Neuvorstellung Nissan Micra wird brav

Lang galt der Micra als Knuddelauto. Nun gibt Nissan seinem Kleinwagen eine neue, weniger verspielte Optik. Clever ist indes eine Einparkhilfe, die den Parkraum ausmisst.

Mit seinen knuffig-rundlichen Formen gilt der Nissan Micra als typisches Frauenauto. Mit dem neuen Micra will der japanische Hersteller alle Käuferschichten auf fünf Kontinenten ansprechen und hat dafür sein Einsteiger-Modell in einen praktischen Stadtwagen verwandelt. Zunächst ist der neue Micra um sechs Zentimeter gewachsen, der Radstand ist 20 Millimeter größer. Damit ist er zwar immer noch deutlich kürzer als die Konkurrenz aus Wolfsburg oder Rüsselsheim, hat aber im Innenraum deutlich an Platz gewonnen.

Zusammen mit anderen Anpassungen gewinnt so der Fahrer an Fußraum, und auch für die Fondpassagiere bleibt noch ein Plus übrig. Insgesamt ist das Platzangebot auch für groß gewachsene Fahrer gut. Weil die Zunahme der Außenabmessungen aber moderat ausgefallen ist, hat der Nissan seinen kleinen Wendekreis von unter zehn Metern bewahrt. Das wirkt sich günstig auf das Handling im Stadtverkehr aus. Denn hier ist das Revier des Micra – in Häuserschluchten, zwischen Geschäften und auf Parkplätzen kann der kleine Japaner seine Vorteile ausspielen. Mit ihm ist man wendig und flott unterwegs.

Anzeige

Die Parkplatzsuche unterstützt Nissan mit dem Parkguide, den es in der höheren Ausstattung Tekna gibt. Mit dieser Funktion wird bei langsamer Vorbeifahrt die Länge der Parklücken ausgemessen. Ist der Platz ausreichend, wird das dem Fahrer auf dem Display des Bordcomputers angezeigt. Überhaupt hat Nissan viel für den Komfort des Fahrers getan: Die Sitze sind angenehm und bieten ausreichend Seitenhalt.

Auch die Armaturentafel wurde neu gestaltet, die Instrumente sind übersichtlich und gut ablesbar angeordnet. Links befindet sich der Drehzahlmesser, in der Mitte der Tacho mit dem Bordcomputer und rechts davon alle Kontrollleuchten in einem einzigen Anzeigefeld. Das Lenkrad ist höhenverstellbar, und eine elektrische Servolenkung unterstützt den Fahrer beim Rangieren. Die verarbeiteten Materialien sind der Fahrzeugklasse angemessen, aber etwas wertiger dürfte es durchaus zugehen. Der Gepäckraum ist mit 265 Litern klassenüblich klein, in der höheren Ausstattung ist die Rücksitzbank im Verhältnis 60:40 teilbar und komplett umlegbar. Dann lassen sich bis zu 1132 Liter Gepäck verstauen.

Für den Antrieb sorgt ein neu entwickelter Dreizylinder-Ottomotor mit 1,2 Liter Hubraum und 59 kW (80 PS) Leistung. Im Stadtverkehr beschleunigt er den kleinen Wagen ausreichend, doch bei höheren Geschwindigkeiten zwischen 80 und 120 auf der Landstraße fehlt ihm die Spritzigkeit. Zudem sind der vierte und fünfte Gang zu lang übersetzt, sodass der Micra auf Autobahnen und Landstraßen bisweilen nur mühsam auf Touren kommt. Die Motorisierung reicht für eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 13,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist mit 170 km/h angegeben. Da Nissan auch an der Geräuschdämmung gearbeitet hat, werden die Fahrgeräusche indes kaum als störend empfunden.

Bis zum nächsten Frühjahr müssen sich Kunden mit dem 80-PS-Aggregat begnügen – dann gibt es für den Micra auch einen weiteren 1,2-Liter-Motor mit Direkteinspritzung und Kompressor, der 98 PS leistet. Dann sinkt der Normverbrauch des bereits recht sparsamen 80-PS-Motors (5,0 Liter Super auf 100 Kilometer) noch weiter: Der Direkteinspritzer soll nur vier Liter verbrauchen, verspricht Nissan.

Als erstes Nissan-Modell nutzt der neue Micra die komplett neue V-Plattform – V steht für "versatile" oder zu Deutsch "vielseitig". Demnächst sollen zwei weitere Baureihen auf dieser neuen Plattform folgen. Zentrales Augenmerk der Entwickler galt dabei der Versteifung und der Gewichtsreduzierung der Bauteile. So konnten insgesamt 80 Kilogramm eingespart werden. Zwar schlagen zusätzliche Ausstattungen wieder zu Buche, aber es verbleibt ein Gewichtsvorteil von 35 Kilo, der dann verbrauchsreduzierend wirkt.

Alle Modelle sind Fünftürer und verfügen über eine elektrische Servolenkung, ABS, ESP, sechs Airbags und elektrische Fensterheber für die vorderen Türen. In den höheren Ausstattungen Acenta und Tekna ist eine manuelle Klimaanlage serienmäßig. Die Ausstattung Tekna hat zudem ein integriertes Satellitennavigations- und Entertainmentsystem und den neuartigen Parkguide. Alle Ausstattungen gibt es wahlweise mit manuellem Fünfganggetriebe oder einer stufenlose CVT-Automatik. Auch bei den Preisen hat Nissan etwas abgespeckt. Der Einstiegspreis für die Basisversion liegt jetzt bei 10.740 Euro.

Daten
Länge: 3,78 Meter
Breite: 1,68 Meter
Radstand: 2,45 Meter
Gewicht: 980 Kilogramm
Motorbauart: Dreizylinder-Benzinmotor, 1,2 Liter Hubraum
Leistung: 59 kW (80 PS)
Beschleunigung (0-100 km/h): 13,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h
Durchschnittsverbrauch: 5,0 Liter
CO2-Emission: 115 g/km

 
Leser-Kommentare
  1. Das ist doch krank. Jetzt wird hier ein Kleinwagen mit 80 PS schon (oder noch?) als untermotorisiert angeprangert. Arbeiten in den Autoredaktionen eigentlich immer nur die Betonköpfe und Ewiggestrigen der PS-Fetischisten-Fraktion?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kann meinem Vorkommentator nur zustimmen. 80 PS für einen Kleinwagen ist 30 mehr als man bräuchte.

    Deutschland ist schon das Land der PS-Übersaturierten Autoredationen.

    Ich kann meinem Vorkommentator nur zustimmen. 80 PS für einen Kleinwagen ist 30 mehr als man bräuchte.

    Deutschland ist schon das Land der PS-Übersaturierten Autoredationen.

  2. Ich kann meinem Vorkommentator nur zustimmen. 80 PS für einen Kleinwagen ist 30 mehr als man bräuchte.

    Deutschland ist schon das Land der PS-Übersaturierten Autoredationen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Kommentare 2
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Nissan | Rüsselsheim | Wolfsburg
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service