Elektromobilität Die emissionsfreien Erben des Jules Verne

In 80 Tagen um die Welt – ohne das Klima zu schädigen: Das ungewöhnliche Fahrzeugrennen "Zero Race" will Werbung für alternative Antriebe machen.

Die Autos und Roller stehen etwas abseits des Bundeskanzleramts. Nicht gerade die meistbesuchte und damit optimale Stelle in Berlin, um für sich und die 30.000-Kilometer-Tour ihrer Fahrer zu werben. Aber für Louis Palmer, den Organisator des "Zero Race" , ist der Platz perfekt: die wenig befahrene Straße vor der Schweizer Botschaft. Denn Palmer ist Schweizer – und kein ganz Unbekannter. 2008 machte er Schlagzeilen, als er in 18 Monaten die Welt in einem Solarmobil umrundete.

Nun lässt er vier Teams das Gleiche tun, allerdings in deutlich kürzerer Zeit: Nach dem Vorbild von Jules Verne geht es in 80 Tourtagen um die Welt. Start und Ziel ist Genf – die Tour startete vor gut einer Woche, am 16. August, am Sitz der Vereinten Nationen. Dort sollen die Teilnehmer Ende Januar 2011 wieder ankommen. Dazwischen liegen, ostwärts fahrend, 16 Länder und 150 Etappenstopps auf drei Kontinenten: Europa, Asien und Nordamerika. Es geht unter anderem durch Russland, Kasachstan, China und die USA. Wichtigstes Etappenziel ist Ende November Cancún in Mexiko, wo just zu jenem Zeitpunkt die UN-Klimaschutzkonferenz stattfindet.

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Am Mittwoch hat die Tour in Berlin Station gemacht. "Es geht darum, weltweit ein Bewusstsein für nachhaltigen Energieverbrauch und umweltverträgliche Fortbewegung zu schaffen", sagt Palmer. "Wir zeigen den Menschen, dass man mit diesen Fahrzeugen um die Welt fahren kann – also taugen sie erst recht für alltägliche Fahrten, etwa zum Einkaufen." Zu den Wagen haben sich weitere Elektrofahrzeuge gesellt, um für das Fahren mit Stromern Werbung zu machen. Abgesehen von Medienvertretern verirren sich aber relativ wenige Besucher vor die Schweizer Botschaft. Ein paar ausländischen Touristen sind die Fahrzeuge offensichtlich aufgefallen, sie kommen vom nahen Kanzleramt herbeigelaufen.

Ihr Hauptaugenmerk ist auf die vier Fahrzeuge gerichtet, die noch eine gewaltige Strecke vor sich haben: den Elektroroller des deutschen Teams Vectrix , das ungewöhnliche überdachte Zweirad "Zerotracer" des schweizerischen Oerlikon Solar Racing Team, den zigarrenförmigen grünen Zweisitzer Trev des gleichnamigen Teams aus Australien sowie den Yebbujana aus Südkorea . Der sieht ein wenig aus wie eine Kreuzung aus einem Mini-Cooper und einem Golfcaddy. Ein Blick in den Yebbujana zeigt: Das Gefährt ist speziell für das "Zero Race" gebaut. Im Kofferraum sieht man die montierten Akkus liegen, im Cockpit des Zweisitzers ist viel Technik mit Digitalanzeigegeräten verbaut.

Doch nicht jedes Fahrzeug ist ein völliges Unikat. Sandra Lust und Sven Lehmann vom Berliner Team Vectrix fahren auf einem Elektroroller, den es auch serienmäßig zu kaufen gibt – wenn auch nicht in der Version, wie er nun vor der Schweizer Botschaft steht. "Wir haben das Serienfahrzeug aufgerüstet", sagt Lehmann. Der Roller erhielt eine zusätzliche Batterie, um die reguläre Reichweite einer Akkuladung von etwa 120 Kilometer auf rund 300 Kilometer zu erhöhen – eine Reichweite von mindestens 250 Kilometern war eine Bedingung für die Teilnahme an der "Zero Race".

Keine Bedingung waren dagegen Solarzellen auf dem Fahrzeugdach. Das hält Tourchef Palmer auch nicht für sinnvoll, "die gehören aufs Hausdach". Doch woher kommt dann der saubere Strom, damit die Rallye ihrem Namen gerecht wird und wirklich null Emissionen erzeugt? "Ganz einfach", erklärt Palmer, "die Strommenge, die die Teams auf der gesamten Strecke verbrauchen, mussten sie zuvor in ihrem Heimatland aus regenerativen Energiequellen ins dortige Netz speisen lassen." Dann sei die Klimabilanz wieder ausgeglichen. "Das ist wie am Geldautomaten: Da bekommen Sie auch Ihr Geld von Ihrem Konto, aber es sind in aller Regel natürlich nicht dieselben Geldscheine, die Sie eingezahlt haben."

