BiokraftstoffHeiße Debatten ums grünere Benzin

Drei Jahre nach dem geplanten Start kommt E10 nun doch: Benzin mit zehn Prozent Bioethanol. Der ADAC hat keine Einwände mehr, doch Umweltschützer üben scharfe Kritik.

Der Verband deutscher Biokraftstoffhersteller wehrt sich gegen Kritik von Greenpeace. Nach Ansicht der Umweltschützer bringt Biosprit dem Weltklima mehr Schaden als Nutzen

Der Verband deutscher Biokraftstoffhersteller wehrt sich gegen Kritik von Greenpeace. Nach Ansicht der Umweltschützer bringt Biosprit dem Weltklima mehr Schaden als Nutzen

Jahrzehntelang waren Erdöl und die daraus gewonnenen Treibstoffe so günstig, dass Alternativen, mit denen bereits die Pioniere der Automobilgeschichte experimentiert hatten, nicht interessant waren. Erst nach mehreren Ölkrisen und Warnungen vor dem drohenden Klimawandel durch den rasant ansteigenden Kohlendioxidausstoß besann man sich in den Industrienationen auf pflanzliche Energielieferanten: Alternative Kraftstoffe wie Bioethanol und Biodiesel kamen als Hoffnungsträger aufs politische Tableau. Der Sprit vom Feld sei nahezu klimaneutral, priesen die Befürworter. Bei der Verbrennung im Motor würde nur etwa so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen der Atmosphäre während ihres Wachstums durch den Prozess der Photosynthese entzogen haben.

Seit 1989 ist Bioethanol in Deutschland normiert, fließt aber erst seit 2004 in nennenswertem Umfang in bundesdeutsche Autotanks – in der Regel auch nur in kleinen Beigaben zum Superbenzin. Höhere Dosierungen wie "E85", Ottokraftstoff mit 85-prozentigem Ethanolanteil, beschädigen die Leitungen von herkömmlichen Benzinfahrzeugen und werden nur von speziell für den Alternativtreibstoff entwickelten Antrieben vertragen. Bislang dürfen die Mineralölkonzerne maximal fünf Prozent Bioethanol zum Benzin mengen. "E5" heißt die Mischung, die von allen Benzinfahrzeugen vertragen wird. 

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Bioethanol

Schon die Pioniere der Automobilgeschichte experimentierten mit anderen Antriebsstoffen als mit Benzin. Nikolaus August Otto, Erfinder des Verbrennungsmotors, trieb den ersten Prototypen mit Äthylalkohol an, und Henry Ford legte sein berühmtes T-Modell, das Amerikas Massen mobilisieren sollte, zunächst auch für den Antrieb mit Agraralkohol aus. Allerdings setzte sich nach dem Ersten Weltkrieg der Antrieb mit Benzin sowie Dieselmotoren durch.

Äthylalkohol oder Spiritus ist nichts anderes als Ethanol, eine klare, leichtentzündliche Flüssigkeit mit der chemischen Formel C2H5OH. Bioethanol ist Ethanol, der durch die Fermentierung von Pflanzen mit hohem Zucker- oder Stärkegehalt gewonnen wird. Hierzulande werden dafür meist Weizen oder Zuckerrüben genutzt, außerhalb Europas vor allem Mais und Zuckerrohr.

Gleichwohl wurden die Anbieter verpflichtet, den Bioanteil ihrer Produktpalette schrittweise anzuheben. Die EU, die seit 2003 Biokraftstoffe fördert, gibt dazu Richtlinien mit Mindestzielmarken vor, die von den Mitgliedstaaten – mit einigen Ausgestaltungsfreiheiten – umzusetzen sind. Um die Bioprodukte aus der Zapfsäule attraktiv zu machen, erlaubt die EU den Mitgliedstaaten auch, die Alternativkraftstoffe teilweise oder ganz von der Mineralölsteuer zu befreien.

Ergebnis soll letztlich sein, Diesel und Benzin schrittweise durch Treibstoffe auf Pflanzenbasis zu ersetzen. Das aktuelle Ziel lautet, den Anteil des aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugten Treibstoffs im Verkehr bis 2020 auf zehn Prozent zu steigern. Dem folgt Deutschland nun mit einer neuen Kraftstoffsorte, die ab 2011 an den Zapfsäulen erhältlich ist: "E10", Superbenzin mit zehnprozentigem Ethanolanteil.

