Probefahrt Kultiviert fahren im Elektro-Golf

2013 bringt Volkswagen den vollelektrischen Golf blue-e-motion auf den Markt. Christoph M. Schwarzer fuhr für ZEIT ONLINE einen Prototypen und zieht ein positives Fazit.

Konzeptfahrzeug Golf blue-e-motion vor der Synagoge in Braunschweig

Konzeptfahrzeug Golf blue-e-motion vor der Synagoge in Braunschweig

Automobile Revolutionen hatten ihren Ursprung selten in Wolfsburg. Als Renault 1965 den R16 mit Frontmotor, Frontantrieb, vier Türen und Heckklappe präsentierte, feilte Volkswagen noch am veralteten Käfer. Erst neun Jahre später zog man mit dem Golf konzeptionell nach. Im niedersächsischen Werk am Mittellandkanal schreitet man nicht vorneweg. Wenn VW eine Marktentwicklung erkennt, versucht das Unternehmen, das beste Auto zu bauen und schnell den Vorsprung der anderen einzuholen. Das war beim ersten Golf so, beim Familien-Van Touran und beim Geländewagen Tiguan. Und es könnte sich 2013 beim vollelektrischen Golf blue-e-motion wiederholen.

Einer der ersten Prototypen stand ZEIT ONLINE für eine Probefahrt zur Verfügung. Das Wichtigste zuerst: Kein bisher gefahrenes Elektroauto ist für Fahrer und Mitfahrer so leise und kultiviert wie dieser, noch weit von der Serie entfernte Golf. Andere Elektroautos fielen zwar durch ein geringes Außengeräusch auf, enttäuschten aber nach dem Einsteigen. Entweder weckte das Getriebe Erinnerungen an eine alte Tram, oder Pumpen und Lüfter piepten wie der Tinnitus nach einem Rockkonzert. Allen akustischen Auffälligkeiten war gemeinsam, dass sie eine hohe Frequenz hatten und darum sehr unangenehm waren. Im Golf blue-e-motion dagegen ist Schweigen, was auch an der guten Dämmung von Fahrwerks-, Abroll- und Windgeräuschen liegt. Das Brummen der Verbrennungsmotoren auf der Nebenspur wirkt dagegen wie eine fast obszöne Lärmbelästigung.

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Weil das Fahren im Elektroauto nur aus "Gas" geben, Bremsen und Lenken besteht, bleibt Zeit für den Blick auf die Multifunktionsanzeige. Bei der Tour über die Bundesstraße nach Braunschweig und anschließend mitten durch die Stadt pendelte sich der Verbrauch bei 12,6 Kilowattstunden auf 100 Kilometer ein. Nach der Rückfahrt über die Autobahn zu VW ergab sich ein Gesamtwert von 14,6 Kilowattstunden. Das entspricht etwa der Energiemenge, die in 1,5 Litern Benzin enthalten ist.

Interessant ist die Möglichkeit, den zusätzlichen Verbrauch aller Komfortausstattungen, also der Heizung, der Kühlung sowie Radio oder Fensterhebern, in der Multifunktionsanzeige zu beobachten. Am Tag der Ausfahrt waren die Bedingungen günstig. Bei 15 Grad und Sonnenschein mussten weder Heizung noch Klimaanlage stark arbeiten, sodass hier ein Wert von lediglich 0,3 Kilowattstunden angezeigt wurde.

An sehr warmen oder kalten Tagen dürfte sich das drastisch ändern. Vor allem die Aufheiz- und Abkühlphase zu Beginn einer Fahrt verbraucht viel Energie. Damit die Reichweite des Akkus nicht zu stark einbricht, arbeitet Volkswagen an einer Anwendung fürs Mobiltelefon: Falls der Golf blue-e-motion an der Steckdose angeschlossen ist, kann der Fahrer sein Kommen über die Handy-Applikation avisieren und die Aufheiz- beziehungsweise Abkühlphase bereits einleiten, wenn der Wagen noch am Netz hängt. Das schont die Batterie. Eine Idee, die bereits bei der BMW-Studie ActiveE zu sehen war und sich zugunsten einer höheren Reichweite und eines gesteigerten Komforts durchsetzen wird.

