Verkehrs-Leitbild Zielgröße Null

Schweden war Vorreiter, inzwischen findet Vision Zero auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Wie realistisch ist es, die Zahl der Verkehrstoten auf Null zu bringen?

Eine Sekunde – oder noch weniger – kann über Leben und Tod entscheiden. Wenn ein Fußgänger unvermittelt zwischen parkenden Autos hervor auf die Straße tritt. Wenn ein Autofahrer beim Rechtsabbiegen einen Radfahrer übersieht. Wenn Blitzeis das Auto plötzlich ins Rutschen bringt.

Im vergangenen Jahr starben 4154 Menschen auf deutschen Straßen bei einem Verkehrsunfall, im Schnitt mehr als elf an jedem Tag. Gut die Hälfte von ihnen war Insasse eines Pkw. Unter den Toten sind auch 750 Motorrad-, Mofa- und Mopedfahrer, 462 Radfahrer und 593 Fußgänger. Zwar sinkt die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland seit Jahren. Doch: "Jeder Verkehrstote ist ein Toter zuviel", sagt Rainer Bretschneider, Staatssekretär im brandenburgischen Infrastrukturministerium. Im April hat das Ministerium Vision Zero zum Leitbild für die Verkehrspolitik des ostdeutschen Bundeslandes erklärt.

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Damit setzt sich auch in Deutschland langsam eine Philosophie durch, die andere Länder wie die Niederlande, die Schweiz und Vorreiter Schweden schon zum politischen Programm gemacht haben. Eine Philosophie, die der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) schon seit 2007 vertritt: Bei einem Verkehrsunfall oder an seinen Folgen soll niemand mehr sterben. Das klingt nach Utopie. Müsste man dafür nicht den Straßenverkehr komplett verbieten?

Nein, das wäre weltfremd, meint die DVR-Geschäftsführerin Ute Hammer. "Es gibt andere, technische Wege, sich dieser Vision zu nähern. Dazu gehört auch eine andere Grundhaltung: Es geht darum, nicht länger hinzunehmen, dass Verkehrstote zum Straßenverkehr eben dazugehören." Die seit Jahren sinkende Zahl spricht auch nicht gegen ein Eintreten für die Nullvision. Die bisherigen Erfolge seien unstrittig, sagt Hammer. "Aber damit kann sich niemand zufrieden geben. Es macht einfach einen Unterschied, ob man sagt, dass man die Zahl der Verkehrstoten senken will oder dass man Verkehrstote komplett vermeiden will."

Deutscher Verkehrssicherheitsrat

Der 1969 gegründete gemeinnützige Verein will Maßnahmen fördern, welche die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer verbessern. Zu den rund 220 Vereinsmitgliedern zählen neben den für Verkehr zuständigen Ministerien auf Bund- und Länderebene auch Automobilclubs, Autohersteller, Versicherer und die Deutsche Verkehrswacht. Seit Oktober 2007 legt der DVR  Vision Zero seiner Verkehrssicherheitsarbeit zugrunde.

Mehr als 90 Prozent aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden haben ihre Ursache in von Menschen verursachten Fehlern. Deshalb – so die Forderung der Vision-Zero -Befürworter – müsse das Verkehrssystem so gestaltet werden, dass Fehler keine tödlichen Folgen mehr haben. Angestrebt wird nicht ein komplett unfallfreier Straßenverkehr. Ebenso wenig entlässt die Nullvision den Auto-, Motorrad- oder Radfahrer und den Fußgänger aus der Verantwortung zu konzentrierter, rücksichtsvoller Teilnahme am Verkehr.

Vision Zero will die Verantwortung für sicheren Verkehr auf mehrere Schultern verteilen, also nicht allein die Verkehrsteilnehmer in die Pflicht nehmen, sondern auch Politik und Autohersteller. Zu den empfohlenen Maßnahmen zählen mehr Tempo-30-Zonen innerorts oder die Entfernung gefährlich nah am Straßenrand stehender Bäume ebenso wie eine Optimierung des Rettungswesens und der Notfallmedizin, Aufklärungskampagnen und eine bessere Mobilitätserziehung insbesondere in Schulen oder ein obligatorisches Gefahrentraining für Fahrschüler. Viele Maßnahmen sind zunächst mit Kosten verbunden – doch auf lange Sicht können sie den volkswirtschaftlichen Schaden enorm senken, meint Ute Hammer.

Leser-Kommentare
  1. Inzwischen ist fast jedes Auto als "lackierter Kampfhund" gestaltet: bissiges "Gesicht" mit böse schauenden Scheinwerfern (ja, schaut euch das mal bewusst an).

    Wichtig fände ich, Autofahren nicht mehr als Kampf um Raum und Status zu betreiben, sondern als entspanntes Miteinander zu fördern.

    Die EU, die so gerne alle möglichen Vorschriften erlässt, um uns im Alltag vor dem bösen Leben zu schützen, könnte hier doch mal sinnvoll eingreifen: "Autos sollten de-eskalierend gestaltet sein!"