Leser-Kommentare
  1. Die können dann Laufen oder Rad fahren.

    • otto_B
    • 25.08.2010 um 21:08 Uhr

    Welchen Sinn hat das Verheiraten von zwei verschiedenen Themen:
    1. die Benutzung von Akkumulatoren als Energiequelle für Straßenfahrzeuge, und
    2. die Behauptung, nur bestimmte "Arten" von Strom zur Akkuaufladung zu benutzen.
    Jedes für sich genommen ist ein reichlich komplexes Thema.

    Früher redete man mal von einem Strom-Mix, aber heute ist es üblich, Ablaßbriefe für's gute Gewissen mit dazuzuverkaufen (oder auch nicht...).

    Natürlich ist es richtig und notwendig, sich über die zur Verfügung stehenden Arten der Stromerzeugung Gedanken zu machen, und auch über die Zukunft der Mobilität bei knapper und teurer werdendem Öl.

    Aber die Art und Weise dieser Propaganda lenkt vom Kern des Problemes ab: Selbverständlich ist es komplizierter, Wind und Sonne einzusammeln als Löcher in die Erde zu bohren.
    Und dann rechne man mal z.B. 50 Liter Benzin in Kilowattstunden um, und zeige mir den dazugehörigen Akku.

    Bis vor 20 Jahren erzählte man uns was von der "lichten Zukunft des Kommunismus". das mit der solaren Energiezukunft klingt irgendwie ähnlich.

  2. was fuer ein unvereinigbares Paar.
    Kommunismus und Solarstrom kann man aber ohne bedenken gemeinsam vermitteln

  3. Emissionfreiesfahren mit Elektrofahrzeugen die mit Akkus betrieben werden. Aha.

    Akkumulatoren haben eine erstaunlich begrenzte Lebensdauer. Jeder der einen Laptop besitzt wird das nach spätestens 2 Jahren gemerkt haben. Moderne hochleistungs Li-Ion Akkus schaffen mit viel Glück etwa 2000 Voll-Ladezyklen
    Danach ist Schluss und man muss wieder eine neue Li-Ion Batterie herstellen. Dazu wird neues Lithium aus der Erde gegraben, neue Elektrolyte hergestellt, ein neues Gehäuse gebaut und alles einmal quer um den Globus geschickt. Sozusagen der Tour hinterher. Umweltfreundlich ist das nicht grade.

    Wer will kann sich mal den Energieinhalt einer Batterie und die Leistung der Motoren ausrechen und schauen wie weit man mit einem Batterieset kommt.

  4. ... aber verstanden habe ich es nicht: Die Natur hat in 3,5 Gigajahren nur einmal die Energiespeicherung erfunden, über die Photosynthese als Kohlenwasserstoff ( Kohlehydrate, Fette, Schmerbauch ). Es wäre doch viel "einfacher" gewesen, bei so langer Zeit zum Erfinden, das Photon des Sonnenlichtes direkt als elektrische Energie zu speichern?
    Aber es gibt nur die (Ionen-)elektrische Informationsübertragung, es gibt kein elektrisch angetriebenes Lebewesen. In 0,1 kg Benzin steckt so viel Energie wie in 1 kg Akkumulatoren, gibt uns das nicht zu denken?
    Kein Problem, wir machen Leichtbau, um das Gewicht der Akkus ...
    Was würde aber ein solches Leichtbaufahrzeug mit einem angepassten Verbrennungsmotor an Benzin/Diesel verbrauchen?
    Leichtbau ist prima ... wir nehmen CFK - und dann? Bei den heutigen Modellzyklen verschrottet man nicht so einfach ein CFK-Chassis, da wird noch eine ganz andere Autokultur auf uns zukommen!
    Und wo bleiben eigentlich die lobenden Berichte darüber, mit Hilfe von Algen, Wasser, CO2 aus den Kraftwerken und Sonnenlicht wieder Kohlenwasserstoffe herzustellen?
    Abgeshen davon, ob nicht jemand daran forscht, den Wirkungsgrad der alten Photosynthese von den mageren 3% auf heute akzeptable Größe zu steigern?
    Ach ja, ehe ich vergesse: Mit diesem Wirkungsgrad von 3% und vielen Jahrmillionen unermüdlichem Wachstum von Algen sind unsere heute ausgebeuteten Rohöle und Erdgase entstanden! Und in einem Tausendstel Promill der Zeit verbrauchen wir ...

