ElektroautoOpel auf leisen Sohlen

Das Elektroauto von Opel, der Ampera, kommt 2011. So sportlich, wie er aussieht, ist seine Fahrweise indes nicht – dafür liegt der Wagen einfach zu satt auf der Straße. von Franz Rother

Der Opel Ampera im Stadtverkehr

Der Opel Ampera im Stadtverkehr  |  © GM Corp.

Rügen, Spätsommer 1993: Der 42 Millionen Mark teure Großversuch der Bundesregierung mit Elektroautos kommt nicht in Fahrt. Einige Prototypen von BMW, Mercedes, VW und Opel stehen in der Werkstatt, weil ihre Bleibatterien bereits den Geist aufgegeben haben. Die wenigen E-Mobile, die über die Insel rollen, werden von den Testern nur unwillig bewegt: Reichweiten um die 50 Kilometer und Ladezeiten von acht Stunden verleiden jeden Spaß am Auto der Zukunft. Das wird nix, denkt der Autor.

Wien, Spätsommer 2010: Auf einem Parkplatz am Stadtrand steht eine perlweiße Fließhecklimousine, der Opel Ampera. Während seiner Erprobungsfahrten kreuz und quer durch Europa hat der Prototyp an der Donau einen Zwischenstopp eingelegt. Clou des nach Angaben von Hersteller General Motors "revolutionären" Elektroautos ist sein Reichweitenverlängerer – ein kleiner Benzinmotor, der als Generator arbeitet und immer dann Strom produziert, wenn der Akku erschöpft ist. Ausfahrten von bis zu 500 Kilometern sollen so möglich werden. Acht Wochen bevor in den USA die Serienproduktion des Schwestermodells Chevrolet Volt anläuft und etwa 14 Monate vor dem Verkaufsstart des Ampera, darf ich ans Steuer. Wird mich das Auto der Zukunft diesmal überzeugen? Ein Opel-Ingenieur drückt mir den Schlüssel in die Hand. Auf geht's.

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Der viertürige, viersitzige Ampera sieht schon im Stand recht dynamisch aus. Frontscheinwerfer und Nebellichter sind zu einer Bumerang-förmigen Einheit zusammengefasst worden, das sanft abfallende Heck läuft in einem großen Spoiler aus, der sich wie ein Stadiondach über ein schmales Leuchtenband spannt. Keine Frage: Die Designer haben dem 4,40 Meter langen Ampera ein gefälliges Kleid geschneidert, das dem Wind kaum Widerstand bietet und im Unterschied etwa zum Hybridauto Toyota Prius auch eine jugendliche Klientel ansprechen soll. Denen dürften auch die roten, mit Techno-Symbolen verzierten Türverkleidungen zusagen und der mächtige Gangwahlhebel, der an den Schubhebel im Jumbo-Jet erinnert.

Ansonsten kommt der Ampera recht konventionell und sehr alltagstauglich daher: mit bequemen Sitzen und einem Lenkrad wie im Opel Astra, mit hochwertigen Materialien und Oberflächen. Auch die geschwungene Armaturentafel scheint ein alter Bekannter. Ruck, zuck hat man sich zurechtgefunden. Es gibt Schalter für die Klimaregulierung und die Sitzheizung, für Radio und Navigation – der Fahrer dieses Elektromobils muss auf nichts verzichten und auch nicht noch einmal die Fahrschule besuchen.

Der einzige Unterschied zu einem Auto alter Machart: Nach dem Druck auf dem Startknopf auf der Mittelkonsole erfüllt nur leichtes Rauschen die Luft – so laut wie der Lüfter meines Laptops. Lebhafter geht es im leicht flimmernden Zentralinstrument zu: Eine grüne Murmel zeigt rotierend an, dass das Fahrzeug ökologisch korrekt bewegt wird. Eine blaue Murmel leuchtet, wenn Bremsenergie zurückgewonnen wird – und eine rote Murmel erglüht mahnend, wenn der rechte Fuß im Sport-Modus wieder einmal zu kräftig das Gaspedal tritt.

Denn längst haben wir uns auf leisen Sohlen aufgemacht, mit dem Elektroauto Stadt und die Windparks im Umland zu erkunden – ein Elektroauto ist nur so umweltfreundlich wie der Strom, den es tankt. Das Drehmoment des Elektroantriebs ist beeindruckend, der Ampera dennoch alles andere als ein Sportwagen: Die mehr als 220 Lithium-Ionen-Zellen des koreanischen Herstellers LG Chem, die crashsicher in einem t-förmigen Kasten zwischen den Achsen montiert sind, wuchten allein schon 180 Kilogramm auf die Waage. Insgesamt kommt der Wagen auf ein Gewicht von 1800 Kilogramm. Und auch die zwei Motoren auf der Vorderachse machen dieses Elektroauto nicht unbedingt zum Kurvenwiesel. Dafür liegt der Wagen zu satt auf der Straße.