Das Startsignal dafür hatte bereits vor drei Jahren der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) geben wollen – er stoppte sein Vorhaben aber, weil die Autofahrerfraktion gegen die Pläne Sturm lief. "Damals war geplant, E5 apodiktisch durch E10 zu ersetzen", sagt Maximilian Maurer vom ADAC. Mindestens zwei Millionen der benzinbetriebenen Pkw in Deutschland könnten diese Höherdosierung aber nicht vertragen, protestierte der Automobilclub. Durch die Umstellung auf E10 zwinge man Millionen von Autofahrern, zum teureren Super Plus zu greifen.

Nun wird es an den deutschen Tankstellen neben E10 bis auf weiteres auch Super mit fünfprozentigem Ethanolanteil geben – ohne dass der Verbraucher dafür gravierende Preisnachteile hinnehmen muss. Unklarheit besteht laut ADAC jetzt aber noch in der Frage, woran sich überhaupt erkennen lässt, welches Fahrzeug E10 verträgt und welches nicht. Im Zweifel sollte man die von den Herstellern geplanten Telefonhotlines nutzen und sich dort über die E10-Verträglichkeit des eigenen Autos informieren, rät der Automobilclub.

Leserkommentare
  1. Treibstoffe aus Mist oder Pflanzenteilen waren schon im ersten Anlauf eine mistige Idee für eine großangelegt Grundversorgung. Der erforderliche Aufwand steht in keinem Verhältnis zu dem Ergebnis.

    Daran wird sich auch weiter nichts ändern, es bleibt ein Irrweg. Die Zukunft für Autos liegt beim Strom.

    • Atan
    • 22.11.2010 um 8:28 Uhr

    doch, welche politischen Kräfte diesen ineffizienten Unsinn überhaupt vorantreiben. Dass es keine ökologischen Vorteile bietet dürfte klar sein: die Herkunft der Rohstoffe ist beliebig verschleierbar, denn der Ökosprit stammt dann im Zweifelsfall immer von vor 2008 umgebrochenen Wäldern, während auf den neuen Flächen die dort verdrängten Lebensmittel angebaut werden. Die Folge ist IMMER, dass ökologisch wertvolle Flächen mit hoher CO2-Bindung zugunsten ökologisch minderwertigem Ackerland vernichtet werden.
    Dass solche eigentlich ziemlich banale Überlegungen zugunsten des teuren Agrarsprits ignoriert werden, setzt doch zahlreiche und einflußreiche bürokratisch-politische Gruppen sowohl national als auch auf EU-Ebene voraus: also cui bono? Ist eine relativ neue Branche die Biospriterzeuger so schnell so mächtig? Geht es eigentlich um die Fortsetzung des gewohnten Mobilitätskonzepts bei sinkenden Ölvorräten um jeden Preis? Oder sind die verantwortlichen Beamten und Politiker eben grundsätzlich zu unbelehrbar, um solche agrarwirtschaftlichen Zusammenhänge zu erkennen?

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  2. ..daß wir ganz einfach über unsere Verhältnisse leben. Weder Biosprit noch erneuerbarar Strom wird kurz- oder mittelfristig die immensen Energiemengen bereitstellen können, die unser Lebensstil auch nur für Transportzwecke benötigt. Sehen Sie sich nur die täglichen Blechlawinen an, und China und Indien stehen erst am Anfang der Entwickung.
    Die einzige Chance, hier mittelfristig eine nachhaltige Situation zu erreichen ist eine radikal- drastische Reduzierung und vollständige Umstellung des Lebensstiles. Keine motorisierte Pendelei, keine Wochenend- Flugreisen, Fahrradfahren, lokale Produkte kaufen und öffentlichen Transport nutzen.
    Dies alles bedeutet Umstellung des gewohnten Lebensstiles und auch Komforteinbußen. Aber glauben wir wirklich, daß die ganze Welt so leben kann wie wir heute, ohne daß das Ökosystem zusammenbricht? Also besser heute anfangen, den Gürtel enger zu schnallen, und dafür schrittweise. Auch wenns zwickt, aber je fetter die Wampe, desto mehr zwickt es eben..

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    Im Prinzip alles plausibel. Nur dass sich solche Rückwärts-Entwicklungen nicht in der Realität vollziehen lassen - da macht keiner mit, auch wenn es intellektuell noch so anziehend scheinen mag. Und eine Art Öko-Diktatur in westlichen Staaten, wie sie ja manchem ja vorschwebt, wäre nicht überlebensfähig gegenüber Riesenstaaten wie China, Indien, Brasilien oder Indonesien und andere, die sich alle einen Dreck um ökologisch korrektes Handeln scheren.
    In Null komma Nichts wären wir von der Erdoberfläche verschwunden.

