Pannenhelferin"Ich mag den Geruch von angegammeltem Gummi"

Susa Bobke ist eine von nur fünf weiblichen ADAC-Pannenhelfern. Im Interview erzählt sie, warum das ihr Traumberuf ist und welche Sprüche von Männern sie wirklich nerven. von 

Susa Bobke

Susa Bobke  |  © Droemer Knaur

ZEIT ONLINE: Frau Bobke, wann hatten Sie zuletzt selbst eine Panne?

Susa Bobke: Im April hatte mein ADAC-Pannenfahrzeug einen Motorschaden. Ich stand auf der Autobahn, es gab eine riesige schwarze Rauchwolke. Einige, die daran vorbeifuhren, hatten ihre Freude – ein Pannenfahrzeug, das selbst eine Panne hat, sorgt immer für Erheiterung. Im Sommer hatte ich privat mit dem Motorrad einen kleinen Kabelbrand, als ich in Klagenfurt beim Bachmann-Preis war.

Anzeige

ZEIT ONLINE: Rufen Sie dann auch den ADAC?

Bobke: Nicht solange ich mir selbst helfen kann. Bei dem Kabelbrand wusste ich schnell, was los war – aber ich hatte nicht genügend neues Kabel im Bordwerkzeug. Also habe ich doch den Österreichischen Automobilclub angerufen. Gemeinsam haben wir den Schaden behoben.

ZEIT ONLINE: Sie wollten schon als Jugendliche Kfz-Mechanikerin werden. Warum?

Susa Bobke

ist eine von nur fünf weiblichen Pannenhelfern beim ADAC. Die 45-Jährige hat nach einem abgebrochenen Studium eine Lehre zur Kfz-Mechanikerin gemacht und ist seit 17 Jahren "Gelber Engel". Ihr Einsatzgebiet umfasst das gesamte Allgäu sowie das Bodenseegebiet bis Konstanz.

Bobke: Gute Frage ... Ich bin jedenfalls keine leidenschaftliche Autoliebhaberin, wie das bei vielen meiner männlichen Azubi-Kollegen in der Berufsschule der Fall war. Ich mag eher das Drumherum: die Technik, das Herumschrauben und die Gerüche von Abgasen, Schmiermittel und altem angegammelten Gummi. Aber es gibt ja auch Jungs, die sich nicht für Autos interessieren und lieber mit Puppen spielen.

ZEIT ONLINE: Vor Ihrer Lehre haben Sie ein paar Semester Jura und Germanistik studiert. Wird man bei der Lehrstellensuche nicht als überqualifiziert zurückgewiesen?

Bobke: Ich war ja schon nach der Mittleren Reife überqualifiziert, erst recht nach dem Abitur. Als ich studierte, hatte ich den Gedanken, noch eine Lehre machen zu können, längst beiseite gelegt. Doch dann erzählte mir ein Bekannter an der Uni ganz zufällig, dass er vor seinem Abitur Automechaniker gelernt hatte und seine Ausbildungswerkstatt gern mal eine Frau als Azubi hätte. Vier Tage später lud die Werkstatt mich zum Vorstellungstermin ein.

ZEIT ONLINE: Ihre Mutter hat noch versucht, Ihnen die Kfz-Lehre auszureden. Bereuen Sie Ihre Entscheidung manchmal?

Bobke: Bereut habe ich es kein einziges Mal. Ob ich nach dem Studium einen guten Job gefunden hätte, weiß man nicht. Inzwischen ist meine Mutter sehr stolz auf mich. Als Automechaniker macht man zwar keine große Karriere, aber Geld ist mir nicht so wichtig.

ZEIT ONLINE: Es gibt fünf Pannenhelferinnen beim ADAC und 1700 Pannenhelfer. Entspricht diese Quote auch dem Verhältnis in der Kfz-Branche?

Bobke: Die Quote beim ADAC ist schon seit Jahren konstant. Sie dürfte repräsentativ sein, wenn ich an die wenigen Frauen denke, die ich während meiner Arbeit unterwegs in Werkstätten sehe. Die Werkstätten bemühen sich nicht darum, Frauen auszubilden. Ich arbeite zwar in keiner Ausbildungswerkstatt, wo ich mitbekäme, wer sich bewirbt und wer genommen wird. Aber immer wieder berichten mir junge Frauen, dass sie auch gern diesen Beruf ergreifen würden, aber nicht die Chance dazu bekommen. 

