Volvo Crashtest-Zentrum Auftrag: Totalschaden

Wenn es kracht und splittert, ist Thomas Broberg in seinem Element. Er produziert bei Volvo massenweise Unfälle im Auftrag der Sicherheit.

Es ist einer dieser lauen Spätsommertage in Südschweden. Eine junge Familie ist mit einem neuen Volvo V70 unterwegs nach Hause, der Mann fährt, der einjährige Sohn schlummert in der Baby-Sitzschale auf der Rückbank. Plötzlich, in einer lang gezogenen Kurve der Landstraße, kommt der Familie ein älterer Volvo auf ihrer Fahrbahnseite entgegen. Zum Ausweichen ist es zu spät, bei 60 Km/h prallen beide Autos mit voller Wucht aufeinander. Ein ohrenbetäubender Knall erfüllt die Luft, die Fronten beider Autos werden zerquetscht, Splitter und Trümmer fliegen durch die Luft. Schon nach einer Sekunde ist alles vorbei, gefolgt von einer gespenstischen Stille.

Plötzlich ertönt ein Hornsignal, gleißende Scheinwerfer beleuchten die Unfallstelle. Der Unfall war nur eine Simulation in einem der größten Crash-Zentren Europas in Göteborg. Die beiden Autos waren mit Kabeln verbunden und wurden mit 2000 PS starken Elektromotoren auf Schienen in ihr sicheres Verderben geschickt. Der Test beruht auf einem echten Unfall – zum Beleg stehen die Wracks neben den gelb lackierten Testfahrzeugen. Am Airbag des 13 Jahre alten Volvos klebt Blut. Die Rettungskräfte mussten das Dach abschneiden, um den eingeklemmten Fahrer schonend befreien zu können.

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Der nachgestellte Unfall zeigt die Verbesserungen der passiven Sicherheit, die zwischen dem 13 Jahre alten und dem aktuellen V70 erreicht wurden: "Der Fahrer des älteren Volvo wurde schwer verletzt, ist aber wieder vollständig genesen. Sein Beifahrer und alle Insassen des anderen Autos trugen nur leichte Blessuren davon", berichtet Thomas Broberg. Bei Volvo nennt man den Ingenieur meist nur "Mr. Saftey".

Zum 10-jährigen Jubiläum des Crashtest-Zentrums bei Göteborg öffnete Broberg seine Spielwiese: Auf einem riesigen Areal können die Schweden jeden nur erdenklichen Unfall nachstellen. Das Herzstück ist eine 154 Meter lange Teststrecke, die mit einem 108 Meter langen beweglichen Ausleger kombiniert ist – hier werden die Autos aufeinander losgelassen. Durch die bewegliche Bahn können die Ingenieure jeden Aufprallwinkel simulieren.

Rund 400 Crashtests führt Volvo pro Jahr durch, dazu kommen zahllose Computersimulationen. Dabei geht es nicht nur darum, die passive Sicherheit zu erhöhen. "Wir wollen auch nachvollziehen, wie es zu einem Unfall kommt und welche Konsequenzen man daraus für die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen ziehen kann", sagt Broberg. Bei jedem Unfall im Raum Göteborg, in den ein Volvo verwickelt ist, rückt ein Untersuchungsteam aus.

Volvo nimmt neben Ford, Daimler, BMW und anderen Unternehmen zudem an einem europäischen Feldversuch teil, bei dem ganze Autoflotten mit Kameras und diversen Geräten zur Datenaufzeichnung versehen werden. Wenn es im Verkehrsalltag zu brenzligen Situationen kommt, können Wissenschaftler diese dann im Nachhinein haarklein analysieren.

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