Die Rennstrecke entlang des Daytona Beach in Florida lockt jedes Jahr Zigtausende von Motorsportfans an. Schließlich ist der Daytona International Speedway in der Motorsportwelt seit Jahrzehnten eine Legende. Der Kurs, bestehend aus einem Hochgeschwindigkeits-Trioval und einem kurvigen Infield, ist je nach Rennserie kombinierbar. Auf den bunt getünchten Rängen finden mehr als 170.000 Zuschauer Platz. Innerhalb der Strecke gibt es Campingplätze und Tausende von Parkmöglichkeiten. Die Fans sind nirgends näher dran. Und sie kommen aus aller Welt, besonders während der Saisonhöhepunkte:  die 24 Stunden von Daytona oder das Nascar-Rennen der Daytona 500. Geht es um weltbekannte Kurse, steht Daytona kaum hinter dem Nürburgring. Zu den Fans gehört auch Prominenz, der ehemalige amerikanische Präsident George W. Bush zum Beispiel. Der ließ zu Amtszeiten während der Begutachtung der Startaufstellung gerne einmal seine Air Force 1 über den Kurs donnern.

Die Geschichte der Rennstrecke von Daytona beginnt Anfang der 50er Jahre. Ähnlich wie in Europa erfreuen sich Autorennen auch in den USA zunehmend großer Beliebtheit. Doch die geeigneten Strecken fehlen; so fährt die Vorzeige-Serie Nascar seit Ende der 40er Jahre beispielsweise auf alles andere als sicheren Straßenkursen – auch in Daytona. Nascar-Gründer Bill France trieb den Bau des Daytona Racetracks voran. Im Februar 1959 fand schließlich das erste Rennen im Surferparadies statt. Seither werden Jahr für Jahr die Daytona 500, eines der traditionsreichsten Nascar-Rennen der USA, auf dem Kurs ausgetragen.

Mit dem Speedway sind die Namen zahlreicher Rennfahrerlegenden fest verbunden. So gab bei der diesjährigen Auflage der Rolex 24 Stunden das amerikanische Rennfahrer-Urgestein Hurley Haywood seinen Abschied. "Ich bin hier dieses Mal zum 37. Mal gefahren, ich denke, es ist der rechte Zeitpunkt, um Schluss zu machen", erzählt der 62-Jährige. Hurley Haywood kennt den Daytona Speedway wie kein anderer. Fünfmal hat er auf dem Hochgeschwindigkeitsoval von Daytona seine Konkurrenten besiegt, daneben dreimal in Le Mans und zweimal in Sebring gewonnen. Die Siege in anderen Klassen wie IMSA oder GT sind ungezählt. "Insgesamt bin ich wohl mehr als 600 Autorennen gefahren", sagt er und lacht. Wer an Daytona denkt, dem kommt neben Haywood auch Ausnahmerennfahrer Dale Earnhardt in den Sinn, der nach 34 Siegen bei den 500 Meilen des Jahres 2001 tödlich verunglückte.

"Wenn ich Le Mans und Daytona vergleiche, muss ich sagen, dass es schwerer ist, hier in Daytona zu gewinnen", erzählt Haywood, "hier ist das Spektrum der Fahrer breiter. Einige sind absolute Top-Profis aus den besten Rennserien der Welt wie Nascar, Formel 1 und Indy. Andere sind halbprofessionelle Fahrer und Gentleman-Driver, die sich in die Cockpits von Prototypen- und GT-Klasse eingekauft haben." Der Rennkurs in Daytona gehört neben dem Nürburgring und dem Kurs von Le Mans zu dem bekanntesten und spektakulärsten Rennstrecken der Welt. Bei den 24 Stunden von Daytona gibt es eine 3,6 Meilen lange Mischung aus dem Hochgeschwindigkeitsoval und dem kurvigen Innenkurs.

"Das sind an sich zwei komplett unterschiedliche Rennstrecken", erklärt Porsche-Werksfahrer und Daytona-Experte Jörg Bergmeister, "überholen kann man fast nur auf dem Oval. Im Infield ist kaum etwas zu machen." Material und Fahrer werden in Daytona wie bei kaum einem anderen Rennen beansprucht. Besonders materialraubend seien die Langstreckenrennen.

Mit Vollgas geht es stundenlang über die bis zu 33 Grad geneigten Steilkurven. "Anders als in Le Mans gibt es in Daytona beim Rennen zwölf Stunden Dunkelheit", sagt Hurley Haywood, "in Le Mans sind es gerade einmal fünf. Man weiß nie, was einen beim nächsten Überholmanöver erwartet. Man muss seine Augen immer überall haben." Die aktiven Rennfahrerjahre sind für den ehemaligen Weltklassepiloten Elford schon fast 40 Jahre her. Nach Daytona kommt Elford immer wieder gerne. Der Brite gilt bis heute als der vielseitigste Rennfahrer der Welt. Nachdem er im Jahre 1968 die Rallye Monte Carlo gewonnen hatte, siegte er eine Woche später bei den 24 Stunden von Daytona. So etwas hat es bis heute nie wieder gegeben. Der Daytona International Speedway ist eben ein Kurs für Legenden.