Das schlimmste Hochwasser in Ostdeutschland seit 2002 zieht sich langsam zurück – und gibt die Schäden preis, die die Flutwelle auf ihrem Weg entlang der Neiße angerichtet hat. In Sachsen beginnt in den Flutgebieten die Schadensbegutachtung. Die Wassermassen hatten den Flusspegel teils um mehr als fünf Meter in die Höhe getrieben. Wer seinen Wagen in ufernahen Straßen geparkt hatte, dürfte von ihm mancherorts nicht viel mehr als das Dach gesehen haben.

Damit ist der Totalschaden des Wagens wohl besiegelt. Doch wer kommt dafür auf? Glück im Unglück hat, wer wenigstens eine Teilkaskoversicherung abgeschlossen hat. Hochwasserschäden am Auto werden grundsätzlich durch eine Kasko-Police abgedeckt, wie Jochen Oesterle vom Automobilclub ADAC erläutert. Wer dagegen nur die Kfz-Haftpflicht besitzt, bleibt komplett auf dem Schaden sitzen.

Allerdings könnten auch Kaskoversicherer versuchen, die Schadensregulierung in vollem Umfang zu verweigern, sagt Hajo Köster vom Bund der Versicherten (BdV). "Der Versicherer könnte dem Versicherten grobe Fahrlässigkeit vorwerfen, denn er hätte das Fahrzeug rechtzeitig umparken können", sagt Köster. Diese Möglichkeit hat die Versicherung allerdings nur, solange nicht in der Police der Vorwurf der groben Fahrlässigkeit ausgeschlossen wurde. Deshalb sollten Betroffene ihren gewählten Tarif auf diese Klausel prüfen.

Fehlt diese Klausel, sollte der Versicherte gegenüber der Gesellschaft geltend machen, dass er angesichts der Blitzflut zuvörderst Leib und Leben retten und wichtige Dokumente sichern wollte – also blieb keine Zeit mehr, das geparkte Auto aus dem Überschwemmungsgebiet zu fahren. Doch auch bei grober Fahrlässigkeit darf die Versicherung die Schadensregulierung nicht komplett ablehnen. Seit 1. Januar 2008 ist das "Alles-oder-Nichts-Prinzip" abgeschafft: Nun hängt die Leistung der Versicherungsgesellschaft davon ab, wie schwer das Verschulden des Versicherten ist. Es gilt dann eine Quotenregelung.

Tritt die Kaskoversicherung ein, zahlt sie – wenn es sich noch lohnt – eine Reparatur des Wagens. Andernfalls erstattet sie dessen Zeitwert, sofern nicht in der Versicherungspolice bessere Konditionen vereinbart sind. Beim Zeitwert ist unter anderem die Laufleistung des Autos maßgeblich. Köster weist darauf hin, dass genaue Angaben erforderlich sind: Wer falsche Kilometerangaben macht, riskiert den kompletten Versicherungsschutz. Ist man sich nicht ganz sicher, sollte man das der Versicherung gegenüber auch so mitteilen.

Fällig ist bei der Regulierung des Schadens auf jeden Fall die Selbstbeteiligung, die bei mindestens 150 Euro liegt. Mehr hat der Besitzer aber nicht zu befürchten: Die Teilkaskoversicherung enthält ohnehin keine Schadensfreiheitsrabatte, die bei einer Schadensmeldung schrumpfen könnten. Doch auch allen, die eine Vollkasko-Police für ihr Auto abgeschlossen haben, droht in solchen Fällen keine Höherstufung. Auch für diese Versicherten regelt die Teilkasko – gewissermaßen als Teil ihrer Vollkasko – den Schaden und hat keine Auswirkung auf Rabatte.

Auf Schäden an losen Gegenständen – am Koffer im Kofferraum oder an CDs und dem MP3-Player im Wageninnern – bleibt der Geschädigte indes sitzen, die Teilkasko ersetzt diese Dinge nicht. "Die Grundregel lautet: Wenn Sie das Auto auf den Kopf stellen und schütteln, ist alles versichert, was nicht rausfällt", sagt Köster. Dies gilt insbesondere für serienmäßig eingebautes Zubehör, etwa in der Armatur. Ob das nachträglich installierte externe Navigationsgerät oder eine eingebaute Stereoanlage ersetzt wird, dürfte zumindest strittig sein.

Anders sieht die Sache aus, wenn der Wasserschaden am fahrenden Auto entstanden ist – weil der Fahrer in eine überflutete Straße fuhr und Wasser in den Motor geriet. Dies ist in aller Regel kein Fall für die Teilkaskoversicherung, denn der Schaden entstand nicht unmittelbar durch die Überschwemmung, erklärt ADAC-Fachmann Oesterle. Eine Vollkasko-Police dagegen deckt einen solchen Schaden im Allgemeinen ab, allerdings könnte der Versicherer mit Hinweis auf grobe Fahrlässigkeit den Schadensersatz auf einen Anteil beschränken, wenn der Fahrer die Überflutung erkennen konnte und trotzdem weiterfuhr.

Betroffene Autobesitzer sollten den Hochwasserschaden ihrer Versicherung so schnell wie möglich melden, rät Oesterle. Hilfreich sei es, Fotos zu machen und sich Adressen und Telefonnummern möglicher Zeugen zu notieren. "Geben Sie aber ohne vorige Absprache mit der Versicherung kein Gutachten in Auftrag, sonst bleiben Sie womöglich am Ende auf den Kosten sitzen", warnt Oesterle. Ebenso wenig sollte man sofort den Wagen reparieren bzw. verschrotten lassen. Der Versicherer schaltet in der Regel einen Sachverständigen ein, der den Schaden bewertet.