Fahrer mit Behinderung Mit dem Joystick durch die City
Neun Mal drücken für die Warnblinkanlage: Ein Besuch in einer Fahrschule, in der körperlich beeinträchtigte Menschen das Autofahren lernen.
© Benjamin Dürr

Jede Menge Technik. Mit dem Wagen von Sabrina Späth müssten auch nicht-behinderte Menschen noch einmal neu das Fahren lernen.
Für Sabrina setzt sich mit dem Auto auch ein Traum in Bewegung. Vorsichtig gleitet der Van auf die Straße, hell surrend dreht sich das Lenkrad wie von Geisterhand geführt. Sabrina Späth, 21, ist schwerbehindert und auf den Rollstuhl angewiesen. Jetzt fährt sie im eigenen Auto. Von außen ist es ein Kia und von innen mit Technik vollgestopft.
Der Wagen ist komplett auf Handbetrieb umgerüstet. Die Lenkung wird über einen daumengroßen Joystick gesteuert, der sich rechts vom Lenkrad befindet. Motoren setzen die elektrischen Impulse der Steuerung in Bewegung der Räder um. Ein zweiter Hebel links dient zum Gasgeben und Bremsen, hinzu kommen Knöpfe und zwei kleine Bildschirme. Denn Sabrinas Sichtfeld ist eingeschränkt, deshalb sind sechs Kameras in den Van eingebaut, die der Fahrerin dabei helfen, den Überblick zu behalten.
Mit der Bedienung wäre jeder normale Führerscheininhaber überfordert. Und wohl auch jede normale Fahrschule. Deshalb haben sich Fahrlehrer Jens Keil und seine Kollegen darauf spezialisiert, körperlich beeinträchtigten Menschen das Fahren beizubringen. Mehrmals die Woche lehren sie in der „Paravan“-Fahrschule in Aichelau, gut eine Autostunde südlich von Stuttgart.
Als Erstes steht dabei "Tieferlegen" auf dem Programm. Aber hier bedeutet das Wort etwas anderes als in der Fantasie normaler Fahranfänger: Der Fahrschulwagen wird abgesenkt, auf Knopfdruck schiebt sich die Tür auf, über eine Rampe rollen die Schüler an den Fahrerplatz. Am Boden rasten die motorisierten Rollstühle der Schüler ein in eine schuhkarton-große Stahlkonstruktion. Über einen Knopf wird der Motor gestartet. Und von jetzt an ist die Fahrstunde eigentlich ganz normal, von der Bedienung des Wagens einmal abgesehen.
Man spricht über Fußball, Musik, Hobbys. Viele seiner Schüler duzt Jens Keil und sie duzen ihn. Allerdings sind sie oft älter als normale Fahranfänger: „Der Älteste war 60“, erzählt Keil. Manche haben auch schon einen Führerschein. Dann geht es meist darum, ein Gefühl für den umgebauten Wagen zu entwickeln, etwa dann, wenn nach einem Unfall das Fahren in einem nicht umgebauten Wagen nicht mehr möglich ist. Gut 400 Menschen machen pro Jahr auf diese Art den Führerschein. Vorab muss ihnen ein Arzt die sogenannte "neuro-psychologische Eignung" für den Straßenverkehr bescheinigen.
Umgebaut und angepasst werden die Autos der Schüler individuell, je nachdem, welche Behinderungen die Fahrer haben. Das Gas kann etwa ans Lenkrad montiert werden. Oder es wird – wie in vielen Fällen – ein Joystick installiert. Wenn man leicht an ihm zieht, beschleunigt das Auto, beim Drücken wird gebremst. Für Nicht-Behinderte ist das ungewohnt, und es fühlt sich ein bisschen nach Computerspiel an.
Auch Sabrina Späth musste sich mit der Bedienung erst anfreunden. Sie lernte zusätzlich, mit Kamerahilfe einzuparken und mit dem schwarzen Buzzer umzugehen, der direkt neben dem Brems- und Gas-Joystick sitzt. Denn der steuert weitere Funktionen des Autos. Ein Mal piepsen lassen: Lichthupe. Zwei Mal: Blinker links. Dreimal: Blinker rechts. Neun Mal: Warnblinkanlage.
- Datum 25.12.2009 - 17:51 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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viereggtext - Mit einem Aufgebot an Technik sind viele Schwerstbehinderte in der Lage, wieder am Verkehr teilzunehmen, wobei Taxidienste wahrscheinlich angenehmer sind als das mühsame Ein- und Aussteigen. Die Musiker von Staff Benda Bilili, Kongo, verfügen nur über Rollstuhl-Dreiräder und leben damit im Rahmen ihrer großen Einschränkung schon gut.
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