Weltrekord für ein Elektroauto: Ein alltagstaugliches Elektroauto ist erstmals von München nach Berlin gefahren, ohne unterwegs einen Ladestopp einlegen zu müssen. Die 605 Kilometer, die der umgebaute Audi A2 zurücklegte, seien die weiteste jemals mit einer einzigen Akkuladung zurückgelegte Strecke, teilten das Technologieunternehmen DBM Energy und der Stromanbieter lekker Energie mit.

Das Auto war in der Nacht in München gestartet und kam am Dienstagmorgen vor dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin an – und selbst dann hatte die Batterie noch eine Restladung von 18 Prozent. Es war insgesamt sieben Stunden unterwegs und fuhr im Schnitt 90 Kilometer pro Stunde. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nannte die Fahrt einen Durchbruch. "Der erzielte Langstrecken-Weltrekord zeigt, dass Entfernungen von 600 Kilometern mit einem Elektrofahrzeug keine Utopie sind", sagte Brüderle im Hof seines Ministeriums.

Die Batterietechnik gilt als der Schlüssel zum künftigen Erfolg von Elektroautos: Sie dürften nur dann eine Chance haben, wenn sie dauerhaft Hunderte Kilometer ohne langes Laden fahren können. 600 Kilometer Reichweite entspreche der Distanz für ein vollgetanktes Auto, so Brüderle. Bisher kämen Elektroautos mit einer Akkuladung in aller Regel aber nur 60 bis 70 Kilometer weit. Deutschland habe damit einmal mehr bewiesen, dass es weltweiter Technologieführer sei. "Jetzt kommt es darauf an, dass aus dieser Meisterleistung made in Berlin ein Welterfolg wird." Brüderles Ministerium hatte das Projekt unterstützt.

Den beteiligten Unternehmen zufolge war die Langstreckenfahrt nur durch eine neuartige Akkutechnik möglich, es geht dabei um eine Batterie auf Lithium-Metall-Polymer-Basis, die nun zur Serienreife weiterentwickelt werden soll. Das junge Unternehmen DBM hatte seit einem Jahr an dem Akku getüftelt. Firmenchef Mirko Hannemann sagte, dass vor der Weltrekordfahrt 50 Experten sechs Wochen lang fast rund um die Uhr an der Technik gefeilt hätten.

Der Geschäftsführer von lekker Energie, Thomas Mecke, sagte, es gehe nun darum, auch große Autokonzerne von der besonderen Technologie zu überzeugen. "Wir wollen keine Autos bauen, sondern nur die Energielösungen liefern", betonte Mecke. Wie es weiter hieß, soll der neuartige Akku eine Lebensdauer von bis zu 500.000 Kilometer schaffen, bevor er ausgetauscht werden muss. Laut Hannemann braucht der Akku vier Stunden zum Aufladen – wegen des veralteten deutschen Stromnetzes, sonst sei das auch in ein paar Minuten möglich. Die Batterie wiegt etwa 100 Kilogramm, insgesamt kann der Wagen ein Gesamtgewicht mit Insassen von bis zu 1600 Kilogramm haben.

 

Zwar war es schon im Mai japanischen Elektroauto-Ingenieuren gelungen, mit einem E-Auto sogar 1000 Kilometer zu fahren, ohne die Batterie zwischendurch aufzuladen. Allerdings war dieses Gefährt nicht alltagstauglich. Der jetzt von München nach Berlin gefahrene umgerüstete Benziner ist dagegen ein Serienfahrzeug mit vier Sitzen und einem normal großen Kofferraum – bisher nehmen die Akkus für den Elektromotor einen Teil des Kofferraumvolumens in Anspruch.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sprach im Sender n-tv von einer sehr beachtlichen Leistung. Allerdings seien für den Alltagsgebrauch Batterien vonnöten, die "über 15 Jahre 600 Kilometer fahren" können. Dudenhöffer sagte, bereits in fünf Jahren könnten die Batterien flächendeckend deutlich leistungsstärker und billiger sein als bisher.

Die Bundesregierung hatte in ihrem Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität erst für das Jahr 2015 Fahrten mit alltagstauglichen E-Autos von mehr als 300 Kilometern ohne Aufladen angepeilt. Bis 2020 will die Regierung eine Million Elektroautos auf die Straße bringen, bis 2030 sogar sechs Millionen – um die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren und zugleich den Ausstoß des Klimakillers CO2 zu verringern. Derzeit sind in Deutschland rund 42 Millionen Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren unterwegs.

Bisher gibt es acht Modellregionen. 2800 Fahrzeuge und rund 2500 Ladepunkte werden dort unter Federführung des Bundesverkehrsministeriums auf ihre Alltagstauglichkeit getestet. Das fördert die Bundesregierung auch finanziell. Eine Kaufprämie wie in Frankreich zur Belebung der Elektromobilität lehnt die Regierung aber ab. "Das verzerrt den Markt", sagte Brüderle. Allerdings will die Politik mit Angeboten wie kostenlosen Parkplätzen dem E-Auto einen Schub verschaffen.