Automobilgeschichte Legende mit dunkler VergangenheitSeite 2/2

Bis Kriegsende sparen rund 340.000 Kunden auf den KdF-Wagen – doch kein einziger Privatkunde erhält sein Auto. Die Männer, die den Wagen bauen sollten, müssen an die Front. Der Stahl aus der nahen "Stadt der Hermann-Göring-Werke" (Salzgitter) und die Maschinen werden für Kanonen und Panzer gebraucht. Das Volkswagenwerk baut Flugzeugteile, Bomben, ab 1943 Teile für die Rakete V1. Und bis Kriegsende mehr als 60.000 Militärfahrzeuge auf Volkswagen-Basis: Kübelwagen, Schwimmwagen, Allrad-Käfer.

Bald nach Kriegsbeginn lässt Porsche, einer der ersten Wehrwirtschaftsführer des NS-Regimes, sich sowjetische Zwangsarbeiter zuweisen. 1944 stellen sie zwei Drittel der VW-Belegschaft: rund 20.000 Menschen aus den von Deutschland besetzten Gebieten. 1942 steht auf dem Gelände des Werks einige Monate lang ein Konzentrationslager, das "Arbeitsdorf" mit rund 800 politischen Häftlingen. Porsche sitzt nach Kriegsende 22 Monate in französischer Haft, wird aber nie rechtskräftig verurteilt.

Typ 64

Neben den militärischen Varianten des Volkswagens entstand 1939 eine Rennsportversion, der Typ 64 oder "Berlin-Rom-Wagen". Porsche entwickelte ihn im Auftrag der DAF für ein im September 1939 geplantes Langstreckenrennen von Berlin nach Rom, das wegen des Kriegsbeginns nie stattfand. Die drei gebauten Exemplare mit stromlinienförmiger Alu-Karosserie und in der Leistung verstärktem VW-Boxermotor konnten 145 km/h schnell werden, fuhren aber nie ein Rennen. Sie sind die Ahnen der späteren Porsche-Sportwagen.

Das Ende des Krieges 1945 ist der Anfang der Erfolgsgeschichte des Volkswagens. Trotz Kriegsschäden beginnen die "Wolfsburg Motor Works" unter Treuhandverwaltung der britischen Militärregierung noch im Sommer 1945 mit der Serienfertigung. Nach Besatzungsmächten und Deutscher Post erhalten Privatkunden ihre Volkswagen – allerdings für einen Bezugsschein, der 5000 Reichsmark statt der avisierten 990 kostet. Mit den KdF-Sparern schließt der wachsende Volkswagen-Konzern erst 1961 einen Vergleich und räumt allen, die ihr KdF-Sparbuch vollgeklebt haben, einen Rabatt von 600 D-Mark auf einen Neuwagen ein.

Der Volkswagen – Zentralrohr-Plattformrahmen, Drehstabfederung, luftgekühlter Vierzylinder-Boxer im Heck, schwachbrüstige Heizung und bis 1953 "Brezelfenster" – wird zum Symbol des Wirtschaftswunders. Schon am 5. August 1955 läuft der Millionste "Käfer" , wie er liebevoll genannt wird, vom Band. Und läuft. Und läuft. Bis zum Ende der Produktion in Mexiko am 30. Juli 2003 werden 21.529.464 VW Käfer hergestellt, davon rund 15,8 Millionen in Deutschland.

In den USA wird der "Beetle" oder "Love Bug" in den sechziger Jahren zum sympathischen Symbol einer Gegenkultur zu den spritfressenden Straßenkreuzern. In den "Herbie" -Filmen und der deutschen Kopie, der "Dudu"-Reihe, ist der Käfer ein intelligentes Auto zum Liebhaben, immer auf der Seite des Guten. Seine dunkle Vergangenheit ist fast vergessen.

 
Leser-Kommentare
    • ribera
    • 03.07.2010 um 22:29 Uhr

    Dieses alles schlecht reden müssen, Hauptsache man kann Schmutz auf uns und unsere Geschichte werfen.
    ma sollte mal darüber nachdenken, wie viele Gegenstände des täglichen Gebrauches ihren Ursprung in der militärischer Forschung oder dem dem Streben nach Vorherrschaft im Weltraum haben.
    Welche dunkle Vergangenheit hat beispielsweise mein GPS!
    Welch ein Glück, dass es bereits vor Adolf Zahnbürsten gab. Sonst müßte ich mich bei der zahnüflege womöglich noch schämen!

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    • ribera
    • 03.07.2010 um 22:39 Uhr

    darf sie behalten.

    Genau - so - sieht - es - aus.

