Umwelthilfe-Chef im Interview "Die elektromobile Zukunft ist eine Chimäre"

Merkel hat sich von einer Umweltministerin zu einer Industriekanzlerin entwickelt, sagt Umwelthilfe-Chef Resch im Interview. Elektroautos sind für ihn nur ein Ablenkungsmanöver.

Frage: Herr Resch, sind Sie Anfang Mai zum Autogipfel ins Kanzleramt eingeladen?

Jürgen Resch: Nein. Angela Merkel wird sehr einseitig beraten. Sie hat sich von einer Umweltministerin zu einer Industriekanzlerin entwickelt.

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Frage: Es soll um die Förderung der Elektromobilität gehen. Das ist doch Ihr Thema.

Resch: Nicht wirklich. Wir fordern spritsparende Technologie heute. Frau Merkel und die Autobauer reden über eine Fortbewegungsart, die in zehn Jahren in Deutschland selbst nach optimistischen Prognosen weniger als ein Prozent der Fahrzeuge umfasst. Es wiederholt sich, was vor zehn Jahren schon einmal mit der Brennstoffzelle passiert ist. Damals kündigte die Autoindustrie an, diese Technologie werde alle Mobilitätsprobleme der Zukunft lösen. Deshalb müsse man sich nicht mehr so stark um die Verbesserung des Verbrennungsmotors kümmern.

Jürgen Resch
Jürgen Resch

Jürgen Resch (50) ist seit 1986 einer von zwei Bundesgeschäftsführern der Deutschen Umwelthilfe (DUH), ein bundesweit tätiger Umwelt-, Naturschutz- und Verbraucherschutzverband. Seit 1975 ist Resch ehrenamtlich und seit 1983 hauptamtlich im Natur- und Umweltschutz tätig. Von 1983 bis 1986 leitete er die Kampagnenabteilung des Bunds für Umwelt und Naturschutz.

Frage: Sie glauben, das Thema Elektromobilität ist nur ein Ablenkungsmanöver?

Resch: Klar, während wir wieder 500 Millionen Euro Steuergelder für Elektromobilitäts- Modellprojekte verpulvern, wurden gleichzeitig die CO2-Grenzwerte für Pkw und Kleintransporter von 2008 auf 2015 verschoben. Ich bin mir nicht sicher, ob die einseitig beratenen Regierungspolitiker nicht sogar glauben, dass die Elektromobilität schon vor der Tür steht. Auch Autohändler berichten, dass Kunden dieses Jahr kein Auto kaufen, weil sie im nächsten Jahr ein Elektroauto kaufen wollen. Das erinnert mich ans Raumschiff Enterprise: Die beste Form des Reisens ist das Beamen.

Frage: Aber in Berlin und anderswo sind Elektroautos unterwegs. Alle Hersteller entwickeln batteriebetriebene Fahrzeuge.

Resch: Zu sehen sind von Fremdfirmen zusammengebastelte Show-Fahrzeuge. Die in Berlin getesteten und mit unseren Steuermitteln finanzierten Elektro-Minis und -Smarts werden nie in dieser Form in Serie gehen. Sie erfüllen vor allem einen Zweck: Sie lenken ab vom eigentlich umwelt- und industriepolitisch notwendigen Druck auf die Hersteller, effizientere Fahrzeuge jetzt und heute zu entwickeln, etwa durch eine intelligente Kfz- beziehungsweise Dienstwagenbesteuerung nach CO2. Stattdessen träumt die Politik von der Chimäre einer elektromobilen Zukunft.

Frage: Auch die Hersteller räumen ein, dass sie noch in der Testphase sind. Sie argumentieren, dass mit den Tests Erfahrungen gesammelt werden sollen – auf Hersteller- und auf Verbraucherseite.

Resch: Warum Verbrauchertests, wenn der Normalverbraucher auf absehbare Zeit diese Autos nicht kaufen kann? Oder er muss für einen Kleinwagen statt 12 000 Euro mehr als 40 000 Euro bezahlen.

