ElektroautoEin echter Stromer

Anders als andere Hersteller bringt Nissan schon das erste wirklich neu entwickelte Elektroauto. Doch auch der Leaf kämpft mit dem Zweitwagen-Status. von Sebastian Viehmann

Wird man sich in 20 Jahren noch daran erinnern, wie ein Verbrennungsmotor klingt? Im Cockpit des Nissan Leaf herrscht auch während der Fahrt eine wohltuende Stille, zusammen mit der ruckfreien Beschleunigung macht sie den Weg durch die Stadt fast zur Entspannungstherapie. Steht man dann plötzlich an der Ampel neben einem brummenden Laster, kommt einem dieses Geräusch fast wie ein Fremdkörper vor. Dagegen ist der Leaf so leise, dass unterhalb von 30 km/h Lautsprecher unter der Haube einen künstlich erzeugten Surrton von sich geben, um Fußgänger zu warnen.

Im Leaf arbeitet ein flüsterleiser Wechselstrom-Synchronmotor mit einer Maximalleistung von 80 kW (109 PS), gespeist von einem Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 24 Kilowattstunden und einer Spannung von 345 Volt. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Stromer in 11,9 Sekunden, im Sprint aus dem Stand bis City-Tempo lässt er viele Verbrenner hinter sich.

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Der Schwerpunkt des Japaners, der mit knapp 1,6 Tonnen soviel auf die Waage bringt wie ein Mittelklassewagen, liegt durch die Anordnung der Batterien weit unten. Der Fahrkomfort ist gut, wenn man einmal von der bei kurzen Bodenwellen trampelnden Hinterachse absieht. In schnellen Kurven schiebt der Leaf mächtig über die Vorderräder und erreicht rasch die Eingriffsschwelle des ESP, eine starke Wankneigung legt das Auto allerdings nicht an den Tag. Beim Bremsen wird rekuperiert, also Bremsenergie zurückgewonnen, erst bei größerem Pedaldruck greifen die Bremsscheiben ins Geschehen ein.

In wenigen Wochen werden die ersten Nissan Leaf an die Kunden ausgeliefert. Der 4,45 Meter lange Fünfsitzer hat ein gutes Platzangebot, auch wenn die Kniefreiheit im Fond für Erwachsene nicht üppig bemessen ist. Der Kofferraum ist mit 330 Litern kaum kleiner als beim VW Golf. Bei umgeklappten Rücksitzen beträgt das Fassungsvermögen 680 Liter, eine dicke Strebe vor den Rücksitzen schränkt die Nutzbarkeit ein. Die Hartplastikflächen im Cockpit wirken lieblos, dafür ist die Bedienung kinderleicht. Mit einem großen runden Knopf wählt man die Stufen Parken, Vorwärts oder Rückwärts, nach einem Druck auf den Startknopf ist der Motor bereit.

Während viele Stromer auf gewöhnlichen Benzinern basieren, wurde der Nissan Leaf von vornherein als Elektroauto entwickelt. Hier gab der Elektroantrieb vor, wie das Auto drumherum aussehen sollte. So gibt es nicht nur ein paar Zusatzinstrumente, die den Batteriestand anzeigen, sondern eine umfangreiche und leicht verständliche Informationsarchitektur. Diagramme zeigen an, welche Verbraucher gerade wie viel Strom zehren und wie viele Kilometer Reichweite man beispielsweise gewinnt, wenn man sofort die Klimaanlage ausstellen würde.

Denn die Reichweite bleibt das Damoklesschwert, das über allen Elektrofahrzeugen schwebt. Die versprochenen 160 Kilometer Reichweite schafft der Leaf zwar mühelos – aber nur im dichten Stadtverkehr mit einem Schnitt um 25 km/h. Bei durchschnittlich 45 km/h und aktivierter Klimaanlage schmilzt die Reichweite laut Nissans Beispielrechnung schon auf 113 Kilometer, bei 80 km/h sind es nur noch 76 Kilometer. Heizung und Klimaanlage nagen zusätzlich am Kilometervorrat.

Leserkommentare
    • TomKaKr
    • 02. November 2010 8:08 Uhr

    Grundsätzlich finde ich es gut, das es mittlerweile Elektrofahrzeuge gibt. Als Großstädter und überwiegender Kurzstrecken-Fahrer kann ich mir den Kauf eines solchen Fahrzeuges vorstellen.

    Aber warum sind die meisten Elektroautos so potthässlich. Warum formt man die Bleche nicht einfach schöner und gefälliger.