Beeindruckender ist dagegen, wie effektiv dieser fast schon geniale Antrieb die zur Verfügung stehende Energie nutzt: Die ersten 50 Kilometer rollt der Ampera allein mit dem im Akku gespeicherten Strom durch die City. Als die Balken der Ladeanzeige immer weniger und dünner werden (in einem normalen E-Mobil würde man jetzt angstvoll nach der nächsten Ladestation Ausschau halten), springt ruckfrei und beinahe unhörbar der kleine Hilfsmotor an.

Leserkommentare
  1. Das ist doch ein Witz oder?

    Der Autor deutet selbst an, dass sich seit 93 in den Reichweiten nichts verbessert hat, also die Technologie Unsinn im Bereich Mobilität darstellt.

    Nun kommt Opel daher, baut einen handelsüblichen Benziner (Reichweite zwischen 500 und 800km, je nach Gewicht) mit 1,4L und packt noch 180kg Mehrgewicht rein, die nur dazu dienen, dem Fahrer vorzugauckeln, er führe elektrisch.

    Genau so gut könnte man 180kg Luftballons in den Ampera legen und diese mit der vorhandenen Lüftung aufblasen-sicher gäbe es auch dafür verwirrte Besserverdiener, die das kaufen würden.

    Wirklich, offenbar sind E-Auto Kunden nur eines, nämlich mit Abstand der dümmste anzunehmende Käufer.

    Wir sollten besser leichtere Autos bauen, die mit 0,8L Hubraum auskommen und Geschwindigkeitslimits einführen. Zusätzlich intelligentere Straßenführung in der Stadt. Da ließe sich eine Menge einsparen, wenn man einfach nicht überall halten dürfte. Also den Verkehr im Fluss lassen und ein wenig mehr zu Fuss gehen. Lebensmittel könnte man problemlos per Rohrpostsystem verteilen, den Müll auf gleiche Weise entsorgen und und und!

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    • Folko
    • 13. Oktober 2010 21:56 Uhr

    93 waren es Testfahrzeuge.
    Auch heute können ihnen die Hersteller Testfahrzeuge liefern, die elektrisch deutlich weiter als 50km kommen. Aber wie damals sind solche Fahrzeuge nicht marktreif, weil sie meist in Preis, Gewicht und Praktikabilität normalen Endverbraucheren nicht zu verkaufen sind.
    Von daher sollte man vor dem Volt/Ampera schon etwas Respekt haben. Zumal für 80-90% der deutschen Bürger 50km Reichweite am Tag reichen, so dass diese Autos hauptsächlich wirklich nur elektrisch fahren werden.
    Allerdings würde ich mir für den Preis lieber was sportliches wendiges kaufen und warten bis man E-Sport-Autos zu vernünftigen Preisen kriegt.
    Außerdem bleibt es halt ein Opel...

    Bitte äußern Sie Kritik sachlich und konstruktiv. Danke, die Redaktion/fk.

    "Der Autor deutet selbst an, dass sich seit 93 in den Reichweiten nichts verbessert hat, also die Technologie Unsinn im Bereich Mobilität darstellt."

    Man muß schon extrem ideologisiert sein, um so etwas aus diesem Artikel herauszuinterpretieren.
    Tatsache ist, dass die damaligen Bleiakkus für 50-60km Reichweite gute 800kg gewogen haben und wesentlich mehr Platz beansprucht haben.
    Der Volt-Akku wiegt dagegen nur 180kg, und wird wie aus dem Artikel eindeutig hervorgeht nicht vollständig genutzt, d.h. mit seinen 16kWh wäre tatsächlich 100-150km Reichweite möglich.

    Der Volt ist hauptsächlich sinnvoll für Leute, die ihn zu mindestens 75% rein elektrisch fahren und an der Steckdose nachladen können. Wer dauernd Langstrecken fahren muß, fährt mit einem herkömmlichen Hybrid oder Diesel besser.

    Allerdings ist dann fragwürdig, warum GM den Antrieb unnötig verkompliziert hat für angebliche 10-15% Ersparnis im Langstreckenbetrieb, anstatt beim rein seriellen Hybrid zu bleiben.
    Der Kangoo elect'road hatte da die bessere Lösung, bis auf das etwas zu schwache Generatormodul.

  2. Man sollte nicht gleich von "Betrug" reden, aber der amerikanische Technikblog Engadget berichtet bezüglich des baugleichen Schwestermodells Chevy Volt, dass es sich doch um ein Hybridfahrzeug handle, bei dem der Benzinmotor auch die Räder antreiben könne.

    Hier der Link:

    http://www.engadget.com/2...

    Inzwischen hat GM durch Statements Stellung bezogen, die die Recherchen in Teilen bestätigen. Dass der Volt/Ampera ein "reines" Elektroauto sei, kann als Falschaussage bezeichnet werden.

    • elvis99
    • 13. Oktober 2010 20:50 Uhr

    wie vollmundig der Opel angepriesen wird, und wie schlecht hingegen der Prius wegkommt. Liegt es vielleicht daran, dass Opel eine "deutsche" Marke ist und Toyota "nurn Japse" ?

