Autoindustrie : Citroën sucht Anschluss

Seit Jahren steht Citroën vor allem für Extravaganz, doch Verkaufsschlager wurden die Wagen hierzulande kaum noch. Jetzt haben sich die Franzosen berappelt.

Was hat Citroën in den letzten 25 Jahren nicht alles unternommen, um sich effektvoll in Szene zu setzen. Neue Modelle noch und nöcher, immer neue Ideen – und einige Fehlschläge, vor allem in Deutschland. Die Liste der Fahrzeuge, die zumindest hierzulande kaum gefragt waren, ist lang. Das Oberklassemodell XM floppte ebenso wie AX, BX oder alle weiteren Bestrebungen, im Kompaktklasse-Segment eine Chance gegen Golf, Astra und Co. zu haben. Auch der Xsara war ein lieber Bursche, doch bei den Kunden kam er nicht an.

Schon seit Mitte der achtziger Jahre hatte der Hersteller nicht viel Innovatives zu bieten. Die Oberklasse-Limousine CX war das letzte Fahrzeug, das sich gegenüber der Konkurrenz ernsthaft behaupten konnte. So gilt der 2CV – die Ente – neben dem CX bis heute als bekanntestes Modell der Marke. Dabei bewiesen die Franzosen doch in der Rallye-Weltmeisterschaft, dass sie auch sportlich mitmischen können: Mit dem C4 WRC wurde Sébastien Loeb zur Rallye-Legende. Die Marke Citroën profitierte davon aber wenig. Was fehlte, war eine klare Linie.

Doch mit der wilden Stocherei im Nebel von Design und visionären Technologien ist Schluss. In der Pariser Zentrale hat man wohl verstanden, dass die Konkurrenz nur mit guten Produkten, Hightech und Emotionalität anzugreifen ist. Dass dieser Dreiklang kein Hexenwerk ist, zeigen nicht mehr nur Wettbewerber aus Europa, sondern längst auch aus Japan und Korea.

Aber inzwischen hat sich Citroën berappelt. Bestes Beispiel sind die noch jungen Modelle C3 und C4. Sie verzichten auf extravagante Designkapriolen vergangener Jahre, mit denen sich allenfalls der ein oder andere Individualist anfreunden konnte. Für ihr Mittelklassemodell C5 bekamen die Franzosen ebenfalls bereits gute Noten. So langsam muss sich auch ein neuer C1 in Position bringen, denn die Konkurrenz trommelt lauter denn je. Auf der Suche nach neuen Ertragsquellen schielt Citroën neidisch zu Mini und Fiat hinüber, die mit Szene-Kleinwagen imposante Umsätze generierten.

Ähnlich neu positioniert Citroën auch die Modellreihe DS – wobei sich nur der Name an der Oberklasse-Limousine mit dem göttlichen Wortspiel orientiert, die ab Ende der 1950er Jahre zur Legende wurde. "DS" heißt bei Citroën seit einiger Zeit das absolute Topmodell. Der kleine DS3 machte einen hoffnungsvollen Anfang, und im kommenden Jahr geht es in den größeren Segmenten weiter. "Im Frühjahr werden wir den DS4 vorstellen, Ende des Jahres 2011 kommt noch der DS5", kündigt Jean-Pierre Duvivier an, bei Citroën für Marketing und Technik zuständig.

Der DS4 basiert auf dem neuen Kompaktklassemodell Citroën C4, und der DS5 wird das Topmodell der neuen Fünferreihe. Der neue C5 wird im Herbst auf der IAA in Frankfurt vorgestellt und wird wie bisher als Limousine und Kombiversion erhältlich sein. Er teilt sich die Plattform mit dem Peugeot 508, der bereits Anfang 2011 seine Premiere feiert. Der DS5 soll in zwei Versionen folgen: als Standardbenziner mit über 200 PS und als Dieselhybrid. Bei diesem wird ein 163 PS starker Vierzylinder die Vorderachse antreiben, ein 41-PS-Elektromotor unterstützt auf der Hinterachse und soll so auch auf schlechtem Untergrund für den rechten Vortrieb sorgen.

Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Unkenntnis.....

Der Autor des Artikels ist entweder zu jung oder zu uninformiert. Die Modellreihe ID 19, DS (Déesse)21 waren DIE Erfolgsmodelle schlechthin. Auch in Deutschland.

Hier in Österreich begegne ich dem C3 auf Schritt und Tritt. Die Fahrzeuge haben wenigstens einen eigenen Charakter. Wohingegen man bei vielen deutschen und japanischen Erzugnissen erst einmal auf das Markensignet schauen muß, um zu wissen, wer der Hersteller ist. Ein aerodynamischer (?) Einheitsbrei sondergleichen. Ich fuhr jahrelang einen Mercedes S 320. Der Kofferraum eine Katastrophe. Nicht einmal zwei große Schalenkoffer paßten in dieses Gefährt. Von umfangreichem Gepäck für einen 14-tägigen Skiurlaub ganz zu schweigen.

Und warum floppt der Phaeton, ein wunderschönes, komfortables und luxuriös ausgestattetes Auto? Zu wenig Prestige für die Bonzokratie?

Mieses Produktmanagement

ich fahre seit Anfang 90er Citroen und bin mit den Autos (BX / XM / C5-1 äußerst zufrieden, insbesondere mit dem BX und der ersten Serie des C5. Der C5 läuft und läuft und läuft und geht nie kaputt und taucht in der ADAC Pannenstatistik nie auf, weil er keine Panne hat.

Dumm nur daß der größte Feind des Citroen die Firma Citroen ist. Der C5 wurde mit der 3. Serie zu einer aufgemotzten BMW-Kopie, die nie an einen 5er BMW rankommt und vom C5 nichts übrig läßt. Der C5-1 und 2 waren Limousinen/Kombis mit sehr praktischem und hohem Kofferraum, Platzwunder wie der BX nur größer.
Der C6 ist vollkommen verkorkst - ein wenig CX, sonst ein Audi-Abklatsch, grauenvoll anzusehen und von hinten einfach geschmacklos.

Die Design-Abteilung bei Citroen sollte ausgetauscht werden und Herr Bertone (Designer der DS und der legendären Alfa-Modelle) oder ein ihm würdiger Nachfolger, eingeflogen werden.

Audi-Abklatsch?

Da braucht es aber ungeheuer viel Fantasie, um im C6 auch nur einen Hauch von Audi zu sehen. Vielleicht, weil er auch vier Räder hat...? Und Formgebung ist nun mal Geschmacksache.Ihnen mag das Heck des C5 nicht gefallen, ich finde es wohltuend anders. Die Inkarnation des Schrecklichen sind für mich die Audi-, VW-, Mercedes- und BMW-Hinterteile. Leider ist der C6 nicht meine Preisklasse, sonst hätte ich ihn mir schon längst zugelegt.

C3 und andere Designspielerein - total unpraktisch aber nett

Wer mit so "designeten" Autos in der täglichen Praxis unterwegs war, wünscht sich sommers wie winters die kleinere Frontscheibe zurück - was auch der Stabilität der Fahrgastzelle dienen würde.

Mag konservativ klingen, aber ein Auto darf elegant und chic sein, muss dabei aber praktisch bleiben und nicht zur fahrenden Sauna mutieren.

Und ja - die Reminizenzen an die ehemals französischen Sänften des Fahrkomforts düfen gerne wieder deutlicher durchklingen, nachdem diese fast abgeschafft wurden.