Toyota Gebete und Entschuldigungen für die Pannenserie
Toyota Chef Akio Toyoda hat sich den Fragen des US-Kongresses gestellt und sich erneut bei den Kunden entschuldigt: Seine Antworten waren für viele unbefriedigend.
Toyota steht wegen seiner Pannenserie in der Kritik: Der aus Japan angereiste Konzernchef Akio Toyoda musste sich deswegen am Mittwoch Fragen von Mitgliedern des US-Kongresses stellen. "Toyota hat Beschwerden ignoriert oder kleingeredet", sagte der Vorsitzende eines Untersuchungsausschusses, Edolphus Towns, zum Auftakt der Anhörung. Der weltgrößte Autobauer sei eher auf den eigenen Profit aus gewesen als auf die Sicherheit seiner Kunden.
Die Vorwürfe wiegen schwer. Hat Toyota versucht, die gefährlichen technischen Probleme seiner Autos zu vertuschen und damit das Leben von Kunden gefährdet? Auf die Fragen der Abgeordneten antwortet der 53-jährige Toyoda nur zögerlich, immer wieder beriet er sich mit seiner Dolmetscherin. Bisweilen wirkte der Japaner ratlos und gab an, Fragen zu Details nicht verstanden zu haben. Mehrfach sprang der ebenfalls als Zeuge geladene Direktor von Toyota USA, Yoshi Inaba, ein, um Fragen zu beantworten, die eigentlich an seinen Chef gerichtet waren.
Toyota-Chef Akio Toyoda hätte diesen Auftritt gerne vermieden. Lange zögerte der Enkel des Firmengründers, der Einladung des Kongresses zu einer öffentlichen Anhörung nachzukommen und zu dem Fiasko um die technischen Probleme seiner Fahrzeuge Stellung zu nehmen.
Zwei Botschaften indes bringt Toyoda in seiner zu Beginn verlesenen Erklärung mit: eine Entschuldigung für die technischen Mängel seiner Fahrzeuge und ein Versprechen, in Zukunft besser zu sein. "Ich bedaure zutiefst jeden Unfall, den Toyota-Fahrer erleben mussten", sagte Toyoda. Den Hinterbliebenen tödlich verunglückter Toyota-Fahrer sprach er sein Beileid aus: "Ich bete und werde sicherstellen, dass sich eine solche Tragödie nicht mehr wiederholt."
Die technischen Mängel an Toyota-Gaspedalen werden in den USA mit dem Unfalltod von mehr als 34 Menschen in Verbindung gebracht. Toyoda räumte Fehler bei der Qualitätssicherung seines Konzerns ein, für die er die "volle Verantwortung" übernehme. Toyoda und Inaba versprachen den Abgeordneten, künftig mehr Wert auf Sicherheit und Transparenz zu legen.
Toyoda wies aber die Überlegungen zurück, dass es Fehlfunktionen beim elektronischen Gaspedal gebe. "Ich bin absolut sicher", sagte er. Der öffentlichkeitsscheue Toyota-Chef räumte dennoch eigene Fehler ein. "Ich fürchte, das Tempo, in dem wir gewachsen sind, könnte zu schnell gewesen sein", sagte er. Das Management habe verlernt, auf die Kunden zu hören, es habe die Ausbildung seiner Leute vernachlässigt und die Entwicklung des Unternehmens aus den Augen verloren.
Der weltgrößte Autohersteller hatte Ende vergangenen Jahres einen ersten großen Rückruf gestartet. Auslöser war der Tod von vier Menschen in einem Lexus gewesen. Der Fahrer hatte das Auto nicht mehr stoppen können und war in einen Geländewagen gerast. Mittlerweile ruft Toyota weltweit 8,5 Millionen Fahrzeuge zurück, den überwiegenden Teil davon auf dem US-Markt. Toyota hat hier auch mehrere Werke. Verkehrsminister Ray LaHood sah einen Teil der Probleme in der mangelnden Kommunikation zwischen den Toyota-Mitarbeitern in den USA und der Zentrale in Japan. "Sie müssen einander zuhören", mahnte er vor dem Ausschuss.
Antworten bringen wenig Aufklärung
Den Politikern gelang es nicht herauszufinden, wann genau Toyoda über die technischen Mängel seiner Fahrzeuge unterrichtet wurde. Den Abgeordneten Elijah Cummings veranlasste der Auftritt zu einem Stoßseufzer: "Warum sollten wir glauben, dass die Dinge wirklich besser werden?" Der Ausschussvorsitzende Edolphus Towns mahnte Toyoda zur Präzision: "Beantworten Sie Fragen doch einfach mit Ja oder Nein." Der Abgeordnete John Mica bezeichnete die Anhörung als "Peinlichkeit für Toyota".
Bereits am Vortag hatte der Chef von Toyota USA, James Lentz, auf dem heißen Stuhl Platz nehmen müssen. Sollte Toyodas Statthalter in den USA dabei das Ziel gehabt haben, den Vertrauensverlust zu stoppen, so dürfte er dies verfehlt haben. Auf die Frage des Abgeordneten Henry Waxman, ob die bisherigen Reparaturmaßnahmen – also der Austausch der Fußmatte und der Einbau eines Zusatzteils für das Gaspedal – das gefährliche Problem lösten, räumte Lentz ein: "Nicht komplett." Waxman erwiderte überrascht: "Was wollen Sie nun also tun?" Lentz' Antwort: "Wir müssen weiter wachsam sein und allen Kundenbeschwerden nachgehen."
Die von LaHood beaufsichtigte US-Behörde für Verkehrssicherheit NHTSA musste sich allerdings ebenfalls Kritik gefallen lassen. Towns warf ihr vor, tatenlos zugesehen zu haben, obgleich sich die Beschwerden von Fahrern gehäuft hätten. "Wir nehmen alle ernst", wehrte LaHood ab und verwies auf die hohe Zahl an Eingaben von Verbrauchern. Der Vermutung, dass die Toyota-Probleme auf die Elektronik zurückgehen, werde nachgegangen.
- Datum 25.02.2010 - 07:48 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Es gab zwei Arten von Problemen: eine verhakte Fußmatte sowie eine (in sehr seltenen Fällen) aufgrund von Verschmutzung oder Korrosion schwergängige Reibplatte, welche die Zurückbewegung des Gaspedals in die Ausgangsposition verlangsamte.
In beiden Fällen ließe sich das Auto doch problemlos durch Drücken der Kupplung und Herausnehmen des Gangs (bei Handschaltung) oder Bewegen des Schalthebels in die Neutralstellung (bei Automatikgetrieben) wieder verzögern bzw. anhalten.
Ggf. könnte man den Wagen auch einfach durch kräftiges Bremsen zum Stillstand bringen (falls man über die Funktion von Kupplung oder Getriebe nicht so recht informiert ist) - die Bremsen müssen gemäß Typenprüfung nämlich stärker sein als der Motor.
Wie kann es da zu so vielen Todesfällen kommen?
Die Amerikaner scheinen den Wirtschaftskrieg
gegen Japan zu wollen.
Sie vergessen allerdings, daß sie weder das
Kapital noch die Technologie haben ihn zu gewinnen.
Bush war wohl doch kein Unfall sonden symptomanisch
für dieses verkommene Land.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren