Wohnwagen Der Airstream ist ein Hotel am Haken
Der Airstream-Trailer ist eine amerikanische Ikone: Wer einmal mit diesem Wohnwagen an einem Jeep Cherokee auf Reisen geht, verbringt einen unvergesslichen Urlaub.
Albert Hammond lügt. Von wegen It Never Rains in Southern California. Los Angeles empfängt uns mit einem trostlos grauen Himmel und strömendem Regen. Das ist die Stadt, die wegen ihrer garantierten Sonnentage zur Filmmetropole geworden ist? Sie ist es. Denn kaum erscheint der Star, reißt der Himmel auf. Spot an, Auftritt Airstream. Strahlend steht er da im hellen Licht, frisch gewaschen und poliert, mitten in Hollywood auf dem Hof von Galpin Studio Rentals. Direkt davor, in perfekter Farbregie, der rotmetallic Jeep Grand Cherokee, der als Zugfahrzeug dienen soll.
Galpin vermietet Fahrzeuge für Film- und Fernsehproduktionen. Meist Lieferwagen zum Transport von Scheinwerfern, Kameras und Requisiten. Aber auch Wohnwagen für Stars und Crews. Wenige Hundert Meter Luftlinie von hier lassen sich Touristen gegen ein paar Dollar vor dem Kodak Theatre zusammen mit Doubles von Charly Chaplin, Marilyn Monroe oder Captain Jack Sparrow fotografieren. Neigt man den Kopf leicht zur Seite, kann man zwischen den Häusern den Hollywood-Schriftzug sehen. Und schräg gegenüber das Knickerbocker, eines der alten Hollywood-Hotels, die mehr durch sie umrankende Legenden als durch Mörtel zusammengehalten werden.
Auch der Airstream ist eine Legende mit einer filmreifen Geschichte dahinter. Vor 80 Jahren baute Wallace Merle Byam, genannt Wally, aus Leinwand und Sperrholz einen aerodynamisch gestylten Wohnwagen mit Kerosinofen und Kühlschrank auf ein altes Ford-T-Fahrgestell, um seiner Frau Marion das raue Camping-Leben etwas einfacher zu machen. In einem Magazin beschrieb er kurz darauf, "wie man für 100 Dollar einen Wohnwagen baut". Daraus wurde ein detailliertes kleines Büchlein, das reißend Absatz fand. Ein Nachbar bat Wally, ihm doch so einen Wohnwagen zu bauen. "Kaum war der fertig, wollte der Nachbar eine Tür weiter auch einen", schrieb Wally später. Eine kleine Werkstatt entstand und 1932 standen die ersten Wohnwagen zum Verkauf. Ihr Name: Airstream, denn "sie bewegen sich auf der Straße wie ein Luftzug" – like a stream of air.
Drei Jahre später übernahm Wally die "Bowlus-Teller Trailer Company". Deren stromlinienförmige Wohnwagen waren konstruiert wie ein Flugzeug ohne Flügel. Hawley Bowlus war eigentlich Luftfahrtingenieur und Chefdesigner der Spirit of St Louis, des Flugzeugs, mit dem Charles Lindbergh als Erster den Atlantik überquerte. Ein Monocoque aus Aluminiumrohr, mit zusammengenieteten Aluminiumblechen beplankt, das ergab eine sehr stabile und gleichzeitig relativ leichte Konstruktion. Seither gab es nur fünf Korrekturen am Design: "Wir machen keine Veränderungen – nur Verbesserungen", sagte Wally einmal. Noch heute wird jedes Modell in Jackson Center, Ohio, von Hand und mit mehreren Tausend Nieten zusammengesetzt.
Über die Jahrzehnte hat sich der Silberling zu einer amerikanischen Ikone entwickelt wie die Harley, die Route 66 oder die Monroe. Er taucht in Hollywood-Filmen auf und in Kultromanen. Eine Sternstunde hatte er nach der Mondlandung, als die ganze Welt zusah, wie die zurückgekehrten Astronauten von Apollo 11 in Airstream-Trailern verschwanden, die zu Quarantäne-Stationen umgebaut worden waren. "Einen Airstream zu besitzen hat etwas Spirituelles", sagt Airstream-Chef Larry Huttle.
