Geht es nach den Grünen, soll Zweitakt-Motoren schon bald das politische Aus drohen. In Italien würde eine solche Forderung wohl parteiübergreifend mit dem Ausschluss aus dem politischen Leben belohnt – schließlich ginge ohne die knatternden Motorroller in Großstädten wie Rom, Mailand oder Turin gar nichts. Zwar kommt in Deutschland den praktischen Zweirädern allenfalls eine untergeordnete Bedeutung zu, doch gerade bei vielen Teenagern sind die Roller bis 50 Kubikzentimeter auch hierzulande beliebt.

Allerdings könnte gerade in Rollern die Zukunft dem Elektromotor gehören – in Europa. In China hat diese Zukunft längst begonnen, dort gehören elektrisch betriebene Roller längst zum Straßenbild. Woran es den knatterfreien China-Rollern indes mangelt, ist der gewisse Hingucker-Charme. Den haben dafür die schmucken E-Scooter-Studien, die Mini und Smart auf dem Pariser Automobilsalon zeigen, zu bieten.

Die BMW-Marke Mini, die sich ohnehin gern ein hippes Szeneimage gibt, stellt an der Seine gleich ein flottes Trio vor: Ego, Eco und Mod. Mit dem 50er-Jahre-Styling sind die drei Modelle auffällig genug, um auf dem Pariser Salon für Aufsehen zu sorgen. "Die drei Roller zeigen mit ihrem Design und ihren Proportionen deutliche Anlehnungen an unsere Mini-Modelle", sagt Mini-Chefdesigner Gert Hildebrand. So fallen Ähnlichkeiten bei Scheinwerfern, dem Ablagesystem Centerrail und dem Motorradspiegel ins Auge.

Angetrieben wird der Mini Scooter E von einem ins Hinterrad integrierten Elektromotor. Mit dabei ist ein fünf Meter langes Ladekabel, mit dem der Lithium-Ionen-Akku an jeder Steckdose mit Energie versorgt werden kann. Stecker und Kabel verbergen sich hinter einer Abdeckung, die der runden Tankklappe eines Mini ähnelt. Öffnet man den Deckel, lässt sich das Ladekabel herausziehen, wie bei einem Staubsauger. Später zieht sich das Kabel einfach per Knopfdruck wieder ins Innere zurück.

Ebenso wie die Mini-Drillinge hat auch der Smart Escooter eine flüsterleisen Elektromotor für 45 km/h Spitzentempo und eine Reichweite von rund 100 Kilometern. Auch der Smart-Roller lässt sich an jeder üblichen Haushaltssteckdose aufladen. Für Sicherheit sollen ABS, Airbag und ein Totwinkelassistent sorgen. Im Gegensatz zu den Mini-Rollern ist der Smart Escooter aber deutlich zurückhaltender gestylt. Allerdings zeigt auch der Escooter Anlehnungen an den Smart Fortwo Electric Drive, nicht zuletzt durch die nachempfundene Tridion-Sicherheitszelle.

Smart-Chefin Annette Winkler sieht den Roller als Beleg dafür, wie ganzheitlich Smart mit dem Thema "urbane Mobilität" umgeht. Zugleich will die zum Daimler-Konzern gehörende Marke mit den Zweirädern auch deutlich jüngere Menschen erreichen, bevor diese den Führerschein fürs Auto besitzen. Ähnliches ist von Mini-Chefdesigner Hildebrand zu hören: "Mit den Scootern wollen wir unsere Kundschaft verjüngen und früh an die Marke Mini heranführen."

Gestartet werden die Elektromodelle von Mini ebenso wie das Pendant von Smart visionär per iPhone: Dazu wird das Smartphone in das Armaturenbrett im Lenker eingelegt, was die Wegfahrsperre und den Diebstahlschutz deaktiviert. So wird das iPhone erst zum Zündschlüssel, dann zur Bedieneinheit mit eingebautem Navigationssystem. Beim Escooter etwa übernimmt die entsprechende App Funktionen wie die des Tachometers oder der Reichweitenanzeige.

Ob beide Projekte aber Realität werden, ist derzeit ungewiss. Die Entwürfe, die in Paris jetzt zu sehen sind, sind erst einmal nur Versuchsballons, mit denen die Hersteller die Reaktion des Publikums ausloten wollen. Das gilt auch für das Elektro-Fahrrad, das Smart neben dem Roller in einer Studie präsentiert. Das Pedelec hat einen im Hinterrad integrierten Elektromotor, der eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h ermöglicht.