Chuck Jordan Fortschrittsglaube, in Straßenkreuzer gegossen

Chuck Jordan schuf zahlreiche Traumautos, vom 59er Cadillac Eldorado bis zum Opel GT. Der GM-Designer hinterlässt ein faszinierendes Erbe zwischen Kitsch und Kühnheit.

In den 1950er und 1960er Jahren sahen sich die USA noch als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Amerikaner lieferten sich mit den Russen einen fieberhaften Wettlauf zum Mond, der Fortschrittsglaube war unaufhaltsam. In ein paar Jahrzehnten, so stellten sich viele Menschen vor, würden alle so leben wie die Jetsons in der gleichnamigen Fernsehserie: Man saust mit Raketen durch die Gegend, lässt sich von Robotern bedienen und muss nur noch drei Stunden pro Woche arbeiten.

Der unbegrenzte Optimismus schlug sich auch im Automobildesign nieder. Die fünfziger Jahre waren die Blütezeit der Straßenkreuzer, als Chrom mit der Kelle aufgetragen wurde und die Heckflossen immer weiter wuchsen. Es war GM-Designer Chuck Jordan, der die Ikone dieser Zeit schuf: den 59er Cadillac Eldorado, ein verschwenderisches Flossenmonster. "Bei diesem Auto habe ich einfach mal den Tiger aus dem Käfig gelassen", sagte Jordan über sein Design. Für die Marke Pontiac arbeitete er auch an den "Wide Track"-Modellen, die wegen ihrer enormen Abmessungen selbst für amerikanische Verhältnisse Schlachtschiffe waren.

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Doch Charles M. Jordan, genannt Chuck, schuf nicht nur dicke Straßenkreuzer, sondern auch elegante Traumautos im Raketen-Stil. Bei den Motorama-Shows, auf denen General Motors in den 1950er Jahren die Autoträume von morgen präsentierte und bei deren Designs alles erlaubt war, konnte sich Jordan so richtig austoben. Einer seiner faszinierendsten Entwürfe war der Buick Centurion von 1956. Die geschwungene Fiberglas-Karosserie war in zwei Farben lackiert und hatte ein Kuppeldach. Auch das Cockpit des Centurion erinnerte mehr an ein Flugzeug als an ein Auto.

Jordan, der 1927 in Kalifornien geboren wurde und schon als Kind Autodesigns in sein Schulheft malte, prägte mit seinem Stil die Cadillacs und Chevrolets der 1950er Jahre. Auch für einige Modelle der Corvette griff man auf seine Entwürfe zurück. Die Heckpartie der 61er Corvette erinnerte ein wenig an das elegante Hinterteil des Buick Centurion. Noch dramatischer gezeichnet als das Serienmodell war allerdings die XP-700 Corvette Concept von 1958, die Jordan als persönliches Fahrzeug für den damaligen GM-Designchef Bill Mitchell kreiert hatte.

Ein weiterer Meilenstein war der Buick Riviera von 1963. Das schicke Coupé führte die etwas altbackene Marke Buick in eine neue, sportlich angehauchte Richtung. Chuck Jordan gestaltete aber nicht nur auf der Straße den Look von morgen, sondern manchmal sogar auf der Schiene. Aus seiner Feder stammt der Aerotrain, eine futuristische Lokomotive mit stromlinienförmiger Verkleidung. Auch diesseits des Atlantiks hinterließ Jordan seine Spuren: Von 1967 bis 1970 war er Designdirektor bei Opel und schuf den ersten Manta sowie den Opel GT.

Ganz an die Spitze schaffte es Jordan erst 1986, als er zum Vize-Präsidenten bei General Motors aufstieg. Nach einer Dekade, in der das GM-Design stark nachgelassen hatte, sollte er den Fuhrpark wieder hübscher machen. "No dull cars" war sein Motto – keine langweiligen Autos. Das gelang ihm zwar nicht immer, aber immerhin verlieh er dem Chevrolet Camaro und dem Pontiac Firebird in den 1990er Jahren eine schnittige Optik. Weniger Lorbeeren erntete er für den bauchigen Chevrolet Caprice von 1991, was der Beliebtheit des voluminösen Chevrolets allerdings keinen Abbruch tat. Der letzte Caprice war in den ganzen USA als Taxi und Streifenwagen unterwegs, und die Kombiversion mit bis zu acht Sitzen war einer der letzten großen amerikanischen Station Wagons.

Im Alter von 83 Jahren ist Chuck Jordan, der privat gerne Ferrari fuhr, nun verstorben. Obwohl er in der Designer-Szene wohl vor allem wegen seiner futuristischen Show Cars und großen Straßenkreuzer in Erinnerung bleibt, nannte er einmal in einem Interview ganz andere Favoriten. Dazu zählten der Cadillac Seville STS von 1992 und der stromlinienförmige Oldsmobile Aurora, bei dem sich Jordan wieder vom Flugzeugdesign inspirieren ließ.

Nachdem er GM verlassen hatte, habe sich das Unternehmen sehr gewandelt, kritisierte Jordan einmal: "Die Ingenieure und Marken-Manager bekamen das Sagen, das Design rangierte nun weiter unten." Die Corvette von 1997 zum Beispiel fiel, obwohl sie technisch einen Sprung nach vorn machte, für Jordans Geschmack viel zu konservativ aus: "Bei mir wäre so etwas nicht passiert." Kein Wunder also, dass der Freund extravaganter Entwürfe nie viel von Marktforschung gehalten hat: Ein guter Designer lasse sich von niemandem dreinreden.