    Bei den aktuellen Modellen vermisse ich nur das ausklappbare Maschinengewehr, um den Gegner von der Autobahn zu pusten :-)

  2. 2. Zero !

    TORA TORA TORA !

    So gut funktioniert das Volvo System ( was schon mehrere Jahre in der S-Klasse zu finden ist):

    http://www.youtube.com/wa....

    Für weniger Verkehrstote müsste man keine neue "Technik" erfinden.

    Wenige Maßnahmen würden schon viele Risiken vermindern:

    - LKW-Verkehr auf die Schiene
    - Lizenzentzug und Geldstrafe bei Übertretungen der Lenkzeiten für die Spedition, nicht die Fahrer.

    -Ampeln und Straßenschilder auf ein Minimum verringern. Versuche haben gezeigt das man umsichtiger fährt, wenn die Entscheidung "fahren oder halten" nicht von einem Stück Blech oder eine Lampe diktiert wird. Alle MÜSSEN automatisch aufmerksamer fahren. Zudem ist es Billiger.

    - Eine Einheitliche Regelung über die Benutzung des Seitenstreifens, oder einer "Motorradgasse" bei Staus.

    - Fahrsicherheitstraining als Pflicht für den Führerschein

    - Auffrischung des Kurses "Lebensrettende Sofortmaßnahmen" in jährlichen Intervallen, falls keine "Erste Hilfe" oder weitere medizinische Ausbildung vorhanden ist.

    Eine Leser-Empfehlung
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    ...nämlich bei Ihrem erstgenannten Punkt (notwendige Ergänzung in Großbuchstaben):

    LKW-Verkehr UND PERSONENVERKEHR auf die Schiene

    • Folko
    • 20.07.2010 um 14:17 Uhr

    Das im Text gemeinte System ist das Abbremsen für Fußgänger die plötzlich auftauchen. Ein solches gibt es bis heute nicht für die S-Klasse.
    Und einige Tests haben gezeigt, dass das Fußgängersystem ziemlich gut funktioniert. Und auch 90% wäre besser als ganz ohne, nicht wahr?

    ...nämlich bei Ihrem erstgenannten Punkt (notwendige Ergänzung in Großbuchstaben):

    LKW-Verkehr UND PERSONENVERKEHR auf die Schiene

    • Folko
    • 20.07.2010 um 14:17 Uhr

    Das im Text gemeinte System ist das Abbremsen für Fußgänger die plötzlich auftauchen. Ein solches gibt es bis heute nicht für die S-Klasse.
    Und einige Tests haben gezeigt, dass das Fußgängersystem ziemlich gut funktioniert. Und auch 90% wäre besser als ganz ohne, nicht wahr?

  3. ...nämlich bei Ihrem erstgenannten Punkt (notwendige Ergänzung in Großbuchstaben):

    LKW-Verkehr UND PERSONENVERKEHR auf die Schiene

    Antwort auf "Zero !"
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    • TDU
    • 20.07.2010 um 14:13 Uhr

    Was würde wohl passieren, wenn ein paar Supermärkte wegen umgestürzter Bäume morgens leerer bleiben würden, und das Angebot sich verknappt? Wären Ihnen die sich ergebenden Auseinanderszetzungen egal? Dann hätten wir zwar weniger Tote und Verletze durch den Strassenverkehr, aber die Rate beim Einkauf würde zunehmen.

    Sie sollten also wengsten ein "mehr" hinzusetzen.

    • TDU
    • 20.07.2010 um 14:13 Uhr

    Was würde wohl passieren, wenn ein paar Supermärkte wegen umgestürzter Bäume morgens leerer bleiben würden, und das Angebot sich verknappt? Wären Ihnen die sich ergebenden Auseinanderszetzungen egal? Dann hätten wir zwar weniger Tote und Verletze durch den Strassenverkehr, aber die Rate beim Einkauf würde zunehmen.

    Sie sollten also wengsten ein "mehr" hinzusetzen.

    • TDU
    • 20.07.2010 um 14:04 Uhr

    Nordische Länder haben eine wesentlich geringere Verkehrsdichte.

    Es ist halt zu befrüchten, dass Deutschland bei solchen Aktionen übertreiben wird, sollte es sich so ein Konzept zu eigen machen. Von den Populisten, die sich wieder wahl- und steuerwirksam -und entsprechend Regelungsbedürfnis zunutze machen wollten, ganz zu schweigen.

    Würde man z. B. dem Verbraucherschutz freie Hand geben, gäbe es vermutlich keine Betrüger mehr. Aber auch keinen Handel und damit nichts zu erwirtschaften.

    Also Regeln, Verbesserung der Technik und versuchen, die Einsicht zu fördern, dass Rücksicht letztendlich qualitativ besser ans Ziel bringt.

    Hehre Ziele sollte man im Auge haben. Aber sie planen und durchsetzen zu wollen, unterdrückt. Nach dem Grundsatz: Wer das Paradies auf Erden will, muss erst mal die Hölle bereiten.