Bob Dykes macht jetzt das Gespann reisefertig. Dann geht es nach Süden, zunächst auf dem Highway 110. Dann ein gutes Stück auf dem 405. Newport Beach ist das erste Ziel. Und erst einmal ist gegenseitiges Herantasten angesagt. Wie fährt sich das Gespann, wie reagiert es beim Bremsen? Wie in Kurven und an Steigungen? Schnell zeigt sich: Fast so, als wäre man in dem Jeep Grand Cherokee ganz ohne sieben Meter Airstream am Haken unterwegs. Schneller als 65 Meilen pro Stunde darf man eh nicht, mehr kann man in dem Verkehr auch nicht. Der Jeep zieht die gut 2,1 Tonnen Gewicht souverän. Unter der Haube steckt ein 5,7-Liter-HEMI-Motor mit 352 PS. Die bequeme Automatik, dazu ein hoher Fahrkomfort und ein massiges Drehmoment von 520 Nm – die Paarung ist perfekt für den American Way of Drive. An das Knarzen in jeder Kurve gewöhnt man sich schnell: Das heißt nicht, dass der Trailer gleich umkippt, sondern dass er noch da ist.
Die Navigation im Jeep lotst das Gespann auf breiten Straßen bis zum Newport Dunes RV Park. Hier ist die erste Nacht im Airstream eingeplant. Kein billiges Vergnügen. Ein Standplatz kostet hier pro Nacht deutlich über 100 Dollar. Aber dennoch ist der Park selbst um diese Jahreszeit schon beinahe ausgebucht. Er ist groß, weitläufig und liegt an einem künstlich angelegten See gleich gegenüber einem kleinen Yachthafen. Morgens wird hier Wasser-Aerobic angeboten, samstags ab 16 Uhr Bingo für die ganze Familie. Es sind vor allem riesige Motorhomes, die sich hier nebeneinander reihen. Trailer sind eher selten. Glück bei der Standplatz-Suche: Direkt neben uns hat Ted seinen Airstream geparkt. Er ist ein Airstreamer, wie hier die organisierten Fans der silbernen Zigarre genannt werden. Der 67-jährige hemdsärmelige Unternehmer wohnt eigentlich in Huntington Beach, ein paar Kilometer nördlich von Newport und kommt mit seiner Frau Carol und Hund Peggy Sue immer mal wieder für ein paar Tage. Den Airstream hat er seit Jahren. Und auch bei ihm macht meist ein Jeep die Zugarbeit.
Vor allem aber ist er ein großer Motivator. Den Airstream auf dem engen Platz zum ersten Mal im Leben rückwärts eingeparkt? Und gleich schon fast perfekt? Das habe er auch noch nicht erlebt. Sohn zeugen, Haus bauen, Baum pflanzen, den Airstream rückwärts parken? Die klassischen Lebensziele sind also durchaus erweiterungsfähig. Für zwei ist der Airstream nahezu perfekt. Breites Bett hinten, zusammenbaubare Liegestatt vorne, Gasherd, Backofen, Mikrowelle, Flachbildfernseher. Wie auf jedem anständigen Campingplatz gibt es auch in Newport Beach neben den Anschlüssen für Wasser, Strom und Abwasser einen fürs Kabelfernsehen. CNN hält den Kontakt zu den Krisenherden dieser Welt.
Doch auch in der eigenen kleinen Alu-Welt kann es ganz schön ungemütlich werden. Die Nächte an der kalifornischen Pazifikküste sind im Frühjahr kalt und der Airstream nicht wirklich isoliert. Dazu kommt: Dusche und Toilette sind zwar eingebaut, aber seit den Pilgervätern sind die Körpermaße des Homo travelicus doch ein wenig auseinander gegangen. Gut, dass es auf jedem Campingplatz warme Duschen gibt. Es braucht schon ein, zwei Nächte, um sich zu arrangieren. Bestens arrangiert haben sich da sehr viel schneller der Jeep Grand Cherokee und der Airstream. Sie geben nicht nur optisch eine schicke Kombination ab, sie spielen bis in die Details perfekt zusammen. So macht es etwa die Rückfahrkamera des Jeeps zusammen mit dem fein dosierbaren Gaspedal zum Kinderspiel, nach einem Ausflug am Airstream wieder anzudocken.
Denn bei aller schnell gewachsenen Sympathie für das Vier-Sterne-Hotel auf Rädern: Gelegentlich kommt man alleine mit dem Jeep besser ans Ziel, auch, wenn viele öffentliche Parkplätze in den USA selbst in den Innenstädten spezielle Bereiche für Gespanne und Motorhomes anbieten. Ob auf einem privaten Weingut im Temecula-Tal oder auf einem kommunalen Parkplatz am Rande der Altstadt von San Diego, die gut zwölf mal drei Meter Platz für Jeep und Airstream sind immer irgendwo zu finden. Adventure, inspired by Airstream steht auf der Fußmatte im Eingang zum Airstream, gleich da, wo die Pantoffel warten. "Abenteuer ist an jedem Ort, wo Du es suchst", lautet ein Bonmot von Wally Byam: "Außer zu Hause in Deinem Schaukelstuhl." Insofern ist selbst ein Kurztrip durch den Süden Kaliforniens ein Abenteuer. Ein wohl kalkuliertes mit vorab reservierten Pull-Through-Stellplätzen und Wasseranschluss.
