Autotechnik Kraftstoff sparen mit dem Luftdruck-Hybrid

Autobauer zeigen großes Interesse am ungewöhnlichen Motorkonzept der US-Schmiede Scuderi. Ihr Triebwerk soll bis zu 50 Prozent effizienter sein als traditionelle Motoren.

Der Split-Cycle-Motor von Scuderi

Der Split-Cycle-Motor von Scuderi

Seitdem Elektroantriebe in aller Munde sind, ist auch bei traditionellen Motorenherstellern der Kampfgeist neu erwacht – viele wollen den Stromern nicht das Feld überlassen. So tüftelt die Scuderi Group, ein US-Unternehmen mit Hauptsitz in West Springfield (Massachusetts), seit Jahren an einem Verbrennungsmotor herum, der sparsamer und leistungsstärker ist als jeder andere auf dem Markt. Entwickelt wird der sogenannte Split-Cycle-Motor, der die Triebwerke von morgen revolutionieren könnte: Auf kürzeren Strecken soll er sogar ohne Treibstoff funktionieren und den Wagen mit reiner Druckluft vorantreiben können.

Ein normaler Otto-Motor hat einen Wirkungsgrad von knapp über 30 Prozent, die Scuderi Group spricht bei dem eigenen Probanden von mehr als 40 Prozent. Der Unterschied liegt im Aufbau des Verbrenners. Im gewöhnlichen Viertakt-Motor laufen die vier Phasen – Ansaugen, Verdichten, Arbeiten, Ausstoßen – in einem Brennraum ab, beim Scuderi-Motor wird dagegen die Kompression in einem Verdichtungszylinder erzeugt, die Verbrennung vollzieht sich dagegen in einem zweiten, dem Arbeitszylinder. Dabei wird die Zündung deutlich später als gewöhnlich eingeleitet, erst hinter dem sogenannten Totpunkt. Das so stark verdichtete Gemisch verbrennt nach Aussagen von Scuderi deutlich sauberer und effizienter als gewöhnlich.

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Seit Mai 2009 läuft in dem Southwest Research Institute in den USA der erste Entwicklungsmotor, ein Zweizylinder mit rund einem Liter Hubraum. Besonders innovativ wird das Triebwerk jedoch durch einen angeschlossenen Zusatztank. Ist dieser mit Druckluft aus den Zylindern gefüllt, kann er sie jederzeit auch wieder in die Zylinder abgeben und so die Kolben antreiben. "Bei einem gewöhnlichen Triebwerk hätte der Lufttank einen Druck von 40 bis 50 bar", sagt Lutz Deyerling, Leiter der deutschen Scuderi-Niederlassung in Frankfurt, "bei einem Turbotriebwerk wären es sogar bis zu 150 bar Luftdruck".

Scuderi

Firmengründer Carmelo Scuderi (1925-2002) trug seit frühester Jugend eine Menge Erfindergeist in sich. Den Großteil seines Lebens tüftelte der Amerikaner mit italienischer Abstammung an Motoren jedweder Art herum. Seine Liebe galt insbesondere der Luftfahrt. Zusammen mit dem Großkonzern General Electric erfand Scuderi den weltweit ersten Kühlschrank ohne Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die für den Abbau der Ozonschicht in der Atmosphäre verantwortlich sind. Ein Kompressor erledigte fortan die Arbeit, die das Gas lange Jahre unentbehrlich gemacht hatte. Nach dem Tod des Firmengründers ging die Firma auf die acht Söhne über. Das Unternehmen sitzt in West Springfield, rund 60 Meilen von Boston entfernt, und unterhält auch ein Büro in Frankfurt am Main.

Scuderi nennt dieses Motorprinzip Air-Hybrid, denn der Motor kann eben nicht nur mit Benzin betrieben werden, das herkömmlich via Direkteinspritzung verbrannt wird, sondern auch mit Luftdruck. "Wird unser Split-Cycle-Motor mit dem kompletten Air-Hybrid-Modus betrieben, erreichen wir eine Effizienzsteigerung bis zu 50 Prozent gegenüber einem normalen Triebwerk", sagt Deyerling. "Selbst ohne Air-Hybrid sind es immer noch 20 bis 25 Prozent." Die Leistung eines 1.4-TFSI-Triebwerks werde so nach aktuellem Stand mit gerade einmal 1,1 Litern Hubraum erreicht.

Das heißt: Ein aufgeladener Motor mit 1,0 bis 1,1 Litern Hubraum verfügt auf dem aktuellen Leistungsprüfstand über rund 140 PS. Der Verbrauch könnte je nach Fahrzeugklasse bei ungefähr drei Litern auf 100 Kilometern liegen. Ein Großteil des Fahrzyklus würde demnach zwischen 1200 und 1400 Umdrehungen pro Minute stattfinden. Bereits im Leerlauf soll der Motor, der mit einer geraden Zylinderanzahl laufen dürfte, rund 90 Prozent seiner Leistung abrufen können.

An dem ungewöhnlichen Konzept haben schon einige Autohersteller großes Interesse bekundet. Gespräche mit Firmen wie Volkswagen, BMW, Ford, Daimler, Toyota oder Peugeot sind in der entscheidenden Phase. Vertreter des amerikanischen Kleinunternehmens – Scuderi hat nicht einmal 25 Mitarbeiter – gehen bei den Autokonzernen mittlerweile ein und aus. Das Ziel: das Motorkonzept an Großserienhersteller zu lizenzieren. Auch Zulieferer wie Bosch bringen sich in den Entwicklungsprozess ein und haben für den Scuderi-Motor Komponenten wie Zündung, Einspritzanlage und Motorelektronik entwickelt.