    So wie der Wagen gestaltet ist, wird das kein Verkaufsrenner.

  1. Klar, 35000€ sind einfach zu teuer. Wenn ich aber sehe, dass dieser Wagen dank staatlicher Förderung in Kalifornien nur so um die 18000$ kostet, kriege ich einen abdreher, wenn ich daran denken muss, dass unsere "Umweltprämie" für so ein Schwachsinn wie Verbrenner drauf gegangen ist.

    Für 18000$, bzw. 15000€ würde ich mir den Wagen sofort kaufen.

  2. Bei dieser alltagstauglichen Konstruktion und Anordnung der Ladebuchse ist in Nordeuropa sowieso nur wenige Wochen im Jahr gefahrloses Laden möglich.

    Wo sind eigentlich diese ominösen Städte, bei denen man durchschnittlich nur 25kmh fährt? Bei mir in der City sind 56kmh pflicht, sonst wird man angehupt. Im Durchschnitt kommt man hier locker auf 45kmh, habs auch nirgends anders erlebt. Auf dem Dorf oder Überland schonmal untauglich, Schnellladestationen wirds da auch nicht geben.

    Ist in der Megacity der Bus nicht sowieso schneller, als das Emobil?

    • Zack34
    • 02. November 2010 13:38 Uhr
    Antwort auf "Ab nach Kalifornien"
  3. Also, auf einen Seite argumentative Stärken kritisieren und auf der anderen ein paar leere Fakten bringen um seine argumentative Meisterleistung zu präsentieren.

    "denn bei Schnelladung verringert sich ihre Lebensdauer ungefähr um das Zehnfache. "

    "Danach sind sie (ob schnellgeladen oder nicht) nur Sondermüll und müssen kostenpflichtig und teuer entsorgt"

    Wo habe sie das her? Aus einem Lobbyprospekt der Ölindustrie? Kleiner Hinweis, glauben sie nicht alles, was in diesen Blättchen geschrieben wird.

    Und dann noch dieser schicke Hinweis, dass sie "auch Radfahren". Ich bin beeindruckt.

    Egal, welchen Verbrenner sie nehmen. Alle sind sie Laut und verpesten die Umwelt mit ihren Abgasen. Kleine Empfehlung: Fahren sie mal mit dem Liegerad durch die Stadt und sie werden am eigenen Leib die Umweltschonung der Verbrennerautos kennen lernen. Klar, können sie sagen, selber Schuld, wer in der Stadt mit dem Liegerad fährt. Kann man ja ein normales nehmen. Nur was sollen Kinder machen? Auf Stelzen laufen?

    Verbrennerautos gehören aus den Städten verbannt. Auf dem Land und der Autobahn, wo kein Schwein lebt, gerne. Aber nicht da, wo viele Menschen auf engsten Raum unter den Autos leiden müssen.

    Nachtrag: Zu ihren 20000€. In der USA kostet der Leaf ungefähr 30000$, in Kalifornien bekommt man 12500$ Förderung. D.h. umgerechnet würde ich mich mit einer Förderung von 8500€ zufrieden geben.

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    • Zack34
    • 02. November 2010 15:42 Uhr

    Zitat: "Also, auf einen Seite argumentative Stärken kritisieren...

    Nö, von "argumentativer Stärke" war leider nicht viel zu sehen.

    Zitat: "Wo haben sie das her? Aus einem Lobbyprospekt der Ölindustrie?"

    Schon wieder - woher wußten Sie es? ;-))


    Zur Beladung, siehe:
    http://www.google.de/sear...

    Zur Entsorgung gilt nach wie vor das gleiche, wie bei anderen Batterien, d.h. die Dinger sind gesondert zu entsorgen und sind in der Umwelt freigesetzt (/liegengelassen) schlicht Gift, soweit die trockenen Fakten, Quellen sind unerschöpflich, siehe Hinweise auf Produktverpackungen oder bei Wikipedia.

    Hätten Sie meine anderen Beiträge im "Auto"-Ressort gelesen, so wüssten Sie, dass Ihre Vermutungen völlig ins Leere gehen. Nebenbei: ich würde am liebsten ein H-Auto fahren, ja einen echten Verbrenner, der - siehe das - ganz und gar nicht stinkt, obwohl ein wenig laut darf er sein, bei soviel heißer Luft, die er hinten ausstoßt... ;-)


    Zitat:
    Egal, welchen Verbrenner sie nehmen. Alle sind sie Laut und verpesten die Umwelt mit ihren Abgasen.


