Dodge ChallengerDie Rückkehr des Power-Ponys

Retro-Muscle-Cars wie Dodge Challenger und Chevrolet Camaro sind im Trend. Jetzt entsteht noch eine V8-Ikone als Nachbau neu: Der Shelby Mustang GT 500 mit bis zu 780 PS

Detroit hatte es nicht leicht in letzter Zeit. Absatzeinbruch, Insolvenzen, Markensterben. Würde nicht Toyotas unendliche Gaspedal-Geschichte gerade die Schlagzeilen beherrschen und auch weidlich ausgeschlachtet werden, kämen die amerikanischen Autobauer wohl gar nicht mehr aus dem Tal der Verlierer heraus. Wie zum Trotz schicken die Big Three – Ford hat den Mustang, Dodge den Challenger und Chevrolet den Camaro – mehr Retro-Boliden denn je auf die Straße. Dabei erlebten die sogenannten Muscle Cars bereits vor vier Jahrzehnten das Sterben. Schärfere Abgasbestimmungen, horrende Versicherungsprämien und hohe Spritpreise machten den V8-Monstern damals den Garaus.

Die Autos haben ihre Fans, doch es sind eben Retro-Modelle, die den Originalen wohl nie den Rang ablaufen können. So bleiben die Preise für die echten Muscle Cars aus den späten sechziger und frühen siebziger Jahren trotz Wirtschaftskrise auf Rekordniveau. Und wer einen originalen Shelby GT 500 aus dem Jahr 1967 sein Eigen nennt, der besitzt so etwas wie die Blaue Mauritius der Hubraum-Sammler.

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Jetzt bringt das Unternehmen Classic Recreations aus Oklahoma den Über-Shelby wieder auf die Straße. Optisch entspricht der Wagen dem Original, doch Firmengründer Jason Engel lässt modernere Technik unter die Karosse stopfen. Angetrieben wird der Wagen, der mit dem offiziellen Segen des mittlerweile 87-jährigen Mustang-Tuners Carroll Shelby entsteht, von einem sieben Liter großen V8-Motor mit 545 PS. Eine per Kompressor aufgeladene Hochleistungs-Version wird sogar 780 PS auf die Straße bringen.

Ein Sperrdifferenzial und ein verstärktes Fahrwerk mit Stabilisatoren sowie üppig dimensionierte Bremsen sollen das V8-Monster im Zaum halten. Optional gibt es eine Lachgaseinspritzung, die 150 Extra-Pferde beisteuert. Im Cockpit geht es abgesehen von den modernen Sportsitzen ganz klassisch zu. Das Holzlenkrad, der gebogene Schalthebel und das Armaturenbrett mit viel gebürstetem Aluminium versprühen den Charme der sechziger Jahre.

Gebaut werden die Fahrzeuge in Oklahoma, und zwar nur auf Vorbestellung und in Handarbeit. Vier Monate und 2500 Arbeitsstunden werden pro Exemplar benötigt. "Jeder Wagen wird von der Shelby-Fabrik überprüft und abgenommen, und wir verwenden ausschließlich Shelby-Teile", sagt Classic Recreations-Sprecherin Elana Scherr. Das Top-Modell kostet umgerechnet rund 146.000 Euro. Verkauft werden die Shelbys von Händlern in den USA, in Australien, in England und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Auch wenn die Nachbauten ins offizielle Shelby-Register eingetragen werden und damit quasi den Ritterschlag erhalten, dürften die originalen GT 500 aus den sechziger Jahren bei Sammlern weiter hoch im Kurs stehen. Rund 2050 Exemplare wurden damals gebaut, alle basierten auf dem 67er Ford Mustang. Berühmtheit erlangte ein modifizierter GT 500 durch den Film Nur noch 60 Sekunden mit Nicholas Cage. In dem Streifen muss eine Autoknacker-Bande in einer einzigen Nacht 50 Edel-Karossen stehlen, und der Shelby namens "Eleanor" ist der letzte.

Der GT 500 war nicht der erste Mustang, dem der Viehzüchter, Rennfahrer und Tuning-Papst Carrol Shelby auf die Sprünge half. Schon 1965 kreierte er den Shelby GT 350. Vierfachvergaser, schärfere Nockenwellen, Auspuff-Fächerkrümmer sowie eine verstärkte Hinterachse aus dem Ford Galaxie machten aus dem eher braven Ponycar eine kraftstrotzende Fahrmaschine. Statt der serienmäßigen 271 PS entließ der GT 350 mehr als 300 Pferde auf die Asphalt-Weide. Der Wagen war im Rennsport erfolgreich und wurde mit einer schwarz-goldenen Lackierung und dem Zusatz "H" sogar vom Autovermieter Hertz an amerikanischen Flughäfen vermietet. Hertz zog die Autos allerdings schnell zurück, als bekannt wurde, dass manche Leute mit den Mietwagen Rennen fuhren.

Da der Ford Mustang im Jahr 1967 deutlich größer und schwerer wurde, hatte auch der neue Shelby nicht mehr viel mit seinem leichtfüßigen Vorgänger gemein. Den 67er Shelby mit der Fiberglas-Haube und den großen zentralen Zusatzscheinwerfern gab es auch in einer GT 350-Version mit 306 PS, doch vor allem der GT 500 mit einer Leistung bis zu 400 PS und sieben Litern Hubraum zog sich die Bewunderung der PS-Fetischisten zu. Dass die Neuauflage nun GT 500 CR heißt, liegt zum einen an den Anfangsbuchstaben der Firma Classic Recreations, doch es ist wohl auch als Wortspiel gedacht: Eine spezielle Version des Shelbys, die 1968 mit dem Cobra Jet-V8 von Ford ausgerüstet wurde, bezeichnete man damals als GT 500 KR. Die Buchstaben standen für King of the Road – König der Straße.

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Leserkommentare
  1. Wenn Autos heute noch standardmässig so aussähen, würde ich mir vielleicht auch noch eines kaufen. Wieso müssen Autos heute von Maulwürfen designt werden?
    Die PS-Leistung ist zwar fragwürdig, aber die Formgebung ist einfach der Hammer. Da kriegt man selbst als Radfahrer und Fussgänger Wallungen...

  2. ... amerikanischen Autos? Die, die kaum irgendwo anstoßen, gleich wie ein Feuerball in die Luft fliegen?

    • hermse
    • 01. September 2010 8:57 Uhr

    Über Geschmack läßt sich ja bekanntlich nicht streiten, aber Design und dieses Vehikel passen nicht zusammen. Das sieht aus als hätte man zwei verschiedenen Wagen zusammengeschweißt. Es macht den Anschein als hätte da jemand mit Pappkartons versucht die Front und das Heck unbeding dynamischer zu machen um von inneren Mängeln abzulenken.

    Für mich persönlich das absolute Gegenteil von "wie aus einem Guß".

    Aber wer drauf steht, bitte.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, press-inform
  • Schlagworte Ford | Hertz | Autovermieter | Detroit | Mauritius | Australien
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