Besonders wichtig, um Kooperationspartner ins Boot zu holen: Die Autohersteller sollen für das Scuderi-Verbrennungsprinzip auch die eigenen Motorblöcke nutzen können. Das spart Kosten. Nur der Kopf des Motors mit Einspritzanlage, Motorelektronik und Zylinderdeckel müsste entsprechend aufwendig angepasst werden.

Die Forschung bei Scuderi geht stetig voran. Der Testmotor laufe mittlerweile bis zu 3700 Umdrehungen pro Minute ohne Probleme, sagt Lutz Deyerling. Die Drehmomententwicklung soll ähnlich der eines Dieselmotors sein; dafür gibt es die Laufruhe eines Benziners. Hört sich fast an wie die Quadratur des Kreises. Bleibt nur die Frage, wo sich der Druckluftspeicher befinden soll. Denn freier Raum ist im Auto besonders schwer zu finden. Derzeit laufen die Vorbereitungen, das Triebwerk für die offiziellen Fahrzyklen in Nordamerika und Europa abzustimmen. Laut Scuderi soll der Motor in zwei bis drei Jahren bereit für den Serieneinsatz sein – man darf gespannt sein.

 
Leser-Kommentare
  1. Aber interessante Idee. Toyota könnte damit die Verbrennereinheit in ihrem Hybrid-Triebwerk noch effizienter machen. Aber generell gehört die Grundidee in jedes neue Fahrzeug rein, dass noch auf einen Verbrenner angewiesen ist. Damit können wir uns wenigstens Zeit erkaufen um ein vernünftigeres Antriebsystem zu entwickeln...

  2. Dass der Verbrennungsprozess bei hoeherem Druck und geaendertem Zuendpunkt verbessert werden kann, klingt gut.
    Fragt sich warum die grossen Hersteller mit all ihrem R&D
    noch nicht darauf gekommen sind. Luftspeicher als Zusatz-
    antrieb funktionieren, aber der Wirkungsgrad ist sehr gering. Ich bezweifle, dass damit Verbesserungen in dieser
    Groessenordnung erreicht werden koennen. Hydropneumatische
    Zusatzantriebe(Hybrid - anstatt Elektrik) werden schon seit
    Jahren mit gutem Erfolg bei Stadtbussen erprobt u. a. in
    Berlin und N. Y. Interessant waere zu erfahren, ob und wann
    die in Serie gehen.

    • Varech
    • 01.09.2010 um 21:16 Uhr

    Kühlschrank ohne FCKW, noch von "vor dem Krieg", haben wir neulich erst den letzten ersten wegschmeissen müssen.

    "Ein Kompressor leistet jetzt die Arbeit", kann man lesen.
    Bei der Presse auch?

  3. Hat die ETH Zürich schon erfunden. Zumindest den pneumatischen Hybriden.

    Siehe hier:
    http://www.idsc.ethz.ch/R...

  4. betrieben werden?

  5. ... kann er beim Bremsen und bergab geladen werden, und wie viel Energie läßt sich damit (in einem Kofferraum) speichern?
    Vielleicht hat ein Leser ein paar Zahlen zur Größenordnung.

  6. Ein Explosionsmotor mit einem Wirkungsgrad von über 40 %.
    Da kann eine Elektromotor mit über 90% natürlich nicht mithalten.

    Die Chinesen setzen derweil auf den Elektromotor, warum?

    Weil Sie kein Autobauer haben,
    die sich auf Ihren Lorbeeren ausruhen,
    sich mit Schnickschnack beschäftigen und sich Museen bauen.

    Ich würde gerne eine Elektroauto fahren,
    befürchte aber dass ich mir einen deutschen
    Alibitechnologieträger nicht leisten kann.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Varech
    • 03.09.2010 um 5:20 Uhr

    Sollte ein Elektromotor wirklich 90% der ihm gelieferten elektrischen Energie auf der Strasse leisten, kann er mit diesem Wirkungsgrad doch nicht die 40% eines Verbrennungsmotors übertreffen.
    Dies aus dem einfachen Grund, dass der Verbrennungsmotor eine Primmäre Energiequelle verwendet, wogegen die elektrische Energie bis sie an der Anschlussklemme angekommen ist, mehrere Umwandlungen erlitten hat, jedes Mal nur mit einem gewissen Wirkungsgrad.
    Und warum "die Chinesen" auf Elektromotoren setzen? Vermutlich, weil sie denken, man könne sowas jemand andrehen.

    • Jenss
    • 04.09.2010 um 12:45 Uhr

    Leider wird er Strom nur mit einem Wirkungsgrad von 30% erzeugt.

    • Varech
    • 03.09.2010 um 5:20 Uhr

    Sollte ein Elektromotor wirklich 90% der ihm gelieferten elektrischen Energie auf der Strasse leisten, kann er mit diesem Wirkungsgrad doch nicht die 40% eines Verbrennungsmotors übertreffen.
    Dies aus dem einfachen Grund, dass der Verbrennungsmotor eine Primmäre Energiequelle verwendet, wogegen die elektrische Energie bis sie an der Anschlussklemme angekommen ist, mehrere Umwandlungen erlitten hat, jedes Mal nur mit einem gewissen Wirkungsgrad.
    Und warum "die Chinesen" auf Elektromotoren setzen? Vermutlich, weil sie denken, man könne sowas jemand andrehen.

    • Jenss
    • 04.09.2010 um 12:45 Uhr

    Leider wird er Strom nur mit einem Wirkungsgrad von 30% erzeugt.

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