    Das stimmt so nur ansatzweise. Allerdings kommen die meisten Abgase aus den Haushalten/Heizungen und Verstromung fossiler Energieträger, zumindest in der BRD.


    Zitat:
    Kleine Empfehlung: Fahren sie mal mit dem Liegerad durch die Stadt, und...


    Nein Danke, für so was braucht man wirklich kein Liegerad (sic!) fahren. Das kriegt man auch so mit. Ich lebe mitten in der Stadt und erledige so gut wie alles mit dem Fahrrad, täglich. Zu Arbeit aber muss ich mit dem Auto fahren, es sind 60km einfache Entfernung jeden Tag.

    Und noch was - ich hätte persönlich nichts gegen die totale Verbannung der fossilen Verbrenner aus den urbanen Räumen, wenn das dort keinen Stillstand mit sich brächte. Aber wie oben schon gesagt, selbst wenn, dann wäre damit nur ein Teil des Umweltproblems gelöst...


    Zu Zahlen: das sind Ihre und nicht meine Zahlen, Sie haben die 35000€ erwähnt und im gleichen Zug mit der sog. Umweltprämie behauptet für 15000€ würden Sie das E-Auto kaufen. Da kann auch ein Schulkind ausrechnen, dass dafür eine, von Ihnen erwünschte staatliche Förderung/Umweltprämie in Höhe der Differenz nötig sei. Egal, nehmen wir an, Sie hätten "nur" die 8.500€ verlangt - meine Frage von vorher nach dem Sinn einer solchen gewaltigen Subvention steht trotzdem.


    Zumal: für den Strom Ihres neuen E-Autos geht einiges an hässlichen Rauchschwaden in die Luft, von hässlichen Löchern in der Landschaft ganz zu schweigen. Aber die sieht man in der Stadt meist nicht.

    Freundliche Grüße
    Zack34

  4. Studien belegen zwar, dass die täglich durchschnittlich zurückgelegte Fahrdistanz innerhalb der Reichweite der Elektroautos liegt.
    Auch für mich würde ein Elektroauto reichen, da ich im Monat vielleicht 200-300km zurück lege.
    Aber und hier kommt das große Manko: Ich wohne in einer Appartmentwohnung zur Miete. Mein Stellplatz ist in einer Tiefgarage. Keine Tiefgarage, die ich kenne, ist mit einer eigenen Stromversorgung ausgerüstet. Noch dusterer sieht es aus mit "Draussenparkern". D. h. das über Nacht laden entfällt für ca. 40 - 50 % der autofahrenden Bevölkerung.
    Wie sich die Akkus bei längerer Standzeit verhalten ist auch noch etwas, was mir als zukünftigem E-Autofahrer sorgen machen würde.

    Alles in allem werden E-Autos allenfalls ein Nischenprodukt bleiben und sehr schnell von der nachfolgenden Generation von Fahrzeugen (Brennstoffzelle?) abgelöst werden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Aber und hier kommt das große Manko: Ich wohne in einer Appartmentwohnung zur Miete. Mein Stellplatz ist in einer Tiefgarage. Keine Tiefgarage, die ich kenne, ist mit einer eigenen Stromversorgung ausgerüstet."

    Keine Tiefgarage, die ich kenne, wird noch mit Fackeln beleuchtet.
    Strom ist also schon mal da, der Rest ist kein technisches sondern eher ein rechtliches Problem, da es (noch!) keine Verpflichtung für Hausbesitzer gibt Mietern die Installation einer Ladevorrichtung zu gestatten.

    "Noch dusterer sieht es aus mit "Draussenparkern". D. h. das über Nacht laden entfällt für ca. 40 - 50 % der autofahrenden Bevölkerung."
    Können Sie diese Zahlen mit irgendwelchen Statistiken belegen? Sonst sind sie nichts weiter als eine wertlose Phantasiebehauptung.

    Außerdem, welches Naturgesetz verhindert z.B. die Installation von Ladeeinrichtungen auch für Laternenparker?
    Gaslaternen gibt es nur noch wenige, und solche Stromanschlüsse sind in skandinavischen Ländern längst verbreitet. Weniger für E-Autos, sondern zur Vorwärmung von Verbrennungsmotoren im Winter.

    "Alles in allem werden E-Autos allenfalls ein Nischenprodukt bleiben und sehr schnell von der nachfolgenden Generation von Fahrzeugen (Brennstoffzelle?) abgelöst werden."
    Und wo kommt der Wasserstoff für die vielen schönen GeldverBrennstoffzellen her?
    Aus Erdgas? Damit betreibt man besser Verbrennungsmotoren, ist effizienter.
    Aus Strom? Den lädt man besser in Akkus, ist effizienter.

