den charme vermitteln wie es der T3 und seine vorgänger tun.
wenn ich ein besserer bastler wäre, hätte ich so einen bereits vor der tür stehen!
danke VW
bevor es nur noch welche für "fünfstellig" gibt...
So ein Doppelkabiner mit Pritsche gibt einen herrlich unaufgeregten Pickup ab... - am liebsten natürlich als Syncro.
Mal sehen...
...............wie oft hat mich ein T1 eines Kumpels von 1967-1976 zu den diversen Rockfestivals in Deutschland gefahren. Fleischwurstkringel, Dosenbier und jede Menge kesser Bräute, große Freiheit, big Revolution und Haare bis über die Schultern. Dazu die Rolling Stones, Traffic, Humble Pie und Spooky Tooth........Als der Bully beerdigt werden musste, war ein jeder bei dieser Nachricht still und versonnen. Er war selbst wie ein zuverlässiger Kumpel.
Schön, wenn man solche Erinnerungen hat.
Power to the people !!!!
Rückwirkend sind diese Autos sicher toll gewesen, ich kann mich nur an eine Rückfahrt aus Dänemark mit unserer WG erinnern, es war der Katastrophenwinter 1979/80. Ich konnte mich als Fahrer entscheiden, kalte Füße und freie Scheibe oder warme Füße und zugefrorene Scheibe.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ich mag Oldtimer, habe selber welche, nur sind sie heute Spielzeuge und keine Alltagswagen mehr.
Aber nichtsdestotrotz bleibt zu fragen, warum baut die Autoindustrie keine Autos mehr, die feeling vermitteln, sondern nur noch fahrbare Computer.
Rückwirkend sind diese Autos sicher toll gewesen, ich kann mich nur an eine Rückfahrt aus Dänemark mit unserer WG erinnern, es war der Katastrophenwinter 1979/80. Ich konnte mich als Fahrer entscheiden, kalte Füße und freie Scheibe oder warme Füße und zugefrorene Scheibe.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ich mag Oldtimer, habe selber welche, nur sind sie heute Spielzeuge und keine Alltagswagen mehr.
Aber nichtsdestotrotz bleibt zu fragen, warum baut die Autoindustrie keine Autos mehr, die feeling vermitteln, sondern nur noch fahrbare Computer.
habe ich Papas T1 aufs Dach gelegt. Der Schlüssel glaubte man damals noch stecken lassen zu können...
Rückwirkend sind diese Autos sicher toll gewesen, ich kann mich nur an eine Rückfahrt aus Dänemark mit unserer WG erinnern, es war der Katastrophenwinter 1979/80. Ich konnte mich als Fahrer entscheiden, kalte Füße und freie Scheibe oder warme Füße und zugefrorene Scheibe.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ich mag Oldtimer, habe selber welche, nur sind sie heute Spielzeuge und keine Alltagswagen mehr.
Aber nichtsdestotrotz bleibt zu fragen, warum baut die Autoindustrie keine Autos mehr, die feeling vermitteln, sondern nur noch fahrbare Computer.
Bei allen konstruktiven Schwächen fuhr sich mein T3 einfach gut. Das Heckmotor-Feeling ist unübertroffen, daher wohl auch der Erfolg der 911 er von Porsche. Die Winter-Fahreigenschaften waren ausgezeichnet, und ein halbwüchsiges Wildschwein, das plötzlich aus einem Straßengraben auftauchte, wurde zügig überrollt, ohne daß es größere Schäden in der Bodengruppe gab. Auch wenn er nicht der ultimative Transporter für Handwerker war, ein sehr guter Bus war er allemal in den Chrom-Versionen. Ich erinnere mich an eine mehrere 100 m lange Rückwärtsfahrt mit einem kleinen Wohnwagen dran auf einem Waldweg in McPomm, wo der Weg plötzlich zuende war und auch Umdrehen nicht drin war. Ich hätte ihn behalten sollen!