Neuvorstellung VW bringt neuen Sharan auf den Markt

15 Jahre ist der Sharan mittlerweile alt – Zeit also für den Nachfolger. Der neue Sharan von Volkswagen ist länger, variabler und vor allem: teuer.

Die Konkurrenz von Renault, Peugeot, Chrysler, Ford und Opel konnte sich für längere Zeit ausruhen. Der VW Sharan ist in die Jahre gekommen, die Wettbewerber hatten zunehmend leichtes Spiel. Doch selbst als betagter Senior sind die Verkaufszahlen des Sharan und seines baugleichen Schwestermodells Seat Alhambra nicht ins Bodenlose gefallen. Seit 1995 wurden allein von der VW-Version mehr als 600.000 Fahrzeuge verkauft.

Ab September schreibt Volkswagen ein neues Kapitel des Sharan – und der wird ein ganz anderes Kaliber sein, auch wenn er sich optisch weitgehend treu bleibt. Auf 4,85 Meter Länge deutlich um 22 Zentimeter gewachsen, bietet er üppigen Platz für bis zu sieben Personen, den Komfort eines Passat und erstmals große Schiebetüren. Die Basisversion verfügt über fünf Sitzplätze. Der Kunde kann sich jedoch auch für einen Sechs- oder einen Siebensitzer entscheiden.

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Der Einstieg in den Fond mit drei bequemen Sitzgelegenheiten ist durch die zwei Schiebetüren einfach. Schade nur, dass diese ausschließlich gegen 765 Euro Aufpreis elektrisch zu bedienen sind. Auch die elektrische Heckklappe ist nur gegen Aufpreis zu bekommen. Wer aber häufig mit Familienmitgliedern in der zweiten Reihe oder viel Gepäck unterwegs ist, sollte diese beiden Neuheiten in jedem Fall ordern.

Der Einstieg auf die beiden optionalen Notsitze in der dritten Reihe ist indes deutlich beschwerlicher. Doch da hier sowieso nur Kinder bis zu einer Körpergröße von 1,50 Meter sitzen sollten, können sie die Kletterei durchaus in Kauf nehmen. Wichtig ist, vorher die Kopfstützen weit auszuziehen; sonst drückt es bei der Fahrt unangenehm im Rücken.

Ist die Familie nicht in voller Mannstärke unterwegs, können die Sitze in der zweiten und dritten Reihe mit wenigen Handgriffen einfach im Boden versenkt werden. Der Laderaum von mindestens 300 Litern wächst so auf 885 oder gar 2430 Liter, wenn alle Rücksitze umgelegt sind. Dann können Gegenstände bis zu einer Länge von 2,10 Metern eingeladen werden. Wer den Beifahrersitz umklappt, hat sogar noch mehr Ladelänge.

Hinzu kommen zahlreiche Ablagen. Gegen Aufpreis bekommt der Käufer zudem ein großes Panoramadach und eine getrennte Klimaregelung. Allemal praktisch, aber teuer ist die Einparkautomatik, die den Sharan für über 800 Euro automatisch in jede und aus jeder Parklücke bringt. Die Lenkung ist sehr leichtgängig, Geräuschniveau und Laufruhe sind vorbildlich. Allerdings machen sich Wankbewegungen deutlich bemerkbar – selbst bei den optional erhältlichen elektronischen Dämpfern, die sich sportlich oder komfortabel einstellen lassen. Der Unterschied zwischen beiden Modi ist jedoch deutlich zu gering.

Technisch hat sich der Sharan, der im portugiesischen VW-Werk in Palmela produziert wird, auf aktuelles VW-Niveau hochgearbeitet. "Unser Basismodell 1.4 TSI ist um 30 Kilogramm leichter als sein Vorgänger", erläutert Projektleiter Hans-Joachim Bohn. "Die Motoren sind im Durchschnitt 21 Prozent sparsamer geworden." Volkswagen bietet den Sharan zunächst mit zwei Diesel- und zwei Benzinvarianten an, jeweils mit Turboaufladung und Direkteinspritzung. Alle Motoren können mit einem Doppelkupplungsgetriebe kombiniert werden.

Der kleine 1,4-Liter-Motor bietet zwar laut Herstellerangaben eine Höchstgeschwindigkeit von 197 km/h und schafft es in 10,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Doch eine Idealbesetzung ist der Motor im 4,85 Meter langen Sharan nicht. Mit 110 kW (150 PS) und einem maximalen Drehmoment von 240 Nm zwischen 1750 und 4000 Nm muss der Fahrer mächtig schalten, um flott unterwegs zu sein. Sonst kommt der Vierzylinder einfach an seine Grenzen und wird laut. Er ist deshalb nur Fahrern zu empfehlen, die mit wenig zufrieden sind und denen der Verbrauch von 7,2 Litern Super auf 100 Kilometern über alles geht.

Der Top-Benziner leistet mit seinem Zweiliter-Turbo sportliche 147 kW (200 PS). Alle Versionen bis 170 PS sind mit einer Start-Stopp-Automatik ausgestattet. Deutlich souveräner ist man gerade im beladenen Zustand aber mit den beiden Dieselversionen unterwegs. Hier darf es statt des normalen 2.0 TDI mit 140 PS gerne die größere Variante mit 125 kW (170 PS) und 350 Nm sein. Der schafft 207 km/h Spitze und verbraucht im Durchschnitt sparsame 5,7 Liter Diesel auf 100 Kilometern.

Ein Schnäppchen ist der VW Sharan nicht. Der wenig aussagekräftige Basispreis von knapp unter 29.000 Euro deutet bereits darauf hin, dass unter 35.000 Euro real wenig zu machen ist. Wer sich für den kräftigen Diesel mit einigen Details wie elektrische Schiebetüren und Heckklappe, Einparkhilfe vorne und hinten, Xenonlicht, abblendbare Spiegel, Sitzheizung, Klimaautomatik und Navigationssystem entscheidet, braucht erst gar nicht auf einen Preis unter 40.000 Euro zu hoffen.

Marktstart ist am 7. September. Im kommenden Frühjahr legt Volkswagen nach: Dann sollen zumindest die Dieselversionen optional auch mit Allradantrieb zu bekommen sein.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 05.07.2010 um 18:43 Uhr

    35.000 Euro, das sind (bei solchen Fällen rechne ich immer noch gerne um) rund 68500 Mark. Mehr als ein Jahresgehalt. Welche Familie, die so ein Auto füllen könnte, kann sich so ein Auto leisten?

    PS: Für 35.000 Euro habe ich letztens ein Angebot für ein Haus bei uns in der Gegend gesehen. Gut, ist wahrscheinlich eher von der Kategorie "Traum für Handwerker", und man ist damit auch nicht so schnell von null auf hundert, aber mehr Platz als in einem Sharan hat man darin auf jeden Fall.

    Eine Leser-Empfehlung
  1. Der neue Sharan mag technisch ja gut sein, aber eins ist er ganz sicher nicht mehr: Ein Volkswagen! Zumindest nicht zu diesem Preis.

  2. wobei der Sharan mit Features augestattet ist (Schiebetüren), die es bei der Konkurrenz schon seit ewigen Jahren gibt.

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