Das Ende von Saab Die Letzten ihrer Art

Einst war der Saab ein Lebensgefühl. Dann kam General Motors und wollte aus dem teuren Nischenfahrzeug ein Massenprodukt machen. Ein Nachruf von Kai Biermann

Lange her: Der Ur-Saab aus dem Jahr 1947 steht im Museum

Lange her: Der Ur-Saab aus dem Jahr 1947 steht im Museum

Ich war Student, ich mochte Autos und wollte anders sein als andere. Ausprobiert hatte ich Einiges, vom Honda bis zum Mercedes. Letztlich aber kam für mich nur eine Automarke in Frage: Saab. Zwei von den alten Neunhundertern fuhr ich in den folgenden Jahren und war glücklich mit ihnen. Sie soffen und qualmten und röhrten, aber damals war das noch kein solches Problem, zumindest nicht für die automobile Umwelt.

Für mich eigentlich schon: Sie fraßen mir die Haare vom Kopf. Bei einem Verbrauch von zehn bis zwölf Litern Superbenzin reichten zwanzig Mark nicht lange. War mal wieder ein Radlager oder ein Stoßdämpfer kaputt, musste ich mir einen weiteren Nebenjob suchen. Beim Vertragshändler war eine Reparatur unerschwinglich. Ich fuhr zu einem Hinterhofschrauber, dessen Werkstatt eine Scheune in einem Kaff ziemlich weit außerhalb war. Die halbe örtliche Saab-Szene traf sich bei ihm, er galt als Zauberer, als jemand, der diese eigenwilligen Autos liebte und verstand. So wie wir.

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Er ging trotzdem irgendwann Pleite. Und passte damit ganz erstaunlich zu diesem Auto. Cool zu sein, genügt eben nicht. Schrullige Produkte finden zwar bedingungslose Liebhaber, aber davon im Zweifel nicht genug, um zu überleben.

Und lieben musste man die Dinger, sonst wurde man mit ihnen nicht froh. Saabs sahen nicht nur seltsam aus, sie waren auch teuer in der Anschaffung. Sie waren unübersichtlich und unhandlich, hatten eine hakelige Schaltung, deren fünfter Gang mit viel Gefühl gesucht werden musste und verbrauchten in meinem Fall auch noch literweise Hydrauliköl für die nie ganz dicht zu bekommende Servolenkung.

Dafür aber erhielt man satt zuschlagende Türen, ein wohnzimmerartiges Raumgefühl, war es ein Turbo sogar mit annehmbaren Beschleunigungswerten, Stoßstangen, mit denen sich schadlos Bäume fällen ließen und das Versprechen, smarter zu sein als die Vielen, die einfach nur Autos besaßen. Oder, wie es ein ebenfalls Saab fahrender Freund ausdrückte: die Gewissheit, der einzige seiner Art an der Ampel zu sein.

Ich weiß nicht, ob es heute noch so ist, aber als ich einer war, grüßten sich Saabfahrer, wenn sie auf der Straße aneinander vorbeiglitten. Ein eingeschworener Zirkel eben.

Dass 1989 der amerikanische Massenhersteller General Motors bei Saab eingestiegen war, bedeutet für diesen Zirkel bereits den Anfang vom Ende. Versuchte GM doch, mit seinem Systembaukasten aus Opelplattformen und GM-Motoren den schwedischen Nischenhersteller zu einem Produkt für große Märkte zu machen.

Einfach ist so etwas nicht, Eigenheiten abschleifen, ohne den Charakter zu verändern, kann schnell daneben gehen. GM gelang es nicht und man erreichte vor allem eins: Aus dem edlen Image wurde ein billiges. Das waren keine Saabs mehr, die ab 1993 vom Band liefen. Das waren nur noch weichgespülte Versionen des alten Kults. Sie standen nicht für Innovationen, Sicherheit und Solidität, sondern für schlechte Verarbeitung. Im Jahr 2000 dann übernahm GM die Schweden komplett. Trotz neuer Modelle konnten sie an den Status der 900 I nicht wieder anknüpfen, Gewinn machte der Konzern damit nie.

Neun Jahre hat das Sterben gedauert, jetzt ist es vorbei. So richtig tragisch mag ich das nicht finden. Die neueren Modelle 9-3 und 9-5 haben mich nie wirklich interessiert, und die alten gibt es im Zweifel immer noch. Sie werden weiter geliebt, längst haben sich erste Werkstätten auf ihre Restauration spezialisiert. Wenn ich will, könnte ich mir wieder einen kaufen, einen 99 Turbo vielleicht, oder noch einmal einen klassischen Neunhunderter – zu ähnlichen hohen Preisen wie früher.

Vielleicht tue ich das tatsächlich irgendwann. Bis dahin fahre ich Volvo.
 

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Volvo?

    Auch hier setzt die magische „9“ Grenzen. Jenseits der 9er Modelle fährt man Ford, nicht Volvo, gerne auch mal als SUV. Leider ist der »Mythos« Volvo so tot wie Saab, auch wenn das viele Image-Fans einfach nicht wahrhaben wollen.

    Am wenigsten die Leute, die noch etwas an den alten Schweden verdienen oder noch auf ein neues 9er–Nachfolgemodell von Ford hoffen…

  2. Volvo –► Ford Motor –► (Geely) –► †
    SAAB –► GM –► (Spyker Cars) –► †

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  3. Sehr schöner Kommentar, ich habe bei Saab auch immer an Architekten- und Lehrerauto gedacht.. Leider waren die Motoren wirklich immer Säufer... aber dieses Design...

    Naja, Autos werden eben auch immer über Emotionen verkauft, siehe MINI.. und manchmal frage ich mich, warum die großen Konzerne und Unternehmen nicht mehr auf diese "Seele" setzen. Doch in Zeiten der besten Positionierung und der Modellschlacht (jeder Hersteller hat heute ja fast jeden Typ, ob SUV, Cabrio oder Kleinwagen) erträumt man sich immer noch Top-Absätze in allen Nischen und Massen..
    Es gäbe natürlich noch die Alternative wirklich fortschrittliche Autos zu bauen und so Kunden zu überzeugen, aber daran haben sich die Hersteller ja auch nicht wirklich gewagt..

    Tja, hätte doch Rover mal einen Toyota Prius (also Hybrid) auf den Markt geworfen! Oder Opel die aktuellen Autos vor zehn Jahren gebaut oder mit tollem Design an die alten Tollen Zeiten angeknüpft als Opel keine "Assi"- und " Opa"-Marke war, sondern ein dt. Limousinenzauberer! Der Ur-Astra war schlichtweg nur am rosten und der letzte ein hässl. Plastikbomber, und da wundert man sich das die Kunden VW kaufen oder Toyota...

    Mal sehen wie es bei Porsche wird! Da hat man auch Alles gewollt und ein florierendes Unternehmen in die fast ruiniert! Und jetzt, in klarer VW-Logik, plant man eine "Modellflut"! Wenn da mal nicht einige Kunden abspringen und lieber AstonMartin kaufen ...

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    • Ullli
    • 21.12.2009 um 16:56 Uhr

    Hallo studentD,
    Ihrer Bemerkung : "ich habe bei Saab auch immer an Architekten- und Lehrerauto gedacht.. Leider waren die Motoren wirklich immer Säufer..." muss ich widersprechen. Ich hatte im Jahre 1987 für 21.000 € einen neuen SAAB 9000 gekauft (kein Turbo) und war 17 Jahre lang mit dem ersten Motor gefahren bis zum km-Stand von 450.000. Bis auf Verschleißteile wie Bremsen, Reifen und Auspuffanlage hatte der SAAB 9000 keine nennenswerten Reparaturen, obgleich der Wagen viel auf Baustellen benutzt wurde. Bis zuletzt verlor der Motor kaum Öl und der Spritverbrauch lag insgesamt unter 10 Liter auf 100 km, was bei dem schweren Wagen als günstig zu bezeichnen ist. Ich war auf der ganzen Linie zufrieden - insbesondere mit dem Frontantrieb im Winter.
    (Dagegen hörte ich von Besitzern des SAAB 9000 Turbo häufig Klagen.)