Leser-Kommentare
  1. 65% aller Verkehre bewegen sich in einem Radius von 70KM. Die innerhalb der nächsten 2 Jahre verfügbaren Batterien schaffen Radien von 150KM, stellen also die doppelte Reichweite all der städtischen Handwerker-, Pendler-, Kurier- und Individualverkehre sicher. Einige Hersteller arbeiten zusammen mit Energieversorgern an einem Vertrieb, bei dem die Batterien nicht mehr gekauft werden (ja, dann wird das für den Endkunden unbezahlbar teuer) sondern gemietet werden - wie bei einem Handytarif.

    Mich wundert, dass weder Resch hierzu befragt wird, noch dass er es selbst zur Sprache bringt.

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    Bei nur 50% umgestellter oder produzierter privat-PKW, brauchte Deutschland zur Stromversorgung wieviel Atomkarft- Energiekraftwerke mehr?

    Die Schildbürger lassen grüßen.

    Bei nur 50% umgestellter oder produzierter privat-PKW, brauchte Deutschland zur Stromversorgung wieviel Atomkarft- Energiekraftwerke mehr?

    Die Schildbürger lassen grüßen.

  2. auch bei Batterien. Der Weg über den elektrischen Strom stellt oft einen Umweg dar. Man könnte wie im menschlichen Körper ATP speichern (http://de.wikipedia.org/w...), aber wie setzt man es in Bewegung um? Die Speicherung der Energie stellt in meinen Augen nicht das Hauptproblem dar, sondern die Erzeugung von Bewegung mit Elektromotoren.

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    E-Motoren sind seit über 100 Jahren im Einsatz und weitgehend ausgereift. Sie werden milliardenfach in der Industrie eingesetzt in Pumpen, Förderanlagen usw. und auch mobil u.a. in Gabelstaplern und im Zugverkehr.
    Der ICE hat nämlich keinen Explosionsmotor an Bord, und auch in Dieselloks treibt der Diesel nur einen Generator an, der Strom für den E-Antrieb liefert.

    Leider werden oft technische "Probleme" bei Elektroautos zusammenphantasiert von Leuten, die von Technik keine Ahnung haben. Dazu muß man nach diesem Artikel wohl auch Herrn Resch zählen.

    Aber dieses Verhalten gab es vor jeder technischen Neuerung: Fliegen leichter/schwerer als Luft, Radio, Fernsehen, elektrischer Strom überhaupt, und zuletzt den Digitalkameras.
    Erinnert sich noch jemand an die "Experten", die noch vor wenigen Jahren scheinbar schlüssig erklären konnten, warum Digitalkameras niemals in nennenswerten Stückzahlen verkauft werden würden?

    E-Motoren sind seit über 100 Jahren im Einsatz und weitgehend ausgereift. Sie werden milliardenfach in der Industrie eingesetzt in Pumpen, Förderanlagen usw. und auch mobil u.a. in Gabelstaplern und im Zugverkehr.
    Der ICE hat nämlich keinen Explosionsmotor an Bord, und auch in Dieselloks treibt der Diesel nur einen Generator an, der Strom für den E-Antrieb liefert.

    Leider werden oft technische "Probleme" bei Elektroautos zusammenphantasiert von Leuten, die von Technik keine Ahnung haben. Dazu muß man nach diesem Artikel wohl auch Herrn Resch zählen.

    Aber dieses Verhalten gab es vor jeder technischen Neuerung: Fliegen leichter/schwerer als Luft, Radio, Fernsehen, elektrischer Strom überhaupt, und zuletzt den Digitalkameras.
    Erinnert sich noch jemand an die "Experten", die noch vor wenigen Jahren scheinbar schlüssig erklären konnten, warum Digitalkameras niemals in nennenswerten Stückzahlen verkauft werden würden?

  3. Mit Konservativ hat das offensichtlich nicht viel zu tun. Auch die Regierung in Frankreich würde ich als eher konservativ beschreiben. Zudem kann ich auch keinen nennenswerten Unterschied zwischen der jetzigen Regierung und der vorangegangenen erkennen. Weder die grünen noch die SPD haben in diese Richtung nennenswerte Veränderungen gewagt. Im Endeffekt bestimmen doch die Kunden über das Angebot. Wie Herr Resch zutreffend bemerkt besteht ja bereits jetzt die Möglichkeit auf Verbrauchsärmere Modelle umzusteigen. Aber die Kunden tun dies eben nicht. Somit verlangen wir von der Industrie etwas, was scheinbar der der großteil der Kunden nicht möchte. Dies ist Problematisch. Zumal die Autoindustrie so im vergleich zu anderen Branchen benachteiligt wird.

