Mobilität der Zukunft

"Kein erfolgreicher Autobauer denkt nur in Autos"

Prepaid-Auto: Per aufgeladener Chipkarte Auto fahren, ist noch eine Vision. Die Zukunftsforscher bei Daimler wollen die Mobilität von übermorgen revolutionieren. Lesen Sie den zweiten Teil des Interviews über die Autos von übermorgen.

Ein Auto der Zukunft: 2007 präsentierte DaimlerChrysler dieses Modell in Washington, das der Natur nachempfunden ist

Ein Auto der Zukunft: 2007 präsentierte DaimlerChrysler dieses Modell in Washington, das der Natur nachempfunden ist

ZEIT ONLINE: In Deutschland werden Städte vom Auto dominiert: Überall muss Parkraum vorgehalten werden, Verkehrswege sind vor allem auf die Bedürfnisse des Autos zugeschnitten. Wäre es da nicht Zeit für ein noch radikaleres Umdenken?

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Thomas Waschke: In Europa ist die Situation noch relativ gemäßigt. Aber in anderen Regionen entstehen teilweise in kurzer Zeit ganz neue Städte, teils auch im Wildwuchs. Manche dieser Städte funktionieren ganz anders, als wir das hier kennen. Für Mobilität ergeben sich da andere Zusammenhänge. Nicht zuletzt, wenn es darum geht, die Versorgung sicherzustellen. Für diese Städte brauchen wir neue Mobilitäts- und Fahrzeugkonzepte.

ZEIT ONLINE: Welche zum Beispiel?

Waschke: Ich denke, dass sich das Spektrum der Mobilitätsangebote erweitern wird.

Claus Ehlers: Schon heute wird ja häufiger zwischen unterschiedlichen Mobilitätslösungen gewechselt. Einen der Bausteine für solch eine vernetzte Mobilität ist "car2go". Nach der erfolgreichen Implementierung in Ulm, haben wir "car2go" gerade auch als Pilotversuch in Austin, Texas gestartet. Die Teilnehmer haben auf Ihrem Führerschein einen Chip, und wenn sie am Straßenrand eins der "car2go"-Autos sehen, dann können Sie es mit diesem Chip sofort freischalten und losfahren. Oder sie reservieren vorab, online oder per Mobiltelefon. Abgerechnet wird so einfach wie beim Telefonieren: Es gibt einen Fixbetrag pro Minute, der automatisch abgebucht wird.

ZEIT ONLINE: Aber wenn sich mehrere Leute ein Auto teilen, dann verkauft Ihr Arbeitgeber weniger Fahrzeuge.

Ehlers: Kein erfolgreicher Autobauer denkt nur in Autos. Vor allem nicht, wenn man langfristig am Markt bestehen will. Man muss in Mobilitätsketten denken. Wir haben ja eine breite Palette im Angebot: kleine Fahrzeuge, große Fahrzeuge, bis hin zu Lkw und Stadtbussen – wenn die Leute weniger Auto fahren, dann fahren sie mehr Bus oder lassen sich mehr liefern. Und wir haben durch unsere Arbeit festgestellt, dass die Leute ein Auto nicht nur nutzen, sondern auch besitzen wollen. Soll mein Nachbar seine Füße in mein Auto stecken dürfen? Viele sagen eben: Nein.

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Leser-Kommentare

  1. es gibt ein funktionierendes System, anders mobil zu sein: Carsharing. Dieses System wird jedoch nicht von Autofabriken betrieben, wie es sein könnte, sondern von Eigeninitiativen und Kooperationen.
    Alles wäre anders, wenn erstens Umweltschäden durch Automobilität den Nutzern in Rechnung gestellt würden und zweitens die Geschwindigkeit auf einen Höchswert begrenzt würde, z.B. 130 km/h
    Wenn es dazu noch eine Blackbox (wie einen Flugschreiber) gäbe, der im Fall eines Unfalls die letzten Fahrdaten preisgäbe, wäre der Spaßfaktor sehr begrenzt und es würde weniger unnütz gefahren. Es geht uns Bürgern ja oft nicht nur um Mobilität, sondern um Kompensation unerfreulicher Lebensumstände, und dabei hilft heute das Rasen oder überhaupt das Autofahren.

    • 23.11.2009 um 20:34 Uhr
    • pirad

    Die Autobauer haben auch merklich Angst (und gehen nicht auf diesen Punkt ein - Ignoranz) das man merken könnte, dass es völlig unökonomisch unlogisch unpraktisch ist, dass jeder ein eigenes Auto hat. Die Städte sind zugeparkt und niemand will das wahrnehmen. Aber irgendwann - hoffe ich - wird Lebensqualität wieder vor das Vorzeigen von Statussymbolen gehen.

    • 23.11.2009 um 21:30 Uhr
    • luccas

    Zitat: "...Rechtsanwälte, Ärzte, Architekten, gut verdienende Leute, die den smart für die Stadt nutzen..."

    Und die die nötige Kohle nebst Erst- oder Zweitwagen haben, weil diese swatchige Rama-Schachtel alle naselang in die Werkstatt muss.

    • 24.11.2009 um 8:08 Uhr
    • mixa

    Es ist real es wird so lange so weiter gemacht, bis nichts mehr geht. Keiner hat Interesse etwas anders zu machen. Schon gar nicht die Scheichs.
    Denn wie überall, es regiert nur noch das Geld!
    Viele Grüße, talkletts

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