Autokrise Chinesischer Hersteller kauft Saab-Technik

Bei Saab scheint der Ausverkauf begonnen zu haben. Mit dem Torschluss des eigenwilligen Herstellers würde ein Stück Autogeschichte zu Ende gehen.

Abverkauf nach China: Mit Modellen wie dem 99 Turbo aus den Siebzigern wurde Saab beliebt bei Technik-Freunden

Abverkauf nach China: Mit Modellen wie dem 99 Turbo aus den Siebzigern wurde Saab beliebt bei Technik-Freunden

Die Rettung der Marke Saab wird immer unwahrscheinlicher. Wie das Wall Street Journal berichtet, hat General Motors, der Noch-Eigentümer des Herstellers, Patente für die Technik der Baureihen 9-3 und 9-5 an den chinesischen Autobauer BAIC (Beijing Automotive Industry Holding) verkauft. Dem Blatt zufolge ist BAIC vor allem an Motoren- und Getriebetechnik interessiert und finanziert den Einkauf mit Krediten chinesischer Staatsbanken.

Offenbar versucht General Motors, auch für den Rest von Saab noch einen Käufer zu finden. Durch den Technik-Transfer dürfte das allerdings nicht einfacher geworden sein. Vor gut zwei Wochen war eine Übernahme von Saab durch den ebenfalls schwedischen Sportwagenhersteller Koenigsegg gescheitert. Schon damals war BAIC als möglicher Partner genannt worden. Auch um Opel hatte sich das expandierende chinesische Unternehmen bemüht.

Anzeige

Das Unternehmen Saab stammt ursprünglich aus dem Flugzeugbau. Als Autohersteller hatte man sich mit Modellen wie dem 99 oder 900er-Baureihe den Ruf erworben, Fahrzeuge zu bauen, die technisch eigenwillig, aber durchdacht waren. So fand das Zündschloss in Saab-Modellen seinen Platz auf der Mittelkonsole – dort konnte der Zündschlüssel im Fall eines Unfalles nicht zur Gefahr für den Fahrer werden.

Mit ihrer über Jahrzehnte beibehaltenen Fließheckform setzten 99 und 900 außerdem Maßstäbe im Design. Saab erwarb sich den Ruf einer Marke für Individualisten, die bereit waren, für Saabs eigenwillige Fahrzeuge höhere Preise zu zahlen.

Bei General Motors allerdings, die sich Ende der achtziger Jahre an Saab beteiligten und das Unternehmen im Jahr 2000 schließlich ganz übernahmen, nahm man wenig Rücksicht auf die spezielle Position der Marke. Durch die Übernahme von Komponenten anderer Konzern-Modelle versuchte man Kosten zu drücken. Als die Technik-Transfers zu offensichtlich wurden, war der Ruf der Marke allerdings beschädigt.

Auch das Saab-Händlernetz in Deutschland wurde ausgedünnt, Saab-Kunden fanden sich stattdessen vielerorts in den Ausstellungsräumen von Opel-Händlern wieder. Für die statusbewussten Käufer, die zu Premiumpreisen kauften, war das oft ein Affront. In der Folge sanken die Verkaufszahlen stetig, bis Saab in diesem Jahr von Konzernmutter General Motors in die Insolvenz geschickt wurde. Ein endgültiges Aus für den Hersteller würde rund 3000 Arbeitsplätze kosten.

 
Leser-Kommentare
  1. ...wurden die alten Maschinen und die alte Technologie (nicht die des Saab 9-5, welcher auf Insignia-Basis nächstes Jahr vorgestellt werden sollte).
    Somit könnte der Markenname allein oder der Markenname mit der Lizenz für die neue Technik durchaus einen Käufer finden. Die Umstände für die Mitarbeiter haben sich allerdings wahrlich verschlechtert.

    • ADoria
    • 14.12.2009 um 17:57 Uhr

    … Saab mit Lollgulten und Sichelheitslenksäule..
    Wenn ich richtig liege, war der 99er nach dem BMW 2002 obruT und dem 911 Turbo der dritte Europäer mit aufgeblasenen Nüstern – inklusive Ladedruckanzeige. Ein Meilenstein zum Motor hoher Leistungsdichte. Sogar die Auspuffanlage schrumpfte, da die Abgasspirale einen Teil des Auspuffschalls stark dämpfte. Für Saab ein gewaltiger Sprung, bauten sie doch als letzter Autobauer Westeuropas noch zuvor auf den Zweitakt-Motor.
    Und teuer waren die Biester. Neben seinem anderen schwedischen Bruder war eigentlich nur noch ein Jaguar in der Reparatur teurer. Allerdings waren die Schweden wesentlich robuster.
    Das traurige Ende deutete sich schon mit dem 900er der 2. Serie an. Ein schwerer Vectra zum Preis eines Saabs.
    Die Individualisten sterben.

    • La_so
    • 15.12.2009 um 7:43 Uhr

    sind nach China verkauft worden. Es handelt sich um die auslaufende Generation des 9-5 und um die vor-Facelift Generation des 9-3. In den Deal gehen nicht die neue Generation des Saab 9-5, die aktuelle Generation des 9-3, die fertig entwickelte neue Modellreihe 9-4, und alles andere was in der Pipeline ist, etwa ein völlig neuer 9-3. Saab hat durch die rund 150 Millionen Euro eine Atempause im Verkaufsprozess gewonnen. Zur Zeit werden die Produktionsanlagen in Trollhättan auf den neuen 9-5 und auf das 9-3 Cabrio (von Magna zurückgeholt) umgestellt. Nach der verlängerten Weihnachtspause soll es dann ab Januar wieder mit einem erhöhten Takt weitergehen.

    Es ist sehr schade, dass Saab von der Schließung bedroht ist. Man sieht hier, dass der ehemals größte Autokonzern nie ein Verständnis für Europäische Marken hatte. Man hat letztlich fast böswillig eine starke und innovative Marke heruntergewirtschaftet. Das dieses Jahr vorgestellte Modell 9-3X war seit 2002 fertig entwickelt, wurde aber von GM gestoppt. Der neue 9-5 hätte schon 2006 kommen sollen, musste dann aber auf einer anderen Plattform völlig neu erfunden werden. Saab hat wirklich viele idiotische Entscheidungen aus Detroit ausbaden müssen. Der krönende Abschluss ist der holperige Verkaufsprozess, wo man einen Fehler an den anderen reiht und den Wert der Marke mit kräftiger Unterstützung der schwedischen Regierung weiter schmälert. Wenn Saab das hier überlebt, kann die Zukunft nur golden sein!

    Gruß aus Schweden
    Lasse

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service