    Antwort auf "Konservativ"
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    Richtig! Der Verbraucher entscheidet. Und damit er sich für ein "CO2-armes" Auto entscheidet, müssen nun mal Anreize geschaffen werden, was die Regierungen in Frankreich und England wenigstens im Ansatz getan haben. Und unsere tut's leider nicht. Vielleicht verstehen diese Regierungen eben etwas anderes unter konservativ als unsere.
    Und was rot-grün angeht, die haben immerhin die Ökosteuer eingeführt (Anreiz!), die unsere Konservativen zusammen mit der BILD versucht haben als KO-Steuer zu diffamieren.

    Richtig! Der Verbraucher entscheidet. Und damit er sich für ein "CO2-armes" Auto entscheidet, müssen nun mal Anreize geschaffen werden, was die Regierungen in Frankreich und England wenigstens im Ansatz getan haben. Und unsere tut's leider nicht. Vielleicht verstehen diese Regierungen eben etwas anderes unter konservativ als unsere.
    Und was rot-grün angeht, die haben immerhin die Ökosteuer eingeführt (Anreiz!), die unsere Konservativen zusammen mit der BILD versucht haben als KO-Steuer zu diffamieren.

  4. Elektroauto hin oder her, solange der Strom, der in die Batterien gespeist wird aus Kohlekraftwerken kommt wird kein Gramm CO2 gespart. Schon die Umwandlung der Kohle in Strom geschieht selbst in den modernsten Kraftwerken mit einem Wirkungsgrad von gerade mal 40%. Dann kommen da noch die Transportverluste zum Verbraucher hinzu, dann die Umwandlung von Strom in chemische Energie in der Batterie, dann schlussendlich die Umwandlung von elektrischer Energie in mechanische Bewegung im Elektromotor. Wenn wir nun fuer jeden dieser Schritte eine optimistische Effizienz von 90% annehmen, dann erhalten wir fuer den Gesamtprozess eine Effizienz von 0.4*0.9*0.9*0.9=0.29 = 29%. Dies Entspricht in etwa der Effizienz eines Verbrennungsmotors.
    Der richtige Ansatz waere endlich einmal kleine, leichte und ausreichend motorisierte (Maximalgeschwindikgeit 140km/h) zu entwickeln, denen man einen sehr effizienten Motor verpasst. Man braucht keine 2 Tonnen Metall um einen Arsch zu bewegen. Den Smart sehe ich uebrigens als totale Fehlentwicklung. Wie kann ein so kleines Auto ueber 800kg wiegen!?!? Da ist ja wohl etwas ziemlich falsch gelaufen.
    Ach ja nochmal zu den Elektroautos: natuerlich produzieren die kaum CO2, wenn ihr Strom aus erneuerbaren Energiequellen kommt, aber in D sind das gerade mal 15% der gesamten Stromproduktion. Herr Resch hat vollkommen Recht!

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    Der Verbrennungsmotor hat nur in einer Phantasiewelt eine Effizienz von 29%. In dieser Phantasiewelt gibt es nur ebene, freie, gerade Strecken und der Sprit wird von freundlichen Ausserirdischen direkt in die Zapfsäulen gebeamt.

    In unserer Realität muß Öl erst mal gefunden, gebohrt, transportiert, raffiniert und nochmal transportiert werden, und gerade im Berufsverkehr für Pendler gibt es sehr viel besonders ineffizienten Stop&Go-Verkehr.
    In dieser Realität kommt ein Verbrenner-PKW auf eine Effizienz von 15-25% von der Zapfsäule zum Rad.
    Außerdem werden nach Zahlen aus den USA für die Aufbereitung von 1 Barrel Rohöl ca. 120kWh Strom benötigt.
    Wird dieser Strom in Kohlekraftwerken produziert, wie es ja auch bei Elektroautos grundsätzlich unterstellt wird, wieviel kg Kohle (oder wahlweise Liter Öl in einem Ölkraftwerk) werden alleine dafür verfeuert?
    Die Zahlen kann jeder selbst recherchieren...

