An verwunderte Gesichter und ausgestreckte Zeigefinger werden sich die Besitzer des Espire gewöhnen müssen. Das Ding erregt Aufmerksamkeit. Nicht unbedingt, weil es die Grundform eines Mountainbikes mit einem Gitterrohr-Rahmen kreuzt, der an die italienische Motorradfirma Ducati erinnert. Eher schon, weil der Fahrer über Pedale zu den 1200 Watt Leistung des Elektromotors hundert oder zweihundert eigene Watt addieren kann. Für die Umstehenden entsteht so der Eindruck, hier würde jemand aus eigener Kraft ungewöhnlich schnell durch die Stadt fahren. Und der Helm dient als Tarnung.

Vor dem Gesetz ist das Espire ein Kleinkraftrad – eine Fahrzeugklasse, die in der Stadt besonders beliebt ist. Eine Zulassung braucht man nicht, nur ein Versicherungskennzeichen. Ein normaler Führerschein reicht und bei 45 km/h ist Schluss.  

Zurzeit wird das Segment noch von Rollern dominiert, die in den Qualitäten Baumarkt (gut 1000 Euro) bis Vespa (ab rund 3000 Euro) zu haben sind. Im Regelfall fahren Kleinkrafträder mit einem Zweitaktmotor. Vom Emissionsstandpunkt aus betrachtet ist das eine Katastrophe. Gesundheitsschädliche Stickoxide belasten die Luft, das Öl zur Motorschmierung wird mitverbrannt und laut ist es auch noch.

Es ist darum nur logisch, dass sich der Elektromotor gerade hier durchsetzen kann. Mit einem Schlag gehen die Abgase von sehr hoch auf lokal null. Verantwortungsbewusste tanken grünen Strom, um auch auf bei der Stromerzeugung Kohlendioxid und Atommüll zu vermeiden. Gleichzeitig sinken die Lärmemissionen beträchtlich. Elektromotorräder sind geräuscharm. Sie surren mit hohem Drehmoment von der Ampel weg. Eine Vespa S50 leistet 4,4 Newtonmeter bei 6500 Umdrehungen. Der E-Motor des Espire kommt auf 150 Newtonmeter quasi aus dem Stand.

Die geringere Reichweite, der vermeintliche Schwachpunkt beim Elektroantrieb, ist für Kleinkrafträder im urbanen Betrieb kaum relevant. Das Espire kommt mit nur 820 Wattstunden (das entspricht weniger als 0,1 Liter Benzin) bis zu 90 Kilometer weit. Für den Weg zur Arbeit und zum Supermarkt völlig ausreichend. Aufgeladen wird die Batterie laut Hersteller in weniger als drei Stunden.