    • Ullli
    • 21.12.2009 um 16:56 Uhr

    Hallo studentD,
    Ihrer Bemerkung : "ich habe bei Saab auch immer an Architekten- und Lehrerauto gedacht.. Leider waren die Motoren wirklich immer Säufer..." muss ich widersprechen. Ich hatte im Jahre 1987 für 21.000 € einen neuen SAAB 9000 gekauft (kein Turbo) und war 17 Jahre lang mit dem ersten Motor gefahren bis zum km-Stand von 450.000. Bis auf Verschleißteile wie Bremsen, Reifen und Auspuffanlage hatte der SAAB 9000 keine nennenswerten Reparaturen, obgleich der Wagen viel auf Baustellen benutzt wurde. Bis zuletzt verlor der Motor kaum Öl und der Spritverbrauch lag insgesamt unter 10 Liter auf 100 km, was bei dem schweren Wagen als günstig zu bezeichnen ist. Ich war auf der ganzen Linie zufrieden - insbesondere mit dem Frontantrieb im Winter.
    (Dagegen hörte ich von Besitzern des SAAB 9000 Turbo häufig Klagen.)

    • Ullli
    • 21.12.2009 um 16:56 Uhr

    Hallo studentD,
    Ihrer Bemerkung : "ich habe bei Saab auch immer an Architekten- und Lehrerauto gedacht.. Leider waren die Motoren wirklich immer Säufer..." muss ich widersprechen. Ich hatte im Jahre 1987 für 21.000 € einen neuen SAAB 9000 gekauft (kein Turbo) und war 17 Jahre lang mit dem ersten Motor gefahren bis zum km-Stand von 450.000. Bis auf Verschleißteile wie Bremsen, Reifen und Auspuffanlage hatte der SAAB 9000 keine nennenswerten Reparaturen, obgleich der Wagen viel auf Baustellen benutzt wurde. Bis zuletzt verlor der Motor kaum Öl und der Spritverbrauch lag insgesamt unter 10 Liter auf 100 km, was bei dem schweren Wagen als günstig zu bezeichnen ist. Ich war auf der ganzen Linie zufrieden - insbesondere mit dem Frontantrieb im Winter.
    (Dagegen hörte ich von Besitzern des SAAB 9000 Turbo häufig Klagen.)

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    Liegt das nun an Unvermoegen (sich andere als US-KonsumentInnen-Beduerfnisse vorzustellen) oder steckt dahinter System?

    Naja, leid tut's mir eigentlich nur um Volvo... aber da wirklich!!

    Liegt das nun an Unvermoegen (sich andere als US-KonsumentInnen-Beduerfnisse vorzustellen) oder steckt dahinter System?

    Naja, leid tut's mir eigentlich nur um Volvo... aber da wirklich!!

  5. Liegt das nun an Unvermoegen (sich andere als US-KonsumentInnen-Beduerfnisse vorzustellen) oder steckt dahinter System?

    Naja, leid tut's mir eigentlich nur um Volvo... aber da wirklich!!

  6. "..Die neueren Modelle 9-3 und 9-5 haben mich nie wirklich interessiert...Bis dahin fahre ich Volvo.":
    Wo bitte liegt der Vorteil eines Volvo S40 (auf Ford Focus-Basis) gegenüber einem Saab 9-3?!

    "Leider waren die Motoren wirklich immer Säufer...":
    Mein 9000er (Sauger) hat zwischen 7-8 Liter verbraucht. Mein 9000 Turbo maximal 10 Liter, dafür war er auch 240km/h schnell. So viel zu den "Spritschluckern".
    Übrigens, ein Volvo V90 3.0 zieht im Stadtverkehr bis 18 Liter.
    Ich bin weder Architekt noch Lehrer und fuhr die beiden 9000er als Student, Anschaffungskosten zwischen 300€ und 800€.

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