  3. Der Ampere ist ein Hybrid, kein fast schon geniales Elektroauto mit süßem kleinem Hilfsmotor (mit 1,4 Liter, die die Räder auch direkt antreiben können, lol!)...

    Ist doch gut und durchaus eine Meldung, dass Opel einen Hybrid bringt. Warum muss die Berichterstattung so überzogen sein?

    • Folko
    • 13. Oktober 2010 21:56 Uhr

    93 waren es Testfahrzeuge.
    Auch heute können ihnen die Hersteller Testfahrzeuge liefern, die elektrisch deutlich weiter als 50km kommen. Aber wie damals sind solche Fahrzeuge nicht marktreif, weil sie meist in Preis, Gewicht und Praktikabilität normalen Endverbraucheren nicht zu verkaufen sind.
    Von daher sollte man vor dem Volt/Ampera schon etwas Respekt haben. Zumal für 80-90% der deutschen Bürger 50km Reichweite am Tag reichen, so dass diese Autos hauptsächlich wirklich nur elektrisch fahren werden.
    Allerdings würde ich mir für den Preis lieber was sportliches wendiges kaufen und warten bis man E-Sport-Autos zu vernünftigen Preisen kriegt.
    Außerdem bleibt es halt ein Opel...

    Antwort auf "Aprilscherz?"
  4. ... sind eine Art "Stockholm-Syndrom", unter dem die Mehrzahl der Motorjournalisten leidet: Sie solidarisieren sich mit den Leuten, die sie für anderthalb Tage in Luxushotels in Geiselhaft halten, und berichten so, daß sie sichergehen können, auch beim nächsten Mal wieder auf dem Verteiler zu stehen – dabei außer acht lassend, daß sie mit derlei Sykophanterei weder sich noch ihren Geiselnehmern letztendlich Gutes tun. Wie hat's mal einer beim Warten auf den Shuttle zum Flughafen auf der Hotelterrasse an der Costa Brava auf den Punkt gebracht: "WEnn mei Mütterle mich hätt was Gscheits lerna lassa, missert i net jetzt mitten im Winter am Mittelmeer hocka und Champagner saufa ..."

  5. Ach ja, wieder ist gleich die Skeptiker-Armada unter vollen Segeln im Anmarsch.
    Mit solch forscher Sicht, haben sich die Innovations-Ignoranten auch vor 15 Jahren nicht vorstellen können, dass man 2010 nicht mehr mit einem teuren Riesenkolben am Ohr unterwegs ist, sondern es eine Riesenauswahl an "Handys" geben wird, die bequem in eine Kinderhand passen, fast nix mehr kosten u. außer rasieren schier alles können.
    Somit: Geduld, Geduld - auch das Elektroauto wird noch seinen riesigen Zukunftsmarkt haben.

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    "eine Riesenauswahl an "Handys" geben wird, die bequem in eine Kinderhand passen, fast nix mehr kosten u. außer rasieren schier alles können."

    Das ist ja richtig, genau so ist es möglich, irgendwann Elektroautos mit Klimaanlage, Sitzverstellung, Sitzheizung, Infotainmentsystemen und und und auszustatten-nur weiter fahren wird man damit dann nicht können.

    Beim Handy sehen Sie doch, dass die Akkuentwicklung bereits perfektioniert ist und keine weiteren Sprünge machen wird.

    Handies können heute viel mehr, aber sie müssen auch viel öfter an die Steckdose. Die Gesprächszeiten sind nahezu identisch. Mancher bringt es gar auf mehr Ladezeit, denn auf reine Nutzungszeit.

    Und viele E-Mobilenthusiasten können sich wohl nicht vorstellen, dass es in 20 Jahren Verbrennungsmotoren geben wird, die mit 1L auskommen werden, bei entsprechend abgespeckten Autos. Das ist die Zukunft, nicht die E-Mobilität. Weil bei letzterer nur der Strom Mobil ist, der Fahrzeughalter indes ist immobil.

    • Guido3
    • 14. Oktober 2010 9:38 Uhr

    Wir sehen gerade die erste Generation solcher Fahrzeuge. Es ist typisch für erste Generationen, dass die Technik noch nicht perfekt ausgereift ist und das Early Adopters einen hohen Preis zahlen. In 5-10 Jahren wird Technik ausgereift sein. Und wenn die Fahrzeuge sich gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor unter dem Strich rechnen, werden sie auch großen Erfolg am Markt haben.

    Im Moment sind wir davon leider noch meilenweit entfernt. Das Fahrzeug kostet etwa 15.000 EUR mehr als ein Opel Astra mit Verbrennungsmotor. Bei einer durchschnittlichen Fahrleitung von 13.000 km p.a. wird man mit dem Ampera jährlich etwa 800 EUR an Betriebskosten gegenüber dem Astra sparen (Sprit Steuer). Das rechnet sich nicht. Berücksichtigt man, dass die meisten Fahrzeuge finanziert werden, so fressen die Kosten für die Finanzierung von zusätzlichen 15.000 EUR Kaufpreis die Einsparungen bei den Betriebskosten schon fast auf.

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