    Auf dem Level der primitiven Stammesgesellschaft und bei einer Gesamtweltbevölkerung von deutlich unter 1 Milliarde hat der Mensch noch klimafreundlich leben können, oder, anders ausgedrückt, mit Beginn der technischen Zivilisation war's vorbei mit der Unschuld.
    Und seither geht's mit der Population und dem sogenannten Fortschritt (von fort schreiten - fort vom natürlichen, dem Menschen angemessenen Daseinszustand nämlich)unaufhörlich weiter Richtung Apokalypse.
    Erst eine globaler Rückschlag für die Spezies Mensch à la Sintflut wird da weiterhelfen können.
    Aber selbst daran arbeiten wir ja fleißig - schaffen wir auch noch, diesmal noch vor dem Eingreifen höherer Instanzen, da bin ich zuversichtlich.
    Das wirklich bedauerliche Element dabei ist die Einbeziehung anderer Arten, die nun wirklich gar nichts dafür können, dass der Mensch spinnt.

    Im Prinzip alles plausibel. Nur dass sich solche Rückwärts-Entwicklungen nicht in der Realität vollziehen lassen - da macht keiner mit, auch wenn es intellektuell noch so anziehend scheinen mag. Und eine Art Öko-Diktatur in westlichen Staaten, wie sie ja manchem ja vorschwebt, wäre nicht überlebensfähig gegenüber Riesenstaaten wie China, Indien, Brasilien oder Indonesien und andere, die sich alle einen Dreck um ökologisch korrektes Handeln scheren.
    In Null komma Nichts wären wir von der Erdoberfläche verschwunden.

    Auf dem Level der primitiven Stammesgesellschaft und bei einer Gesamtweltbevölkerung von deutlich unter 1 Milliarde hat der Mensch noch klimafreundlich leben können, oder, anders ausgedrückt, mit Beginn der technischen Zivilisation war's vorbei mit der Unschuld.
    Und seither geht's mit der Population und dem sogenannten Fortschritt (von fort schreiten - fort vom natürlichen, dem Menschen angemessenen Daseinszustand nämlich)unaufhörlich weiter Richtung Apokalypse.
    Erst eine globaler Rückschlag für die Spezies Mensch à la Sintflut wird da weiterhelfen können.
    Aber selbst daran arbeiten wir ja fleißig - schaffen wir auch noch, diesmal noch vor dem Eingreifen höherer Instanzen, da bin ich zuversichtlich.
    Das wirklich bedauerliche Element dabei ist die Einbeziehung anderer Arten, die nun wirklich gar nichts dafür können, dass der Mensch spinnt.

  3. Gravierend sind auch die Konseqzenzen ausserhalb Deutschlands oder der EU:
    Biosprit wird dann auch gerne aus tropischen Rohstoffen bezogen, also Palmöl oder Sojaöl. Dafür wird dann Unmengen an Regenwald abgeholzt und Leute hungern neben vollen Feldern.

    4 Leserempfehlungen
  4. .
    Natürlich müssen die Bio-Produkte aus der EU kommen nicht nicht von abgeholzten Regenwäldern!

    Das nützt der Umwelt und den EU-Landwirten!

    Wir haben doch genügend EU-Beamte die das kontrollieren können (anstatt Bananen und Gurken zu vermessen)!

    ..

    • 2eco
    • 22.11.2010 um 10:37 Uhr

    Ich verstehe nicht wieso die Politiker nicht begreifen, was sie mit diesem Beschluss verursachen.

    Wie schon erwähnt, werden für den tollen Biosprit Waldflächen gerodet. Die Erzeugnisse werden dann noch per Schiff nach Europa transportiert. Ich glaube kaum, dass unterm Strich eine positivere Umweltbilanz entsteht, eher im Gegenteil.

    Das perverse daran ist, dass die Weltbevölkerung stetig wächst und die Agrarflächen schrumpfen. Als wäre die Situation nicht schon ernst genug, verbrennen wir die Erzeugnisse in unseren Autos, während Millionen von Menschen durch Hungersnot sterben.