    Es muss einen breiten Markt dafür geben, oder er wird künstlich geschaffen. Fakt ist, ich kann diese "Schlagzeilen" auch nichtmehr lesen.
    Manchmal kommt es mir so vor, als wären gewisse Institutionen ein bisschen geil auf unsere Vergangenheit, zumindest was diese Epoche betrifft.

    Nach vorn wird geblickt..

    • ribera
    • 03.07.2010 um 22:39 Uhr

    darf sie behalten.

    Genau - so - sieht - es - aus.

    Es muss einen breiten Markt dafür geben, oder er wird künstlich geschaffen. Fakt ist, ich kann diese "Schlagzeilen" auch nichtmehr lesen.
    Manchmal kommt es mir so vor, als wären gewisse Institutionen ein bisschen geil auf unsere Vergangenheit, zumindest was diese Epoche betrifft.

    Nach vorn wird geblickt..

    • ribera
    • 03.07.2010 um 22:39 Uhr

    darf sie behalten.

  1. Genau - so - sieht - es - aus.

    Es muss einen breiten Markt dafür geben, oder er wird künstlich geschaffen. Fakt ist, ich kann diese "Schlagzeilen" auch nichtmehr lesen.
    Manchmal kommt es mir so vor, als wären gewisse Institutionen ein bisschen geil auf unsere Vergangenheit, zumindest was diese Epoche betrifft.

    Nach vorn wird geblickt..

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    Ich muss immerwieder einen Trend feststellen, der einem Bildzeitungscharakter immer ähnlicher wird.

    Lediglich das große Spektrum an Artikeln verschleiert dies etwas. Ist ja mitunter doch noch was "ordentliches" dabei.

    Ich muss immerwieder einen Trend feststellen, der einem Bildzeitungscharakter immer ähnlicher wird.

    Lediglich das große Spektrum an Artikeln verschleiert dies etwas. Ist ja mitunter doch noch was "ordentliches" dabei.

  2. 4. Edit:

    Ich muss immerwieder einen Trend feststellen, der einem Bildzeitungscharakter immer ähnlicher wird.

    Lediglich das große Spektrum an Artikeln verschleiert dies etwas. Ist ja mitunter doch noch was "ordentliches" dabei.

    Antwort auf "Überschrift"
  3. zur Mobilisierung der Massen war genial und zeigt, daß die damalige Regierung auf dem richtigen Weg war. Es hätte Deutschland einen Aufschwung beschert, leider kam der Krieg dazwischen. Dennoch, sich Ideen bei anderen abzuschauen um sich dann stolz als Innovator zu feiern,so arbeitet VW heute noch.

  4. Ich hatte auch mal einen ... und was habe ich an dem rostenden Ding nicht alles schweißen müssen, damit er nochmal durch den TÜV kam ... und dann jedes Mal der Kommentar des Prüfers: Die Bremsen ziehen schief!

  5. Ungeachtet des Beitrages zur deutschen Nachkriegswirtschaft kann man die Ursprünge nicht verheimlichen: Obwohl nicht von den Nazis erfunden, war der KdF-Wagen und die Autobahnen eine Möglichkeit der Nazis, Macht und gleichzeitig Volksnähe darzustellen.
    Es gibt ein informatives Buch über die Geschichte des Käfers ( Titel hab' ich leider nicht präsent ), es lohnt, sich die Historie mal bildlich vorzustellen.
    Es gab schon einen "richtigen Volkswagen", das war der Opel Laubfrosch, aber der sollte ( real kalkuliert ) so an die 3.500,- RM kosten, was natürlich nicht zu den magischen 999,- RM passte, zu dem die Nazi-Propaganda das Projekt angepriesen hat. Es war aber völlig klar, dass der KdF-Wagen niemals (!!!) auch nur einigermaßen kostendeckend zu dem Preis hätte hergestellt werden können. Dazu war es der OPEL Laubfrosch, was angesichts des Eigentümers GM-USA nicht zu den deutschtümelnden Anwandlungen des Gröfaz passte. Ferner hatte der KdF-Wagen Luftkühlung, und Luft friert nun mal im russischen Winter nicht ein - weise Voraussicht auf die zukünftigen Aktivitäten! Und der KdF-Wagen hatte als Höchst- und Dauergeschwindigkeit 115 km/h, der Laubfrosch hatte zwar die gleiche Höchst- aber eine geringere Dauergeschwindigkeit, das sagt Heutigen aber nix mehr. Darüber, dass beide Österreicher waren, schweigt des Sängers Höflichkeit.

  6. ... und der erste Generaldirektor des Nachkriegsvolkswagenkonzerns ( H. Nordhoff ) war vor dem Krieg Leiter der Lkw-Produktion bei Opel.

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