Die Brutto-Kapazität der Batterie gibt Volkswagen mit 26,5 Kilowattstunden an. Davon sind etwa 21 Kilowattstunden tatsächlich nutzbar, was für 150 Kilometer und damit für die meisten Fahrten ausreichen soll. Laut Statistischem Bundesamt fahren sechs von zehn Erwerbstätigen mit dem Auto zur Arbeit. Im Durchschnitt legen 46 Prozent dabei weniger als zehn Kilometer für die einfache Fahrt, weitere 28 Prozent zehn bis 25 Kilometer zurück. Auch bei Elektroautos hängt die Reichweite von der Fahrweise ab. Vor Beginn der Ausfahrt zeigte der nicht vollgetankte Golf 100 mögliche Kilometer an. Am Ende wurde noch verbliebener Strom für 50 Kilometer angezeigt, obwohl die Fahrt 74 Kilometer lang war.

Leser-Kommentare
  1. Das wäre jetzt meine Idee gewesen. Batterie auf wasweissich 2 kWh verkleinern um Platz und Kosten zu sparen aber noch einen Speicher für das Rekupieren durch die Bremse zu haben. Dann eine Brennstoffzelle rein und das Auto mit Wasserstoff betanken.

    Wenn wir uns an dem Fiat orientieren, wo die Batterie wohl gut 43.000 Euro des Kaufpreises ausmacht, kann ich für das Geld da sicherlich einiges erreichen.

  2. 2013 - das sind noch 3 Jahre. Zu dem Zeitpunkt werden in China vermutlich schon 1.000.000 (eine Million) E-Autos über die Straßen brausen. Mehr dazu hier:
    http://independence.wirso...

    • RP24
    • 14.09.2010 um 12:37 Uhr

    Haben einen gemeinsamen, großen Nachteil. Nämlich den Akku. Ich weiß, dass der Akku meines Mobiltelefons schwach ist. Trotzdem vergesse ich immer wieder, dass ich mein Telefon täglich laden sollte und es passiert, dass ich einen halben Tag mit abgeschaltetem, leeren Telefon in der Tasche rumlaufe (was mich nicht sonderlich stört). Nun wäre ein "abgeschaltetes" Auto natürlich schon ärgerlich, wenn ich kurz klimaschonend zum Supermarkt brausen möchte. Benziner kann man nun mal an jeder Ecke "schnell Aufladen". Ich hoffe irgendeine technische Errungenschaft macht dies auch beim E-Auto (bzw. alternativen umweltschonenden Antrieben) möglich.

  3. Hallo, es lohnt sich , ein Stück über den Tellerrand zu schauen:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Es geht in diesem Link um die bereits praktizierten Feldversuche von "Tankstellen", welche automatisiert in wenigen Minuten den kompletten KFZ-Akku austauschen, anstatt langwierig in eingebautem Zustand zu laden.

    Mit heutiger Technik ist es ein Kinderspiel, computergesteuert einen Akku zu wechseln.
    Jeder Handyakku hat heute breits einen integrierten Chip, welcher Akkubetriebsdaten bereithält.

    Genau auf diese Art kann ein Tauschakku für KFZ alle relevanten Daten zu Alter, Restapazität, Zyklen etc. bereithalten, damit Betriebskosten transparent abgerufen werden können.

    Die Idee von Shai Agassi / Better Place macht einen sehr vernünftigen Eindruck, da Gegenargumente zu Elektrofahrzeugen in 2 Punkten entkräftet werden:

    * Die Akkus müssen nicht so groß sein
    * Tankstopp dauert keine 5 Minuten

    Dies, zusammen mit der Option "normal aufzuladen",- also vor der eigenen Wohnung / Firma / Parkplätzen könnte die Entscheidung bringen, daß E-Autos praktikable Fahrzeuge für die Masse werden.

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    Redaktion

    Lieber Leser,

    über das Konzept, den Akku auszutauschen, haben wir kürzlich berichtet:
    http://www.zeit.de/auto/2...

    Renault wird dazu mit Better Place kooperieren, allerdings nicht in Deutschland.

    Redaktion

    Lieber Leser,

    über das Konzept, den Akku auszutauschen, haben wir kürzlich berichtet:
    http://www.zeit.de/auto/2...

    Renault wird dazu mit Better Place kooperieren, allerdings nicht in Deutschland.

