ZEIT ONLINE: In Deutschland werden Städte vom Auto dominiert: Überall muss Parkraum vorgehalten werden, Verkehrswege sind vor allem auf die Bedürfnisse des Autos zugeschnitten. Wäre es da nicht Zeit für ein noch radikaleres Umdenken?

Thomas Waschke: In Europa ist die Situation noch relativ gemäßigt. Aber in anderen Regionen entstehen teilweise in kurzer Zeit ganz neue Städte, teils auch im Wildwuchs. Manche dieser Städte funktionieren ganz anders, als wir das hier kennen. Für Mobilität ergeben sich da andere Zusammenhänge. Nicht zuletzt, wenn es darum geht, die Versorgung sicherzustellen. Für diese Städte brauchen wir neue Mobilitäts- und Fahrzeugkonzepte.

ZEIT ONLINE: Welche zum Beispiel?

Waschke: Ich denke, dass sich das Spektrum der Mobilitätsangebote erweitern wird.

Claus Ehlers: Schon heute wird ja häufiger zwischen unterschiedlichen Mobilitätslösungen gewechselt. Einen der Bausteine für solch eine vernetzte Mobilität ist "car2go". Nach der erfolgreichen Implementierung in Ulm, haben wir "car2go" gerade auch als Pilotversuch in Austin, Texas gestartet. Die Teilnehmer haben auf Ihrem Führerschein einen Chip, und wenn sie am Straßenrand eins der "car2go"-Autos sehen, dann können Sie es mit diesem Chip sofort freischalten und losfahren. Oder sie reservieren vorab, online oder per Mobiltelefon. Abgerechnet wird so einfach wie beim Telefonieren: Es gibt einen Fixbetrag pro Minute, der automatisch abgebucht wird.

ZEIT ONLINE: Aber wenn sich mehrere Leute ein Auto teilen, dann verkauft Ihr Arbeitgeber weniger Fahrzeuge.

Ehlers: Kein erfolgreicher Autobauer denkt nur in Autos. Vor allem nicht, wenn man langfristig am Markt bestehen will. Man muss in Mobilitätsketten denken. Wir haben ja eine breite Palette im Angebot: kleine Fahrzeuge, große Fahrzeuge, bis hin zu Lkw und Stadtbussen – wenn die Leute weniger Auto fahren, dann fahren sie mehr Bus oder lassen sich mehr liefern. Und wir haben durch unsere Arbeit festgestellt, dass die Leute ein Auto nicht nur nutzen, sondern auch besitzen wollen. Soll mein Nachbar seine Füße in mein Auto stecken dürfen? Viele sagen eben: Nein.