    Der Verbrennungsmotor hat nur in einer Phantasiewelt eine Effizienz von 29%. In dieser Phantasiewelt gibt es nur ebene, freie, gerade Strecken und der Sprit wird von freundlichen Ausserirdischen direkt in die Zapfsäulen gebeamt.

    In unserer Realität muß Öl erst mal gefunden, gebohrt, transportiert, raffiniert und nochmal transportiert werden, und gerade im Berufsverkehr für Pendler gibt es sehr viel besonders ineffizienten Stop&Go-Verkehr.
    In dieser Realität kommt ein Verbrenner-PKW auf eine Effizienz von 15-25% von der Zapfsäule zum Rad.
    Außerdem werden nach Zahlen aus den USA für die Aufbereitung von 1 Barrel Rohöl ca. 120kWh Strom benötigt.
    Wird dieser Strom in Kohlekraftwerken produziert, wie es ja auch bei Elektroautos grundsätzlich unterstellt wird, wieviel kg Kohle (oder wahlweise Liter Öl in einem Ölkraftwerk) werden alleine dafür verfeuert?
    Die Zahlen kann jeder selbst recherchieren...

  5. Richtig! Der Verbraucher entscheidet. Und damit er sich für ein "CO2-armes" Auto entscheidet, müssen nun mal Anreize geschaffen werden, was die Regierungen in Frankreich und England wenigstens im Ansatz getan haben. Und unsere tut's leider nicht. Vielleicht verstehen diese Regierungen eben etwas anderes unter konservativ als unsere.
    Und was rot-grün angeht, die haben immerhin die Ökosteuer eingeführt (Anreiz!), die unsere Konservativen zusammen mit der BILD versucht haben als KO-Steuer zu diffamieren.

    Antwort auf "Konservativ"
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    ... auch nicht ganz falsch war. Die Ökosteuer war ja eben kein Anreiz, sondern eine Bestrafung.

    Und im Nachhinein muss man den Skeptikern recht geben, weder gibt es nennenswert sparsamere, schon gar nicht bezahlbare Alternativen. Der grüne Ansatz hat also lediglich zu einer Absenkung der Lebensqualität geführt, da die Leute dadurch weniger fahren oder aber die Mehrkosten (wenn sie fahren *müssen*) an anderer Stelle einsparen. Ein Bonus-Malus System wäre der grünen Idee förderlicher gewesen.

    Die Grünen haben daraus leider nichts gelernt, meines Wissens, ist ihr fortschrittlichstes Konzept derzeit die Abschaffung der Pendlerpauschale. Ich nenne das grün-konservativ, die Probleme der Leute interessieren nicht wirklich, man versucht sie einfach mit Bestrafungen (finanzieller Art) auf den richtigen Weg zu prügeln. Nebeneffekte (Schlechterstellung der Landbevölkerung und strukturschwacher Regionen) kommen in deren Denken scheinbar gar nicht erst vor. Aber bitte korrigiert mich, falls ich mich irre.

    ... auch nicht ganz falsch war. Die Ökosteuer war ja eben kein Anreiz, sondern eine Bestrafung.

    Und im Nachhinein muss man den Skeptikern recht geben, weder gibt es nennenswert sparsamere, schon gar nicht bezahlbare Alternativen. Der grüne Ansatz hat also lediglich zu einer Absenkung der Lebensqualität geführt, da die Leute dadurch weniger fahren oder aber die Mehrkosten (wenn sie fahren *müssen*) an anderer Stelle einsparen. Ein Bonus-Malus System wäre der grünen Idee förderlicher gewesen.

    Die Grünen haben daraus leider nichts gelernt, meines Wissens, ist ihr fortschrittlichstes Konzept derzeit die Abschaffung der Pendlerpauschale. Ich nenne das grün-konservativ, die Probleme der Leute interessieren nicht wirklich, man versucht sie einfach mit Bestrafungen (finanzieller Art) auf den richtigen Weg zu prügeln. Nebeneffekte (Schlechterstellung der Landbevölkerung und strukturschwacher Regionen) kommen in deren Denken scheinbar gar nicht erst vor. Aber bitte korrigiert mich, falls ich mich irre.

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