Manchmal war das Kartenmaterial sperrig, und erst nach einem längeren Kampf mit dem Papierungetüm gelang dem Autofahrer die Orientierung. Dennoch: Ohne aufgeschlagene Karte auf dem Beifahrersitz, unterstützt von zusätzlichen, meist handschriftlichen Notizen zur korrekten Fahrstrecke, wagte sich kaum ein Reisender in eine fremde Stadt. Dann wünschte sich wohl so mancher Hilfe à la James Bond: In Goldfinger stattet Entwicklungschef Q den Aston Martin des Geheimagenten mit einem Ortungssystem aus, das mittels eines Bildschirms an der Konsole die Position auf einer Karte abbildete.

Der Traum vieler Autofahrer ist inzwischen seit einigen Jahren Wirklichkeit. Heutzutage übernehmen kleine elektronische Helfer im Armaturenbrett und an der Windschutzscheibe die mühevolle Arbeit der Orientierung. Der Beifahrersitz ist wieder freigeräumt, die Vielzahl an Straßenkarten und Stadtplänen ist aus den Fächern in der Fahrertür und aus dem Handschuhfach verschwunden. Auch was dem Bond-System noch fehlte – die Routenberechnung – ist heute längst Standard.

Zu verdanken sind die Navigationssysteme zunächst der amerikanischen Regierung: Sie öffnete ihr Global Positioning System zivilen Nutzern. GPS, ab den 1970er Jahren vom US-Militär entwickelt, war ursprünglich zur Positionsbestimmung und Navigation im militärischen Bereich vorgesehen. Dafür müssen sich stets vier Satelliten über dem Horizont befinden, damit ein entsprechender Empfänger aus den Signalen eine präzise Position errechnen kann. Damit dies rund um die Uhr an jedem Ort der Erde möglich ist, müssen mindestens 24 solcher Satelliten auf genau definierten Bahnpositionen permanent um die Erde kreisen. Dies war Mitte der neunziger Jahre erreicht, und am 17. Juli 1995 wurde GPS offiziell in Betrieb genommen.

Doch schon Jahre zuvor gab das Unglück eines Korean-Airlines-Fluges den Anstoß, die neue Technik auch zivil zu nutzen. Am 1. September 1983 wurde die koreanische Passagiermaschine auf dem Flug von Anchorage (Alaska) nach Seoul wegen der Verletzung des Luftraumes von der sowjetischen Luftwaffe abgeschossen, alle 269 Passagiere kamen ums Leben. Die Piloten hatten sich in dunkler Nacht einfach verflogen. Dieser Vorfall machte nochmals deutlich, wie wichtig eine präzise, wetterunabhängige Ortsbestimmung für die Luftfahrt ist. Schon zwei Wochen danach kündigte der damalige US-Präsident Ronald Reagan an, man werde das neue satellitengestützte Positionssystem für den zivilen Gebrauch freigeben.

Mit dem GPS waren jetzt Ortsbestimmungen auf 100 Meter genau möglich, das System fand zuerst in der Luftfahrt und im internationalen Schiffsverkehr Verwendung. Doch erst im Mai 2000 wurde die künstliche Signalverschlechterung für zivile Zwecke von der US-Regierung abgeschaltet. Daraufhin verbesserte sich die Genauigkeit der Positionsbestimmung auf unter zehn Meter. GPS wurde damit straßentauglich, und seiner massenhaften Verbreitung stand nichts mehr im Wege.

Dabei wurde durchaus schon vorher mit verschiedenen Systemen experimentiert. 1981 brachte Honda den Electro Gyrocator auf den Markt, der schon in die richtige Richtung wies. Aus den Daten eines Drehwinkel- und eines Wegstreckensensors berechnete das System eine Fahrtstrecke, die als Linie auf dem Monitor angezeigt wurde. Der Fahrer musste dann eine transparente Karte vor den Monitor spannen und die angezeigte Linie mit der dazu passenden Straße zur Deckung bringen – eine mühsame Angelegenheit und kein wirklicher Fortschritt.