Wohnmobile Urlaubsfreiheit auf vier Rädern
Wohnwagen und -mobil sind bei Urlaubern seit Langem beliebt. Andere finden das Campen im Caravan spießig. Doch die Ökobilanz kann sich sehen lassen.
Sie heißen "Comtesse", "Kurfürst" oder "Diplomat": Die Namen der Wohnanhänger, mit denen Deutschlands Camping-Pioniere in den fünfziger Jahren über die Alpen ziehen, sind weitaus imposanter als die schlicht möblierten Mobilquartiere selbst. Viel Gewicht dürfen die Anhänger auch nicht auf die Waage bringen, denn sie müssen von einem Auto mit sehr begrenzter Leistung gezogen werden. Doch die Deutschen sind zunehmend begeistert von der Unterkunft auf Rädern. Sie macht den Urlaubstraum erschwinglich, zumal Campingküche und Konservenproviant die Verpflegungskosten minimieren.
Ein halbes Jahrhundert später ist die Freude der Deutschen an Caravans und Reisemobilen ungebrochen. Mag der Urlaub auf dem Campingplatz, mit Skatabenden im Vorzelt und Kaffeeseligkeit am Klapptischchen für die einen auch Inbegriff der Spießeridylle sein, für eine riesige Fangemeinde ist Camping nicht nur eine günstige Alternative zu den Pauschalarrangements der Reiseveranstalter, sondern die Idealform des Reisens schlechthin. Ob Steinhuder Meer oder Costa Brava – man stellt den Wagen ab, wo es einem gefällt. Und wenn die Platznachbarn nerven oder der Himmel tagelang voll grauer Wolken hängt, zieht man einfach weiter.
Zwischen den spartanisch ausgestatteten Campingkugeln der frühen Jahre und dem Komfort, den Wohnwagen und Wohnmobile heute bieten, liegen indes Welten. Mit geschickter Grundrissplanung und ausgeklügeltem Einbaumobiliar werden über Rädern und Achsen komplette Behausungen gebaut, mit Wohn- und Schlafraum sowie Küche und Bad. In den 1970er Jahren ließen zudem immer mehr Hersteller den Wohnanhänger mit dem Zugfahrzeug zur neuen Form des Reisemobils verschmelzen. Dabei werden die Aufbauten mit dem wohnlichen Interieur auf die Chassis gängiger Transportermodelle gesetzt. 1980 waren bundesweit gerade einmal 58.000 Wohnmobile registriert, inzwischen ist ihre Zahl auf weit über 300.000 angestiegen. Die Zahl der Wohnanhänger hat sich laut Kraftfahrtbundesamt seit Jahren bei rund 600.000 eingependelt. Dabei tauchen die Wohnfahrzeuge der Dauercamper, die in der Regel keine Zulassung haben, in der Statistik gar nicht auf.
Wo Innenarchitekten nicht auf den Euro schauen müssen, können es die rollenden Ferienquartiere in Sachen Eleganz und Komfort durchaus mit ihren auf festem Fundament verankerten Pendants aufnehmen. Edle Materialien für Möbel, raffinierte Lösungen für Küche und Bad, clevere Beleuchtung und üppige Unterhaltungselektronik setzen – das zeigen die einschlägigen Messen Jahr für Jahr – ständig neue Maßstäbe. Das Luxussegment beginnt jenseits der 100.000-Euro-Marke. Die Preisskala ist allerdings nach oben offen, ein Teil der Kundschaft gibt auch das Vier-, Fünf- oder Sechsfache dieser Summe aus.
Der niedersächsische Hersteller Vario Mobil hat im Krisenjahr 2009 das bis dahin teuerste Wohnmobil seiner Unternehmensgeschichte verkauft: einen zwölf Meter langen Dreiachser mit 420-PS-Motor und automatischem Zwölfganggetriebe. Mehr als eine Million Euro kostete das Vehikel. Für diese stolze Summe bringt es aber ein Schlafzimmer mit Kingsize-Doppelbett, eine komplette Einbauküche und ein Wellness-Badezimmer mit Platinarmaturen mit. Am Ziel wächst das mobile Heim sogar über seine Reisemaße hinaus, denn drei ausfahrbare Erker sorgen für noch mehr Raum, ob in der Polsterecke oder im Bett. Weil man mit einem solchen 25-Tonner schwerlich Panoramatouren auf kurvigen Küstenstraßen unternehmen kann und auch beim Brötchenholen im nächsten Dorf auf enorme Parkprobleme stößt, bietet ein Wohnmobil der Luxusklasse durchaus auch ein Zweitfahrzeug an: Oft gehen Autos von Mini- oder Smartgröße an Bord.
Verglichen mit anderen Formen des Urlaubs haben Ferien im Reisemobil eine ganz passable Ökobilanz. Berechnet man den Aufwand, der für Übernachtung und Verpflegung betrieben wird, so fallen beim Urlaub mit Wohnwagen oder Wohnmobil die mit Abstand geringsten Treibhausgasemissionen an. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Studie, die das Öko-Institut 2008 im Auftrag des Caravaning-Industrieverbandes durchgeführt hat. Auf dem Campingplatz liegt die errechnete Emissionslast pro Person und Nacht bei fünf Kilogramm Kohlendioxid. Das ist deutlich weniger als beim Sommerurlaub im Hotel: Dort werden im europäischen Durchschnitt nämlich zwölf Kilogramm CO2 pro Gast und Nacht produziert.