  4. Das Auto wird sich anfangs allenfalls bei ein paar Freaks durchsetzen (können), die hin und zurück jeweils (plus Sicherheitsreserve) mit einer Akkuladung auch im tiefsten Winter "überleben" können und wo dann auch die uneingeschränkte Aufladungsmöglichkeit gesichert vorhanden ist (die dem Normalbürger auf der Strasse beim stetig veränderten Parkplatzangebot schlicht fehlt).

    Die zu stellende Frage wäre, warum nicht ein leichteres Modell mit weniger technischem Schnick-Schnack (warum Klimatisierung, elektrische Fensterheber) gewählt wurde und ob es wirklich ein 85 kw Motor sein muss, der die Akkus schneller leer macht.
    Aber gut, es geht auch um Machbarkeitsstudien - was nachher wirklich kommt, wird man sehen.

    Der Versuch alles "Schöne" zu belassen und nur die Antriebseinheit zu wechseln "hat zwar was", bringt aber die Schattenseiten noch stärker in den Blickpunkt, wenn man irgendwann vor der Entscheidung stehen sollte, entweder beheizt unterwegs liegen zu bleiben, oder halb erfroren hofft, doch noch die heimatliche Steckdose anlaufen zu können.

    Solche Mobile sind dann m.E. auch nur was für "gezielt willentliche Mitdenker", aber nicht für die Normalos - jedenfalls bis sich die Energieversorgungsfrage nicht wirklich gebessert hat.

    Eine stetige Akkutauscherei hat auch ihre Schattenseiten, über die nur wenig gesprochen wird - auch bezüglich der Eigentumsverhältnisse - oder kommen grundsätzlich Leihakkus ab Werk / Händler / Wechselstation ohne Anspruch auf Neuwertigkeit?

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    Hallo Freigeist2,

    da haben Sie wohl Recht, bzw. Sie sind nicht der Einzige, welcher gerne auf einige stromfressende Spielereien problemlos verzichten könnte.

    Für "die 20 Sonnentage im Jahr" reicht ein Schiebedach...
    Laut Praxisberichten reicht eine Standheizung 20 Liter Sprit hierzulande über eine ganze Wintersaison,- von der Heizleistung im Vergleich ganz zu schweigen. (Bei vereisten Scheiben geht es nicht einmal um Bequemlichkeit, sondern um Sicherheit)

    Bei Akku- Wechselstationen würde sicherlich nach Entnahmemenge "Grundgebühr" verrechnet werden,- d.h. über die Grundgebühr könnte man durch einen niedrigeren Preis auch Akkus schmackhaft machen, welche z.B. nur noch 80 Prozent der Kapazität haben... Mir z.B. wäre es egal, wenn der Akku nur 100 Kilometer reicht, da mein Arbeitsweg hin und zurück nur 22 Kilometer beträgt. Wenn die Grundgebühr für diesen 80 Prozent Akku dann ein paar Euro günstiger ist,- dann soll es mir recht sein...

    ... und wie gehabt,- Mikroprozessoren köennen transparent an der Austauschstelle, wie auch im KFZ, den Zustand protokollieren und darstellen.

    So sollte es möglich sein, dass ich an der Wechselstation schon angeben kann, ob ich einen Akku mit mindestens "X" Kapazität brauche, oder ob mir auch die etwas günstigere Variante "Y" als gebrauchte "Möhre" ausreicht.

    Falls Bekannten aus dem Elektro-Modellbau, bitte bestätigen lassen, dass moderne Ladegeräte bis "3 Stellen hinter dem Komma" die Akku- Kapazität protokollieren.

    Hallo Freigeist2,

    da haben Sie wohl Recht, bzw. Sie sind nicht der Einzige, welcher gerne auf einige stromfressende Spielereien problemlos verzichten könnte.

