Eine Rechtskurve naht? Dann den linken Hebel nach vorn drücken. Bei einer Linkskurve ist es genau umgekehrt. Im Fahrersitz des TW4XP muss man sich als passionierter Autofahrer erst einmal umgewöhnen: Ein Lenkrad hat das futuristische Elektro-Dreirad nicht, stattdessen steuert man das Vehikel mit zwei joystickförmigen Hebeln. Auch ein Gaspedal sucht man vergebens: Beschleunigt und gebremst wird mit einem Wippschalter am rechten Lenkhebel. Nur für eine Notbremsung und zum Parken hat das Fahrzeug ein Bremspedal im Fußraum.

Bei Kurvenfahrten dauert es eine Weile, bis man das ungewohnte Lenkprinzip beherrscht und das TW4XP exakt manövrieren kann. Der Lenkung fehlt noch eine Servounterstützung, was der Fahrer schnell in den Armen merkt. Auch die karge Innenausstattung und der Not-Ausschalter an der Mittelkonsole erinnern ihn daran, dass es sich noch nicht um ein Serienmodell handelt. Dafür sitzt man entspannt im Schalensitz wie in einem Fernsehsessel und genießt den Ausblick durch die kuppelförmige Panoramascheibe. Mit ein paar Handgriffen am Stoffverdeck wird das Gefährt sogar zum Freiluft-Stromer.

Mit einem leisen Surren nimmt das E-Dreirad Fahrt auf, der Elektromotor mit seiner Maximalleistung von 30 kW schiebt das TW4XP mit ordentlichem Schub voran. Die Energie liefert ein Lithium-Ionen-Akku. Das Fahrzeug erreicht 130 km/h und soll eine Reichweite von 160 Kilometern haben.

Drei Räder, zwei Sitze, Handgriffsteuerung: Das TW4XP bleibt dem Grundkonzept des Twike treu, eines Elektro-Dreirads, das ursprünglich in der Schweiz entwickelt wurde und schon seit 1996 auf den Straßen rollt. Entwickelt wurde das TW4XP von Martin Möscheid und seinem Team – der Maschinenbauer aus dem hessischen Rosenthal baut bereits das Twike. Das TW4XP ist mit 2,8 Metern Länge kürzer als ein Smart und ragt nur 1,4 Meter über den Erdboden.

Dass die Technik des Fahrzeugs überzeugen kann, hat das Projekt beim renommierten Automotive X Prize in den USA bewiesen. In seiner Klasse fuhr das Team TW4XP nach harten Wettkämpfen, die sich über mehrere Wochen zogen, schließlich als Dritter über die Ziellinie – mit einem Stromverbrauch, der einem Benzindurst von lediglich 1,71 Litern pro 100 Kilometer entspricht. Damit unterbot das Fahrzeug den vorgegebenen Mindestverbrauch locker: Beim Automotive X Prize mussten alle Fahrzeuge mindestens 100 MPG schaffen, also 100 Meilen pro Gallone. Das entspricht einem Verbrauch von 2,35 Litern pro 100 Kilometer.

Das Team aus Hessen hat vier Wochen lang geschwitzt, geschraubt und gebangt, um alle Prüfungen in der Weltmeisterschaft der Ökomobile zu bestehen. "Sieben Uhr aufstehen, acht Uhr Testbeginn. Jeden Tag gab es eine neue Hürde", erzählt Martin Möscheid, dem man die Anstrengungen der letzten Wochen noch anmerkt. Fast verzweifelt wären die Konstrukteure an einem Beschleunigungstest. "Gefordert waren 18 Sekunden von 0 auf 60 Meilen, wir lagen bei 19. Dann haben wir uns auch noch einen Bremsplatten geholt", erzählt Möscheid. Doch am Ende glückte auch diese Prüfung.