Auch als Transportmittel stehen heutige Wohnmobile nicht schlecht da. Sind zwei Passagiere mit einem solchen mobilen Minihotel unterwegs, liegt das CO2-Aufkommen pro Passagier und Kilometer im Durchschnitt bei 149 Gramm. Gehen vier Personen gemeinsam auf Fahrt, reduziert sich der Wert auf 74 Gramm und liegt damit noch unter dem Wert der Eisenbahn, für die laut Studie 80 Gramm pro Personenkilometer zu veranschlagen sind.
Ältere Fahrzeuge mit ungefiltertem Dieselruß machen dagegen eine weniger gute Figur. Vielerorts werden ihnen deshalb Umweltzonen-Richtlinien zur Hürde. Für etliche Modelle gibt es laut Caravaning-Industrie-Verband CIVD aber Nachrüstfilter, die ein Fahrzeug mit Euro-I-Status (keine Plakette) auf Euro-IV-Standard (grüne Plakette) bringen.
- Datum 30.07.2010 - 06:54 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 11
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und wer berücksichtigt in der vom "Caravaningverband" (HAHA) in Auftrag gegebenen Studie, die hier verdächtig unreflektiert zitiert wird, dass irgendjemand verdammt viel CO2 in die Luft blasen muss, nur damit so ein Ding produziert wird???
Qghettostreet, wenn Sie Produktion mit berücksichtigen, gilt das allerdings für all Ihre Gegenstände zuhause. Auch Ihr Fahrrad und Musikanlage etc. müssen produziert werden. Also bitte nicht übertreiben.
... interessant finde ich die Assage, man finde das "spießig". Dazu nur: was nicht alles von was für Leuten.... als "spießig" bezeichnet wird, die selbst von dem verhassten Feindbild des Spießers alles andere, ausser weit entfernt sind...
..richtig. Nicht nur, dass der Begriff "spießig" oftmals von den allergrößten Spießern benutzt wird, - nein - , höre ich da nicht auch oftmals ein wenig Neid heraus!Alles, was produziert wird, erzeugt Abfall, auch Fahrräder und Kinderwagen, oder? Ich fahre Fahrrad, ich liebe Kinder, so daß mir hier keine falsche Einstufung passiert...! Ich fahre allerdings auch WoMo.
..richtig. Nicht nur, dass der Begriff "spießig" oftmals von den allergrößten Spießern benutzt wird, - nein - , höre ich da nicht auch oftmals ein wenig Neid heraus!Alles, was produziert wird, erzeugt Abfall, auch Fahrräder und Kinderwagen, oder? Ich fahre Fahrrad, ich liebe Kinder, so daß mir hier keine falsche Einstufung passiert...! Ich fahre allerdings auch WoMo.
..richtig. Nicht nur, dass der Begriff "spießig" oftmals von den allergrößten Spießern benutzt wird, - nein - , höre ich da nicht auch oftmals ein wenig Neid heraus!Alles, was produziert wird, erzeugt Abfall, auch Fahrräder und Kinderwagen, oder? Ich fahre Fahrrad, ich liebe Kinder, so daß mir hier keine falsche Einstufung passiert...! Ich fahre allerdings auch WoMo.
... richtig, er nennt andere spießig
sind auch Müllverursacher, wenn man schon andere Möglichkeiten hat, sich fortzubewegen und Musik zu hören.) Ich gehe nämlich davon aus, dass man das Wohnmobil nicht für den täglichen Weg in die Arbeit benutzt, sondern dass es eine reine Urlaubsanschaffung ist. Sprich, es ist zur CO2-Bilanz des Urlaubs aufgeteilt auf die Zahl der Urlaube die mit dem Mobil durchgeführt werden, hinzuzuzählen. Und das wird hier bewusst verschwiegen, darum gehts.
Der Text ist exakt der selbe wie beim Stern: http://www.stern.de/auto/... und natürlich nicht von Von Susanne Kilimann oder der Zeit sondern von press inform. (Darauf deutet auch das Copyrightdes Fotos hin)
Also mit anderen Worten bezahlte PR des Interessenverbandes der Wohnmobilhersteller. Eigentlich sollte da "Anzeige"drüber stehen, tut es aber nicht. Warum?!
Mich würde ein investigativer Artikel interessieren wie das wirklich funktioniert mit den PR Artikeln à la press inform: Gibt es die "nur" kostenlos oder wird man auch bezahlt wenn man die abdruckt?
Bekommt man dafür mehr als für eine Anzeige oder weniger? Oder spart man sich nur die Kosten einen Artikel selber zu schreiben weil es den Artikel kostenlos gibt?
Kann mir jemand erklären, wie das Ökoinstitut darauf kommt, dass Wohnmobile besser als Zelte abschneiden?
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