    Für "die 20 Sonnentage im Jahr" reicht ein Schiebedach...
    Laut Praxisberichten reicht eine Standheizung 20 Liter Sprit hierzulande über eine ganze Wintersaison,- von der Heizleistung im Vergleich ganz zu schweigen. (Bei vereisten Scheiben geht es nicht einmal um Bequemlichkeit, sondern um Sicherheit)

    Bei Akku- Wechselstationen würde sicherlich nach Entnahmemenge "Grundgebühr" verrechnet werden,- d.h. über die Grundgebühr könnte man durch einen niedrigeren Preis auch Akkus schmackhaft machen, welche z.B. nur noch 80 Prozent der Kapazität haben... Mir z.B. wäre es egal, wenn der Akku nur 100 Kilometer reicht, da mein Arbeitsweg hin und zurück nur 22 Kilometer beträgt. Wenn die Grundgebühr für diesen 80 Prozent Akku dann ein paar Euro günstiger ist,- dann soll es mir recht sein...

    ... und wie gehabt,- Mikroprozessoren köennen transparent an der Austauschstelle, wie auch im KFZ, den Zustand protokollieren und darstellen.

    So sollte es möglich sein, dass ich an der Wechselstation schon angeben kann, ob ich einen Akku mit mindestens "X" Kapazität brauche, oder ob mir auch die etwas günstigere Variante "Y" als gebrauchte "Möhre" ausreicht.

    Falls Bekannten aus dem Elektro-Modellbau, bitte bestätigen lassen, dass moderne Ladegeräte bis "3 Stellen hinter dem Komma" die Akku- Kapazität protokollieren.

  5. Hallo Freigeist2,

    da haben Sie wohl Recht, bzw. Sie sind nicht der Einzige, welcher gerne auf einige stromfressende Spielereien problemlos verzichten könnte.

    Für "die 20 Sonnentage im Jahr" reicht ein Schiebedach...
    Laut Praxisberichten reicht eine Standheizung 20 Liter Sprit hierzulande über eine ganze Wintersaison,- von der Heizleistung im Vergleich ganz zu schweigen. (Bei vereisten Scheiben geht es nicht einmal um Bequemlichkeit, sondern um Sicherheit)

    Bei Akku- Wechselstationen würde sicherlich nach Entnahmemenge "Grundgebühr" verrechnet werden,- d.h. über die Grundgebühr könnte man durch einen niedrigeren Preis auch Akkus schmackhaft machen, welche z.B. nur noch 80 Prozent der Kapazität haben... Mir z.B. wäre es egal, wenn der Akku nur 100 Kilometer reicht, da mein Arbeitsweg hin und zurück nur 22 Kilometer beträgt. Wenn die Grundgebühr für diesen 80 Prozent Akku dann ein paar Euro günstiger ist,- dann soll es mir recht sein...

    ... und wie gehabt,- Mikroprozessoren köennen transparent an der Austauschstelle, wie auch im KFZ, den Zustand protokollieren und darstellen.

    So sollte es möglich sein, dass ich an der Wechselstation schon angeben kann, ob ich einen Akku mit mindestens "X" Kapazität brauche, oder ob mir auch die etwas günstigere Variante "Y" als gebrauchte "Möhre" ausreicht.

    Falls Bekannten aus dem Elektro-Modellbau, bitte bestätigen lassen, dass moderne Ladegeräte bis "3 Stellen hinter dem Komma" die Akku- Kapazität protokollieren.

  6. Redaktion

    Lieber Leser,

    über das Konzept, den Akku auszutauschen, haben wir kürzlich berichtet:
    http://www.zeit.de/auto/2...

    Renault wird dazu mit Better Place kooperieren, allerdings nicht in Deutschland.

    • leuleu
    • 14.09.2010 um 15:38 Uhr

    "Im niedersächsischen Werk am Mittellandkanal schreitet man nicht vorneweg. " Es gab bereits den Golf III in Elektro- Version:
    http://de.wikipedia.org/w...
    http://www.elektromobil-d...
    Aber der Fortschritt ist eben bisweilen langsam...

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    Redaktion

    Vom "frühen" Elektro-Golf gab es aber nur 120 Stück, die nicht für Privatleute, sondern für Energieversorger gedacht waren. Insofern handelt es sich eher um eine Testserie, nicht um ein Serienfahrzeug, wie es jetzt geplant ist.

    Redaktion

    Vom "frühen" Elektro-Golf gab es aber nur 120 Stück, die nicht für Privatleute, sondern für Energieversorger gedacht waren. Insofern handelt es sich eher um eine Testserie, nicht um ein Serienfahrzeug, wie es jetzt geplant ist.

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