- Datum 29.05.2010 - 10:07 Uhr
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Unter der Haube und in meiner Laube ...
Noch nicht genug vom Durst auf Öl? Ist ja rein natürlich entstanden und kann als Naturprodukt ja nicht schädlich sein für die andere Natur.
Also träumen sie weiter, lesen Sie Joffe oder Artikel über unvergessliche Ferien im Energierausch. Der Markt hat immer recht. Höchste Zeit diese Verdrängungsmechanismen konsequent auch auf die Natur anzuwenden.
Der wahre Star dieses Artikels scheint ja der Jeep Grand Cherokee zu sein, im gegenteil zum Airstream. Wenn das wirklich ein Artikel über einen Wohnwagen wäre, wäre es ja eigentlich herzlich egal, welches Auto ihn zieht. Hier aber nicht - der Jeep Cherokee glänzt bei jeder Gelegenheit, sogar dort, wo der Airstream kritisiert wird, um sich den Anschein von echtem Journalismus zu geben.
Schade eigentlich, dass die Zeit sich Artikel von Presseagenturen zusammenkaufen muss. Einen journalistischen oder intellektuellen Mehrwert stellen diese Artikel nämlich leider nicht dar. Aber die Zeitung bzw. der Onlineauftritt muss ja schliesslich "voll" werden!
Hoch lebe der kritische Journalismus...
ein schönes Fahrzeug, ein schönes, nostalgisch anmutender Wohnwagen aus einer Zeit, da die Sorge um Ressourcen, Umwelt und Größe noch nicht den Kopf der Menschen blockierte...
Auch ich finde den Artikel reichlich seicht! Wer den American Dream im Hinterkopf pflegt, wer davon träumt, mit so einem Geschoss auf der Route 66 dem Mick Jagger hinterherzufahren und Marilyn oder James Dean wiederzubegegnen oder von Barbra Streisand und Julia Roberts angehalten zu werden, wird reichlich enttäuscht.
Informationen und Bildmaterial gleich Null. Als ob der Redakteur im Eilverfahren zu einem Artikel verdonnert wäre und nicht einmal die Zeit hatte, interessante Fotos herunterzuladen. Nein, so gehts nicht, liebe ZEIT!
In meiner Jugend hatte ich meinen Vater auf die Hannovermesse begleitet, und weil keine Hotelzimmer mehr frei waren, hatten wir bei dem Vertreter in Pattensen gottweisswodasliegt in seinem Tabbert gewohnt. 7,60m Länge, allen Komfort der 70er Jahre ausgenommen Mikrowelle und Flachbildschirm, dafür Gaskocher und Flachmann, haben wir den Aufenthalt sehr genossen, gar nach dem Tagesgeschäft auf der Messe abends noch einen Skat gedroschen, so war das damals.
Solche 4 Sterne von damals hätte ich in dem Bericht gerne wiedergefunden. Aber Text und Fotos belegen lediglich, daß der Mainstream von einem roten Jeep geschleppt wurde.
Wichtige Fragen wie - gibt es für Big Macs geeignete Halterungen, gibt es zigarrengeeignete Aschenbecher oder ist das Rauchen gar verboten, gibt es eine eingebaute Bar, kann man mit der Aircondition auch Eiscreme herstellen? - fehlen gänzlich!
Schade, aber vielleicht gibts ja noch einen redaktionellen Nachschlag.
Mit dem Marlboro Mann durch die Prärie - Im Pferdesattel den Geschmack der Freiheit (und des besten Tabaks der Welt) erkunden.
ps: nordkorea bietet seminare für kritischen journalismus an - sollte die redaktion vielleicht auch in erwägung ziehen.
... daß die "Press-Inform"-Plattitüden so begeistert aufgenommen werden, wie sie es verdienen. Alle Verleger, die es nicht verhindern, daß ihre Blätter diese zugekauften "Press-Inform"-PR-Schwurbeleien veröffentlichen, haben per se das Recht verwirkt, sich über zu hohe Kosten zu beklagen.
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