ZEIT ONLINE: Als Pannenhelferin müssen Sie sich immer wieder Sprüche von männlichen Kunden anhören, etwa "Kommt Ihr Kollege noch?"...

Bobke: ... ja, indirekte Zweifel an meiner Kompetenz. Schlimmer finde ich aber, wenn ich schon eine halbe Stunde an einem defekten Wagen herumschraube und dann der Fahrer mich fragt: "Haben Sie eigentlich eine Ausbildung?" Meinen männlichen Kollegen passiert das nie.

ZEIT ONLINE: Hat sich das im Lauf der Zeit gebessert?

Bobke: Ja, im Großen und Ganzen fühle ich mich akzeptiert. Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren verändert. Vor 20 Jahren konnte sich auch keiner vorstellen, dass wir einmal eine Kanzlerin haben würden. Heute sieht man eben auch mal eine Schornsteinfegerin, und da fragt kaum noch jemand, ob sie das kann. Es ist zwar immer noch nicht normal, dass es in jedem Beruf Frauen gibt, aber man weiß, dass sie überall sein können .

Leserkommentare
  1. Ich bin ein Mensch der ziemlich viel Respekt vor Wissen und Erfahrung hat. Wenn jemand 20 Jahre in seinem Beruf tätig ist, kennt der sich aus und hat auch den einen oder anderen Trick gelernt, der eben nicht im Handbuch steht. Da spielt das Geschlecht dann auch keine Rolle mehr.

    Wenn ich eine Panne habe, ist mir egal ob dann eine Frau oder ein Mann raus kommt. Im Gegenteil, mir ist dann wichtiger, ob die Person auf mich wirkt als wüsste sie was sie da tut (Ein Hybrid ist dann doch irgendwie nicht so wie alle anderen Autos) oder ob sie improvisiert (wie der ADAC-Mann, als ich mit meinem Hybriden mal ne Panne hatte)... oder ob sie einfach nicht weiss, was sie tun soll ("Wie, das Ding hat eine so kleine Starterbatterie?").

    Eine Leserempfehlung
  2. Auch wenn ein ADAC Engel schon über 20 Jahre Berufserfahrung verfügt, wird er kaum Erfahrungen mit Hybridfahrzeugen gemacht und erst recht nicht den einen oder anderen Trick, der eben nicht im Handbuch steht auf Lager haben.
    Woher auch ?
    Neue Produkte beinhalten auch immer das Potential von neuen , bisher unbekannten Fehlern.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zugegeben, ich habe als ITler nur 12 Jahre Berufserfahrung aufzuweisen, allerdings sind mir in meiner Zeit als PC-Schrauber viele kleine Kniffe begegnet, die einem das Leben leichter machen. Ich wette, ein Automechaniker hat auch irgendwann sich seine kleinen Helferlein zurecht gelegt, die dann modellübergreifend ihm die Arbeit erleichtern. Magnethalter um die Schraube aus der Karosserie zu fischen, eine simple Stirnbandlampe... wasweissich. Das mit meinem Prius war jetzt sicherlich kein Paradebeispiel, aber ich bin mir sicher, da gibt es Dinge, die ein Anfänger halt einfach nicht tut.

  3. Zugegeben, ich habe als ITler nur 12 Jahre Berufserfahrung aufzuweisen, allerdings sind mir in meiner Zeit als PC-Schrauber viele kleine Kniffe begegnet, die einem das Leben leichter machen. Ich wette, ein Automechaniker hat auch irgendwann sich seine kleinen Helferlein zurecht gelegt, die dann modellübergreifend ihm die Arbeit erleichtern. Magnethalter um die Schraube aus der Karosserie zu fischen, eine simple Stirnbandlampe... wasweissich. Das mit meinem Prius war jetzt sicherlich kein Paradebeispiel, aber ich bin mir sicher, da gibt es Dinge, die ein Anfänger halt einfach nicht tut.

  4. Ein sympathisches Interview. Bei einer Antwort musste ich jedoch schmunzeln:

    "Frauen betrachten ein Auto in der Regel vernünftiger. Es soll funktionieren, sicher sein, auch ein bisschen gut aussehen. "

    Dabei musste ich spontan an das hier denken:

    http://german-bash.org/30...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte ADAC | Fiat | Alkoholspiegel | Jura | Abitur | Auto
Service