 
Leser-Kommentare
  1. Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    … haben wohl weniger mit verstorbenen Autodesignern zu tun, als vielmehr mit zu hohen Geburtenraten, Bürgerkriegen, verpfuschten Agrarreformen, despotischen Politikern und Religionsführern. Man sollte vielleicht auch ins Auge fassen, dass die „Grüne Revolution“ der fünfziger Jahre, mit deren Hilfe Millionen Menschen im mittleren Osten vor dem Hungertod bewahrt wurden, nicht möglich gewesen wäre, wenn nicht ein Norman Borlaug auch mit den Öl-Dollars der Rockefellers hätte forschen und arbeiten können. Und dieses Geld wurde oftmals damit verdient, dass man Benzin an Autofahrer verkauft hat, die Autos fuhren, die u. a. auch von Mr. Jordan gezeichnet wurden.

    http://www.zeit.de/wissen...

    Zum Artikel: Auch der Opel Rekord D/Commodore B wurde von Charles Jordan entworfen. Zu dieser Zeit hatte die Marke Opel noch einen unangefochtenen Rang in Europa. Außerdem muss man ihm wohl auch einen Anteil bei der Einführung des „Bottle-Shape-Design“ bei den Fahrzeugen der Muscle-Car-Ära zuschreiben, vgl. hierzu Pontiac GTO und dessen dt. Ableger Commodore A Coupé.
    http://www.pontiacserver....

    … haben wohl weniger mit verstorbenen Autodesignern zu tun, als vielmehr mit zu hohen Geburtenraten, Bürgerkriegen, verpfuschten Agrarreformen, despotischen Politikern und Religionsführern. Man sollte vielleicht auch ins Auge fassen, dass die „Grüne Revolution“ der fünfziger Jahre, mit deren Hilfe Millionen Menschen im mittleren Osten vor dem Hungertod bewahrt wurden, nicht möglich gewesen wäre, wenn nicht ein Norman Borlaug auch mit den Öl-Dollars der Rockefellers hätte forschen und arbeiten können. Und dieses Geld wurde oftmals damit verdient, dass man Benzin an Autofahrer verkauft hat, die Autos fuhren, die u. a. auch von Mr. Jordan gezeichnet wurden.

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    Zum Artikel: Auch der Opel Rekord D/Commodore B wurde von Charles Jordan entworfen. Zu dieser Zeit hatte die Marke Opel noch einen unangefochtenen Rang in Europa. Außerdem muss man ihm wohl auch einen Anteil bei der Einführung des „Bottle-Shape-Design“ bei den Fahrzeugen der Muscle-Car-Ära zuschreiben, vgl. hierzu Pontiac GTO und dessen dt. Ableger Commodore A Coupé.
    http://www.pontiacserver....

  2. ... dieser typisch "Press-Inform"-schlecht geschleuderte Honig hat doch erst vor ein paar Tagen die Website der Süddeutschen verklebt ... – bis repetita non placunt :-(

  3. … haben wohl weniger mit verstorbenen Autodesignern zu tun, als vielmehr mit zu hohen Geburtenraten, Bürgerkriegen, verpfuschten Agrarreformen, despotischen Politikern und Religionsführern. Man sollte vielleicht auch ins Auge fassen, dass die „Grüne Revolution“ der fünfziger Jahre, mit deren Hilfe Millionen Menschen im mittleren Osten vor dem Hungertod bewahrt wurden, nicht möglich gewesen wäre, wenn nicht ein Norman Borlaug auch mit den Öl-Dollars der Rockefellers hätte forschen und arbeiten können. Und dieses Geld wurde oftmals damit verdient, dass man Benzin an Autofahrer verkauft hat, die Autos fuhren, die u. a. auch von Mr. Jordan gezeichnet wurden.

    http://www.zeit.de/wissen...

    Zum Artikel: Auch der Opel Rekord D/Commodore B wurde von Charles Jordan entworfen. Zu dieser Zeit hatte die Marke Opel noch einen unangefochtenen Rang in Europa. Außerdem muss man ihm wohl auch einen Anteil bei der Einführung des „Bottle-Shape-Design“ bei den Fahrzeugen der Muscle-Car-Ära zuschreiben, vgl. hierzu Pontiac GTO und dessen dt. Ableger Commodore A Coupé.
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  4. Was mich wundert, ist dass dieser geniale Designer in den 90er Jahren einige der ödesten und glattgelutschtesten Autos gezeichnet hat. Allein der Aurora ist ein sehr abschreckendes Beispiel. Zu alt? Sein Favorit ist der Seville STS von 1992, wie bitte was? Das Auto ist ungefähr so interessant wie ein Opel Omega. Und wenn es stimmt, dass der 90er-Jahre-Camaro von ihm stammt, dann hat er es geschafft, ein kantiges Charaktergesicht in einen gesichtslosen Opa-Sportler zu verwandeln. Trotzdem, ruhe sanft und danke für alles aus besseren Tagen.

    Übrigens, liebe Zeit-Redaktion: Bild 1 zeigt keine Limousine, sondern ein Cabrio. Diesen Eldorado gab es auch gar nicht als Limousine, sondern nur als Cabrio und Coupé.

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