Wer sein Auto zur Inspektion bringt, erlebt manchmal eine ungeahnte Überraschung. "Bei Ihnen war der Marder drin", teilt der Meister dann mit und wedelt mit zerfetztem Isoliermaterial oder angeknabberten Kabeln. Weil viele Fahrer höchstens noch zum Auffüllen der Scheibenwaschanlage unter die Haube schauen, wird das Resultat der Beißattacke häufig erst spät entdeckt.

Die bevorzugten Anschlagsziele des Marders sind Zündkabel, Kunststoffschläuche sowie Faltenbälge an Antriebswellen und an der Lenkung. Auch Isoliermatten für die Geräusch- und Wärmedämmung fallen den spitzen Zähnen zum Opfer. Versicherungen zahlen bei Marderschäden indes nur zum Teil, vor allem auf Folgeschäden bleiben Autofahrer oft sitzen.

Dabei können gerade diese recht hoch ausfallen. "Verletzungen an Gummimanschetten machen sich zwar nicht sofort bemerkbar, aber durch das Eindringen von Schmutz und den Verlust der Fettfüllung kommt es zur Schädigung der Antriebs- und Achsgelenke oder der Lenkungsteile", erläutert Manfred Groß vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg. Bei perforierten Kühlwasserschläuchen geht Kühlflüssigkeit verloren, der Motor kann überhitzen. Hier deckt eine Kaskoversicherung in aller Regel nur die Kosten für den Kühlwasserschlauch ab, nicht aber für einen daraus folgenden Motorschaden durch Überhitzung. Zudem liegt der vereinbarte Selbstbehalt oft über den Reparaturkosten.

Der Automobilclub rückt rund 15.000mal im Jahr zu Pannen aus, die auf das Konto von Mardern gehen. "Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Die meisten Schäden werden erst bei der Inspektion oder beim TÜV entdeckt", sagt Groß.

Aber warum finden es Marder unter der Motorhaube überhaupt so verlockend? In Internetforen geht das Gerücht um, dass zur Herstellung von Kabelummantelungen oder Isoliermatten Tiermehl verwendet werde. Erwärme sich der Motor, schnuppere der Marder angenehme Futterdüfte. Soweit die Theorie. Auf Anfrage teilten allerdings zahlreiche Hersteller, darunter Hyundai, Renault, BMW und Daimler, mit, dass in ihren Fahrzeugen solches Material keineswegs verbaut sei. Bei der Tiermehltheorie dürfte es sich also um ein modernes Wandermärchen handeln.

Die Wildbiologin Beate Ludwig hat in umfangreichen Versuchsreichen herausgefunden, warum die Tiere es sich wirklich im Motorraum gemütlich machen. "Die Motorwärme hat damit nichts zu tun", sagt die Biologin. "Für den Marder ist das einfach ein gutes Versteck." Dass er dort auch noch Randale macht, habe drei Gründe: "Die Tiere ertasten durch Beißen ihre Umwelt, so wie es auch ein junger Hund tun würde. Dazu kommen ein natürlicher Spieltrieb und vor allem während der Paarungszeit die Aggression der Männchen", erklärt Ludwig. Wenn die nämlich Duftspuren anderer Männchen wittern, fliegen buchstäblich die Fetzen. Deshalb werden Autos, die oft den Standort wechseln, überdurchschnittlich häufig von Mardern heimgesucht.

Zwar liegt die Paarungszeit im Frühjahr – entsprechend hoch ist dann die Zahl der Schäden. Doch auch in der kalten Jahreszeit sind Autobesitzer nicht von den Beißern gefeit, denn Marder halten keinen Winterschlaf. Sind in der Nachbarschaft bereits Marderschäden aufgetreten, gilt Alarmstufe Rot. Verräterisch sind auch Pfoten-Tapser auf der Haube oder dem Autodach. Wer Spuren, etwa zerfasertes Isoliermaterial, findet, sollte jeden Winkel des Motorraums gründlich unter die Lupe nehmen.