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    So aehnlich kommt mir die politik inzwischen vor. Anscheindend hat hier die Agrarlobby ordentlich Druck gemacht, damit so ein Unsinn Gesetz werden konnte.
    Die Millionen Hungertote betreffend: Die gibt es leider auch so oder so, egal ob nun Pflanzen fuer Biokraftstoffe angebaut werden oder nicht. Die Armen haben erstens nicht die Macht gegen die Grossgrundbesitzer vorzugehen, und zweitens nicht das Geld sich das Essen auf dem Weltmarkt zu besorgen, wo Rohstoffspekulanten die Preise in die Hoehe treiben. Alles in allem wieder Politik von den Maechtigen fuer die Maechtigen. Business as usual...

    So aehnlich kommt mir die politik inzwischen vor. Anscheindend hat hier die Agrarlobby ordentlich Druck gemacht, damit so ein Unsinn Gesetz werden konnte.
    Die Millionen Hungertote betreffend: Die gibt es leider auch so oder so, egal ob nun Pflanzen fuer Biokraftstoffe angebaut werden oder nicht. Die Armen haben erstens nicht die Macht gegen die Grossgrundbesitzer vorzugehen, und zweitens nicht das Geld sich das Essen auf dem Weltmarkt zu besorgen, wo Rohstoffspekulanten die Preise in die Hoehe treiben. Alles in allem wieder Politik von den Maechtigen fuer die Maechtigen. Business as usual...

  5. Im Prinzip alles plausibel. Nur dass sich solche Rückwärts-Entwicklungen nicht in der Realität vollziehen lassen - da macht keiner mit, auch wenn es intellektuell noch so anziehend scheinen mag. Und eine Art Öko-Diktatur in westlichen Staaten, wie sie ja manchem ja vorschwebt, wäre nicht überlebensfähig gegenüber Riesenstaaten wie China, Indien, Brasilien oder Indonesien und andere, die sich alle einen Dreck um ökologisch korrektes Handeln scheren.
    In Null komma Nichts wären wir von der Erdoberfläche verschwunden.

    Auf dem Level der primitiven Stammesgesellschaft und bei einer Gesamtweltbevölkerung von deutlich unter 1 Milliarde hat der Mensch noch klimafreundlich leben können, oder, anders ausgedrückt, mit Beginn der technischen Zivilisation war's vorbei mit der Unschuld.
    Und seither geht's mit der Population und dem sogenannten Fortschritt (von fort schreiten - fort vom natürlichen, dem Menschen angemessenen Daseinszustand nämlich)unaufhörlich weiter Richtung Apokalypse.
    Erst eine globaler Rückschlag für die Spezies Mensch à la Sintflut wird da weiterhelfen können.
    Aber selbst daran arbeiten wir ja fleißig - schaffen wir auch noch, diesmal noch vor dem Eingreifen höherer Instanzen, da bin ich zuversichtlich.
    Das wirklich bedauerliche Element dabei ist die Einbeziehung anderer Arten, die nun wirklich gar nichts dafür können, dass der Mensch spinnt.

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  6. "Unklarheit besteht laut ADAC jetzt aber noch in der Frage, woran sich überhaupt erkennen lässt, welches Fahrzeug E10 verträgt und welches nicht. Im Zweifel sollte man die von den Herstellern geplanten Telefonhotlines nutzen und sich dort über die E10-Verträglichkeit des eigenen Autos informieren, rät der Automobilclub."

    Also ich habe mal bei einem Mercedes-Benziner älteren Baujahrs rausfinden wollen, ob der Motor schon mit Hydrostösseln ausgerüstet ist oder nicht. Nach erfolglosen Versuchen bei den Werksniederlassungen Berlin und München habe ich Stuttgart direkt kontaktiert - und bekam drei verschiedene Aussagen zu ein und derselben Motorkennzahl. Bei einem Diesel des gleichen Modells war ein Differential verbaut, dass es laut Werksunterlagen eigentlich gar nicht hätte geben dürfen - "muss ein Prototyp gewesen sein".

    BMW in München konnte mir bezüglich eines elektronischen Bauteils für ein jüngeres Modell auch nicht helfen - Ersatzteilnummer unbekannt.

    Audi hat mir beharrlich auch dreimal das falsche Ersatzteil für ein relativ neues Modell verkaufen wollen. Ford konnte mir ebenso nicht helfen mit einem Relais - erst der Autoverwerter wußte, welches bei dem Modell verbaut worden war.

    Der einzige Autohersteller, von dem ich bisher (sogar telefonisch) eine verbindliche und vor allem zutreffende Auskunft erhalten habe, war Toyota, auch hinsichtlich der
    E 10-Verträglichkeit.

    Es ist nicht weit her mit dem Kenntnisstand der Autohersteller über ihre eigenen Erzeugnisse...

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