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    Das Hauptproblem dürfte doch sein, dass wir Energie nicht quasi aus dem Nichts erschaffen können. Pepetuum Mobile ist da das Gespinst der Physik.

    Ich kann eine Brennstoffzelle benutzen und Wasserstoff in Energie umwandeln, aber um aus dem daraus resultierenden Wasser wieder Wasserstoff zu gewinnen, muss ich in den Prozess Energie reinstecken, die irgendwo her kommen muss. Ich kann Benzin verbrennen um damit Energie zu gewinnen. Aber irgendwann ist das Benzin weg. Das mit den Algen ist ein interessanter Faktor, aber auch da muss ich Energie in den Prozess reinstecken. Nämlich über die Sonne. Genau wie bei Solarzellen.

    Die Sonne ist wie die Gravitation eine Energiequelle, die wir ruhigen Gewissens anzapfen können. In Zeiten knapper werdenden Ölreserven mag das arrogant klingen, aber wenn die Sonne erlöscht und uns als Energiequelle nicht mehr zur Verfügung steht, werden wir nicht mehr da sein. Unsere Kinder müssen sich mit diesem Problem einmal herumschlagen... ;)

    Nein, ich denke, was auch immer wir als Energie-Transfermittel in Zukunft verwenden: Wichtig ist der möglichst hohe Wirkungsgrad. Sowohl bei der Energieerzeugung als auch bei der Energierückgewinnung.

    Das Hauptproblem dürfte doch sein, dass wir Energie nicht quasi aus dem Nichts erschaffen können. Pepetuum Mobile ist da das Gespinst der Physik.

    Ich kann eine Brennstoffzelle benutzen und Wasserstoff in Energie umwandeln, aber um aus dem daraus resultierenden Wasser wieder Wasserstoff zu gewinnen, muss ich in den Prozess Energie reinstecken, die irgendwo her kommen muss. Ich kann Benzin verbrennen um damit Energie zu gewinnen. Aber irgendwann ist das Benzin weg. Das mit den Algen ist ein interessanter Faktor, aber auch da muss ich Energie in den Prozess reinstecken. Nämlich über die Sonne. Genau wie bei Solarzellen.

    Die Sonne ist wie die Gravitation eine Energiequelle, die wir ruhigen Gewissens anzapfen können. In Zeiten knapper werdenden Ölreserven mag das arrogant klingen, aber wenn die Sonne erlöscht und uns als Energiequelle nicht mehr zur Verfügung steht, werden wir nicht mehr da sein. Unsere Kinder müssen sich mit diesem Problem einmal herumschlagen... ;)

    Nein, ich denke, was auch immer wir als Energie-Transfermittel in Zukunft verwenden: Wichtig ist der möglichst hohe Wirkungsgrad. Sowohl bei der Energieerzeugung als auch bei der Energierückgewinnung.

  5. Das Hauptproblem dürfte doch sein, dass wir Energie nicht quasi aus dem Nichts erschaffen können. Pepetuum Mobile ist da das Gespinst der Physik.

    Ich kann eine Brennstoffzelle benutzen und Wasserstoff in Energie umwandeln, aber um aus dem daraus resultierenden Wasser wieder Wasserstoff zu gewinnen, muss ich in den Prozess Energie reinstecken, die irgendwo her kommen muss. Ich kann Benzin verbrennen um damit Energie zu gewinnen. Aber irgendwann ist das Benzin weg. Das mit den Algen ist ein interessanter Faktor, aber auch da muss ich Energie in den Prozess reinstecken. Nämlich über die Sonne. Genau wie bei Solarzellen.

    Die Sonne ist wie die Gravitation eine Energiequelle, die wir ruhigen Gewissens anzapfen können. In Zeiten knapper werdenden Ölreserven mag das arrogant klingen, aber wenn die Sonne erlöscht und uns als Energiequelle nicht mehr zur Verfügung steht, werden wir nicht mehr da sein. Unsere Kinder müssen sich mit diesem Problem einmal herumschlagen... ;)

    Nein, ich denke, was auch immer wir als Energie-Transfermittel in Zukunft verwenden: Wichtig ist der möglichst hohe Wirkungsgrad. Sowohl bei der Energieerzeugung als auch bei der Energierückgewinnung.

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