Volvo Crashtest-Zentrum Auftrag: TotalschadenSeite 2/2

350 Verkehrstote hatte Schweden im Jahr 2009, das ist selbst unter Berücksichtigung der Gesamtbevölkerung wenig im europäischen Vergleich. Doch die Schweden haben ein ehrgeiziges Ziel. Schon in den neunziger Jahren brachte das Parlament die "Vision Zero" auf den Weg, die Vision von einem Verkehrssystem, in dem niemand mehr getötet oder schwer verletzt wird. Die Idee dahinter: Weil der Mensch immer Fehler machen kann, muss das System so gestaltet werden, dass Fehler keine fatalen Konsequenzen mehr haben. Die Autohersteller müssen ihren Teil dazu beitragen – durch maximale Crash-Sicherheit. "Bis 2020 soll niemand mehr in einem neuen Volvo verletzt oder getötet werden", sagt Thomas Broberg.

Der Mensch bleibt der Unsicherheitsfaktor Nummer Eins – das zeigt sich auch im nächsten Crashtest, den Broberg demonstriert. Jeder vierte Unfall in Schweden ist eine sogenannte Off-Road-Kollision, ein Crash ohne Fremdbeteiligung, bei dem der Fahrer zum Beispiel wegen Übermüdung von der Straße abkommt. Im Test wird ein Volvo S80 mit 80 Km/h von der Testbahn nach draußen ins Gelände katapultiert. 

Der Wagen gerät in einen Schottergraben, prallt auf einen Felsen, wird aus dem Graben wieder heraus geschleudert und knallt mit voller Wucht auf eine Böschung. Als sich der Rauch verzogen hat, nimmt Broberg den völlig zertrümmerten Wagen in Augenschein. "Mit Fahrerassistenzsystemen lassen sich solche Eigenunfälle vermeiden", sagt Broberg – etwa durch einen Spurwechselassistenten, der vor dem Verlassen der Fahrspur warnt.

Das auch bei minutiös geplanten Simulationen nicht immer alles nach Plan verläuft, muss Thomas Broberg beim dritten Test zugeben: Ein Volvo S60 fährt mit 35 Km/h auf einen stehenden LKW zu. Eigentlich wollen die Schweden nun ihre Notbremsfunktion demonstrieren: Sensoren entdecken das Hindernis, und da der Crashtest-Dummy am Steuer nicht auf die Warnung reagiert, soll die Technik den Volvo jetzt automatisch abbremsen. Doch irgendetwas geht schief – ungebremst prallt der Wagen auf den Anhänger des LKW. Broberg und seine Kollegen umkreisen stirnrunzelnd die außerplanmäßige Unfallstelle.

Wie sich später herausstellt, trug der berühmte menschliche Faktor zu dem missglückten Test bei: Weil die Batterie des Autos vor dem Test nicht richtig geladen wurde, nahmen die Ingenieure eine Schnellladung vor. Das, so Volvo, habe das elektrische System des Autos beeinträchtigt und den Fehler provoziert. Thomas Broberg nimmt den Vorfall gelassen: "So ist das eben im echten Leben – bei einem Crashtest kann einfach alles passieren."

 
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