    • Zack34
    • 02. November 2010 15:42 Uhr

    Zitat: "Also, auf einen Seite argumentative Stärken kritisieren...

    Nö, von "argumentativer Stärke" war leider nicht viel zu sehen.

    Zitat: "Wo haben sie das her? Aus einem Lobbyprospekt der Ölindustrie?"

    Schon wieder - woher wußten Sie es? ;-))


    Zur Beladung, siehe:
    http://www.google.de/sear...

    Zur Entsorgung gilt nach wie vor das gleiche, wie bei anderen Batterien, d.h. die Dinger sind gesondert zu entsorgen und sind in der Umwelt freigesetzt (/liegengelassen) schlicht Gift, soweit die trockenen Fakten, Quellen sind unerschöpflich, siehe Hinweise auf Produktverpackungen oder bei Wikipedia.

    Hätten Sie meine anderen Beiträge im "Auto"-Ressort gelesen, so wüssten Sie, dass Ihre Vermutungen völlig ins Leere gehen. Nebenbei: ich würde am liebsten ein H-Auto fahren, ja einen echten Verbrenner, der - siehe das - ganz und gar nicht stinkt, obwohl ein wenig laut darf er sein, bei soviel heißer Luft, die er hinten ausstoßt... ;-)


    Zitat:
    Egal, welchen Verbrenner sie nehmen. Alle sind sie Laut und verpesten die Umwelt mit ihren Abgasen.


    Das stimmt so nur ansatzweise. Allerdings kommen die meisten Abgase aus den Haushalten/Heizungen und Verstromung fossiler Energieträger, zumindest in der BRD.


    Zitat:
    Kleine Empfehlung: Fahren sie mal mit dem Liegerad durch die Stadt, und...


    Nein Danke, für so was braucht man wirklich kein Liegerad (sic!) fahren. Das kriegt man auch so mit. Ich lebe mitten in der Stadt und erledige so gut wie alles mit dem Fahrrad, täglich. Zu Arbeit aber muss ich mit dem Auto fahren, es sind 60km einfache Entfernung jeden Tag.

    Und noch was - ich hätte persönlich nichts gegen die totale Verbannung der fossilen Verbrenner aus den urbanen Räumen, wenn das dort keinen Stillstand mit sich brächte. Aber wie oben schon gesagt, selbst wenn, dann wäre damit nur ein Teil des Umweltproblems gelöst...


    Zu Zahlen: das sind Ihre und nicht meine Zahlen, Sie haben die 35000€ erwähnt und im gleichen Zug mit der sog. Umweltprämie behauptet für 15000€ würden Sie das E-Auto kaufen. Da kann auch ein Schulkind ausrechnen, dass dafür eine, von Ihnen erwünschte staatliche Förderung/Umweltprämie in Höhe der Differenz nötig sei. Egal, nehmen wir an, Sie hätten "nur" die 8.500€ verlangt - meine Frage von vorher nach dem Sinn einer solchen gewaltigen Subvention steht trotzdem.


    Zumal: für den Strom Ihres neuen E-Autos geht einiges an hässlichen Rauchschwaden in die Luft, von hässlichen Löchern in der Landschaft ganz zu schweigen. Aber die sieht man in der Stadt meist nicht.

    Freundliche Grüße
    Zack34

    Antwort auf "Wortwahl"
  5. bringt man einfach mal ein Google Link.

    Ok, ich bin ihrem ersten Ergebniss gefolgt und was lese ich da?
    "Neue Entwicklungen wie etwa die SCiB erlauben auch ohne Einbußen an Lebensdauer erheblich höhere Ladeströme von über 10 C."
    Und nix von Reduzierung der Lebensdauer um das 10fache.

    Habe mir die Mühe gemacht und ihren Google-Link mit dem Wort Entsorgung modifiziert. Und siehe da:
    "Lithium-Ion-Batterien, die in Handys und Laptops verwendet werden, enthalten kein metallisches Lithium und es gibt deshalb kein Entsorgungsproblem."
    http://batteryuniversity....

    Keine Ahnung, was man von der Quelle halten soll, da sie aber keine Liefern um ihre "Fakten" zu belegen, muss ich mich damit begnügen.

    Was interessiert mich ein Kohlekraftwerk in der Pampa. Mir geht es um mein Wohlbefinden in meiner Umwelt. Aber zum Glück ist es dem Elektroauto egal, ob der Strom nun aus einem Kohle- oder einem Windkraftwerk kommt.

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