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    "Nordische Länder haben eine wesentlich geringere Verkehrsdichte.

    Es ist halt zu befrüchten, dass Deutschland bei solchen Aktionen übertreiben wird, sollte es sich so ein Konzept zu eigen machen."

    Das stimmt im Mittel, allerdings ist die Bevölkerungsdichte (und ich denke mal auch die Anzahl der Verkehrsunfälle) stark im Süden konzentriert (in Norwegen lebt z.B. die Mehrheit der Bevölkerung im oder südlich des Grossraums Oslo).
    Ich denke also schon, dass man Erfahrungen aus den nordischen Ländern nutzen kann (aus den Niederlanden dann ohnehin, da wird die Verkehrsdiche im mittel sogar höher sein als in Deutschland).

    Und zumindest wie ich den Artikel verstehe kommt es den Initiatoren auch erst einmal gar nicht so auf die einzelnen Massnahmen an, sondern auf die Einstellung gegenüber dem Strassenverkehr.
    Da mag z.B. ein Blick auf die Bauindustrie helfen. Dort war es auch lange "normal", dass Menschen bei Bauprojekten ums Leben kamen. Das kommt heute natürlich leider immer noch vor, es wird aber nicht mehr als etwas Selbstverständliches betrachtet.

    "Nordische Länder haben eine wesentlich geringere Verkehrsdichte.

    Es ist halt zu befrüchten, dass Deutschland bei solchen Aktionen übertreiben wird, sollte es sich so ein Konzept zu eigen machen."

    Das stimmt im Mittel, allerdings ist die Bevölkerungsdichte (und ich denke mal auch die Anzahl der Verkehrsunfälle) stark im Süden konzentriert (in Norwegen lebt z.B. die Mehrheit der Bevölkerung im oder südlich des Grossraums Oslo).
    Ich denke also schon, dass man Erfahrungen aus den nordischen Ländern nutzen kann (aus den Niederlanden dann ohnehin, da wird die Verkehrsdiche im mittel sogar höher sein als in Deutschland).

    Und zumindest wie ich den Artikel verstehe kommt es den Initiatoren auch erst einmal gar nicht so auf die einzelnen Massnahmen an, sondern auf die Einstellung gegenüber dem Strassenverkehr.
    Da mag z.B. ein Blick auf die Bauindustrie helfen. Dort war es auch lange "normal", dass Menschen bei Bauprojekten ums Leben kamen. Das kommt heute natürlich leider immer noch vor, es wird aber nicht mehr als etwas Selbstverständliches betrachtet.

  4. Nun sollen also wieder einmal alle schönen Alleen plattgemacht werden, damit auch der letzte besoffene Raser freie Querfeldeinfahrt bis zu den Alpen hat.

    • TDU
    • 20.07.2010 um 14:13 Uhr

    Was würde wohl passieren, wenn ein paar Supermärkte wegen umgestürzter Bäume morgens leerer bleiben würden, und das Angebot sich verknappt? Wären Ihnen die sich ergebenden Auseinanderszetzungen egal? Dann hätten wir zwar weniger Tote und Verletze durch den Strassenverkehr, aber die Rate beim Einkauf würde zunehmen.

    Sie sollten also wengsten ein "mehr" hinzusetzen.

    • Folko
    • 20.07.2010 um 14:17 Uhr

    Das im Text gemeinte System ist das Abbremsen für Fußgänger die plötzlich auftauchen. Ein solches gibt es bis heute nicht für die S-Klasse.
    Und einige Tests haben gezeigt, dass das Fußgängersystem ziemlich gut funktioniert. Und auch 90% wäre besser als ganz ohne, nicht wahr?

    Antwort auf "Zero !"
  5. der aufwand zur erreichung absoluter oder nahezu absoluter
    ziele nähert sich dem unendlichen an.schon heute wuchert die zahl von personen, die im verkehrwesen so überflüssig, wie ein kropf sind. aus den faktischen beschilderungen sprüht die praxisferne und dummheit und nachlässigkeit (baufirmen) der zuständigen stellen. die visionen dieses rates hier, ist es also, das verkehrswesen auf den "dau" (dümmster anzunehmender user)abzustimmen. nur, daß der dau wahrscheinlich noch "dauiger" werden wird, wenn auf den gegenwärtigen dau abgestimmt wurde.
    während also Zuege weiter mit 300 durch das land rauschen,
    wo auch ab und an ein paar angeschiggerte teenies in ihre einzelteile zerbröselt werden, da sollen die motorisierten individual"terroristen" also in kleinen gummizellen mit 30 durch abgeholzte urstromtäler tuckern.
    ich habe den eindruck, diese selbsternannten personen projizieren vor allen dingen, ihre eigene aggressivität auf andere. wer unterbindet die aktivitäten dieses demokratisch nicht legitimierten "rates" ??
    den leuten soll für nutzloses zeug geld aus
    der tasche gezogen werden, damit werden die hersteller geködert. für mich ist das eine kriminelle vereinigung, die da aktiv ist.

    Eine Leser-Empfehlung

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