Saab-Käufer Spyker Experten für das zweite Leben

Sportwagen-Bauer Spyker übernimmt Saab. Wie man Marken neues Leben schenkt, müsste der Käufer wissen: Schließlich steckt man selbst bereits im zweiten.

Experte für die Wiederbelebung von Marken: Spyker-Chef Victor Muller zwischen Spyker und Saab

Experte für die Wiederbelebung von Marken: Spyker-Chef Victor Muller zwischen Spyker und Saab

Es waren zähe Verhandlungen, jetzt scheint das Zerren ein gutes Ende gefunden zu haben. Für 400 Millionen Dollar in direkten Zahlungen und Aktien darf der niederländische Sportwagenbauer Spyker dem General-Motors-Konzern dessen marode Tochter Saab abnehmen.

Eine Einigung fast in letzter Minute, nachdem man bei General Motors bereits damit begonnen hatte, die Einstellung der Produktion bei Saab vorzubereiten. Und die Übernahmen eines zumindest mittelgroßen Herstellers durch einen ungleich kleineren: 3400 Menschen arbeiten für Saab im schwedischen Trollhättan, für 90.000 Autos pro Jahr reichen die Kapazitäten. Dagegen hat Spyker, so hört man, mit rund 100 Mitarbeitern im vergangenen Jahr exakt 43 Supersportwagen montiert.

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Dass die Marke zumindest Autofans ein Begriff ist, liegt nur zum Teil an den Leistungsdaten des Modells Spyker C8, das der Hersteller in mehreren Varianten anbietet: 400 PS, von Audi zugekaufter Acht-Zylinder-Mittelmotor, dazu eine geduckte, kraftvolle und trotzdem nicht vulgäre Form, eben so, wie man es bei einem Supersportwagen erwartet.

Spyker gelang es in den letzten Jahren immer wieder, die wenigen produzierten Autos spektakulär ins Rampenlicht zu stellen. So fuhr Sharon Stone im zweiten Teil des Hollywood-Films Basic Instinct einen Spyker in die Themse inklusive einem Mordopfer auf dem Beifahrersitz. Auch Actionstar Jet Li durfte im Spyker über Kinoleinwände rollen.

Für weitere Publicity sorgten regelmäßige Renneinsätze bei Langstreckenrennen wie den "24 Stunden von Le Mans" sowie der Kauf eines Formel-1-Teams, das man in der Saison 2007 als "Spyker F1" an den Start brachte. Es war allerdings mittelmäßig erfolgreich.

Sinn für Glamour hatte Victor Muller, Multimillionär und Spyker-Gründer, schon bei der Namensfindung bewiesen. Denn einen Autobilhersteller mit dem Namen Spyker gab es bereits 1900. Es war einer der ersten der Welt. Bevor das erste Fahrzeug gebaut wurde, war Spyker für den Bau prunkvoller Kutschen für die niederländische Königin bekannt. Der historische Autobauer gehörte zu den Pionieren des Allradantriebs. Man ließ Konstrukteure wie den Deutschen Wilhelm Maybach für sich arbeiten.

In Sachen Qualität erwarb man sich einen legendären Ruf, nachdem ein Spyker schon vor dem Ersten Weltkrieg eine Tour von Peking nach Paris hinter sich gebracht hatte. Außerdem entwickelte man Chassis, die auf den damaligen Straßen möglichst wenig Staub aufwirbeln sollten.

Während des Ersten Weltkriegs sattelte der Autobauer sogar erfolgreich auf den Flugzeugbau um. Trotzdem war 1926 Schluss. Man fand einfach nicht genug Käufer für die hergestellten Fahrzeuge und liquidierte das Unternehmen.

Mehr als 70 Jahre dauerte die Unterbrechung, dann reaktivierte Multimillionär Muller den alten Namen. Sein Vermögen hatte der 50-jährige Jurist zuvor unter anderem mit Bergeschiffen und mit Mode gemacht. Die Berufung auf die Tradition der ersten Marke Spyker zahlte sich für Muller aus: Im Jahr 2004 machte das niederländische Verkehrsmuseum Spyker offiziell zu einem Vertreter der mobilen Tradition des Landes.

Dass er weiß, wie man klingende Namen wieder zum Glänzen bringt, hat Muller bei Spyker bewiesen. Bei seinem Engagement bei Saab kann ihm das nur helfen. Eigenes Geld musste er für den Kauf übrigens dem Anschein nach nicht einsetzen: 400 Millionen Dollar beträgt der Kaufpreis, 74 Millionen Dollar davon als direkte Zahlungen, 326 in Form von Vorzugsaktien des kommenden Unternehmens Saab Spyker Automobiles N.V.. Finanzieren kann Spyker das mit einem Kredit von 400 Millionen Euro, für den die schwedische Regierung eine Bürgschaft zugesagt hat.

Vor diesem Hintergrund bekommt auch der Aktienanteil bei der Bezahlung besonderen Charme: So bleibt viel Bargeld im Unternehmen und kann für Sanierung und Fortführung der Produktion verwendet werden. Alt-Eigner General Motors wird Saab-Spyker vorerst weiter mit Technikkomponenten beliefern, etwa für die kommende Generation des Modells 9-5, das technisch auf dem Opel Insignia basiert. Auch für einen Saab-SUV, der schon mehrfach angekündigt wurde, würde sich General-Motors-Technik anbieten.

In der Pressemitteilung zur Übernahme bedankt sich Spyker-Chef Muller ausdrücklich bei den verbliebenen Fans der Marke. Sie hätten mit ihrer Unterstützung und mit ihren Protesten gegen eine Einstellung der Produktion bei Saab maßgeblich dazu beigetragen, dass die Einigung zustande gekommen sei.

Treue und loyale Kunden waren über Jahrzehnte das Kapital der Marke Saab gewesen, vor allem in den USA hatte es jüngst noch diverse "Save Saab"-Aktionen gegeben. Allerdings hatten Qualität und Anmutung unter Regie von General Motors so sehr gelitten, dass viele der Saab-Fans keinen anderen Weg mehr sahen, als sich doch ein Auto einer anderen Marke zu kaufen. Diesen Käufern den Glauben an die Marke Saab zurückzugeben, das dürfte Mullers wichtigste Aufgabe werden.

 
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