Mobilität der Zukunft "Kein erfolgreicher Autobauer denkt nur in Autos"
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 Die Mobilitätsindustrie von morgen

Ehlers: Ja, das hat zum Beispiel unser smart gezeigt. Am Anfang haben wir gedacht: Das ist ein Wagen für junge Leute und für die, deren Kinder aus dem Haus sind. Fakt ist aber, wir haben uns mit diesem Fahrzeug einen zusätzlichen Kundenkreis erschlossen, den wir am Anfang gar nicht im Blick hatten: Rechtsanwälte, Ärzte, Architekten, gut verdienende Leute, die den smart für die Stadt nutzen. Natürlich haben die zu Hause meist trotzdem noch einen anderen Wagen. Aber die Lebensmodelle definieren das Mobilitätsverhalten. Kunden wollen Mobilitätslösungen, die auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind und das kann große genauso wie kleine Fahrzeuge umfassen.

ZEIT ONLINE: Bedeutet der Wandel zur vernetzten Mobilität nicht dennoch, dass Mercedes in Schwierigkeiten kommen könnte? Was sagt Herr Zetsche, wenn Sie ihm die Veränderungen schildern?

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Ruff: Die Frage ist, welche Geschäftsmodelle wir entwickeln können, um Mobilität weiterzuentwickeln und neu zu definieren. Wie sieht eine moderne Mobilitätsindustrie aus? Ein Beispiel sind Busse, die immer noch mit "langsam" oder "Stau" assoziiert werden. Dabei muss das nicht so sein. In Istanbul ist beispielsweise innerhalb weniger Jahre ein hoch effizientes Bussystem entstanden. Wir können zusammen mit Kommunen oder Verkehrsbetrieben Konzepte für moderne Mobilität entwickeln und daran partizipieren. Was ist zum Beispiel mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge oder –fahrräder an den Busstationen? Ein Konzern allein kann kein integriertes Mobilitätssystem betreiben. Die moderne Mobilitätsindustrie ist eine auf allen Ebenen vernetzte Organisation, die in der Lage ist, Mobilität in Städten sicherzustellen.

Ehlers: Natürlich reden wir – teils auch kontrovers – über Themen, das ist das Selbstverständnis unserer Funktion. Wir geben Impulse und regen Diskussionen an und die Ergebnisse spiegeln sich in konkreten Innovationen, Verfahren und Fahrzeugkonzepten wider. Ich bin überzeugt, dass wir auch für die Zukunft die richtigen Ideen haben und sie auch nachhaltig umsetzen werden. Dafür steht der Erfinder des Automobils.

Seit 30 Jahren arbeitet bei Daimler eine Abteilung für zukunftsorientierte Mobilitäts- und Marktumfeldforschung, genannt Society & Technology Research Group. Thomas Waschke und Frank Ruff leiten diese Forschungsgruppe. Claus Ehlers ist Leiter des Centers Gesellschaft, Fahrzeugkonzepte und Human Factors und verantwortet unter anderem diese Abteilung. Die Fragen stellte Kai Kolwitz.

 
Leser-Kommentare
  1. es gibt ein funktionierendes System, anders mobil zu sein: Carsharing. Dieses System wird jedoch nicht von Autofabriken betrieben, wie es sein könnte, sondern von Eigeninitiativen und Kooperationen.
    Alles wäre anders, wenn erstens Umweltschäden durch Automobilität den Nutzern in Rechnung gestellt würden und zweitens die Geschwindigkeit auf einen Höchswert begrenzt würde, z.B. 130 km/h
    Wenn es dazu noch eine Blackbox (wie einen Flugschreiber) gäbe, der im Fall eines Unfalls die letzten Fahrdaten preisgäbe, wäre der Spaßfaktor sehr begrenzt und es würde weniger unnütz gefahren. Es geht uns Bürgern ja oft nicht nur um Mobilität, sondern um Kompensation unerfreulicher Lebensumstände, und dabei hilft heute das Rasen oder überhaupt das Autofahren.

    • pirad
    • 23.11.2009 um 20:34 Uhr

    Die Autobauer haben auch merklich Angst (und gehen nicht auf diesen Punkt ein - Ignoranz) das man merken könnte, dass es völlig unökonomisch unlogisch unpraktisch ist, dass jeder ein eigenes Auto hat. Die Städte sind zugeparkt und niemand will das wahrnehmen. Aber irgendwann - hoffe ich - wird Lebensqualität wieder vor das Vorzeigen von Statussymbolen gehen.

    • luccas
    • 23.11.2009 um 21:30 Uhr

    Zitat: "...Rechtsanwälte, Ärzte, Architekten, gut verdienende Leute, die den smart für die Stadt nutzen..."

    Und die die nötige Kohle nebst Erst- oder Zweitwagen haben, weil diese swatchige Rama-Schachtel alle naselang in die Werkstatt muss.

    • mixa
    • 24.11.2009 um 8:08 Uhr

    Es ist real es wird so lange so weiter gemacht, bis nichts mehr geht. Keiner hat Interesse etwas anders zu machen. Schon gar nicht die Scheichs.
    Denn wie überall, es regiert nur noch das Geld!
    Viele Grüße, talkletts

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